Hohenziatz l Sachgebietsleiter Hartmut Kriese vom Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten Altmark (ALFF) konnte bei der zweiten Teilnehmerversammlung (TG) im Hohenziatzer Gemeindezentrum gut 50 Betroffene begrüßen. In der Versammlung am Mittwochabend galt es, aus dem Kreise der Beteiligten einen Vorstand zu wählen, der die kommenden Verfahrensschritte leitet.

Mitglieder-Interessen vertreten

Nach einer umfassenden Erklärung durch den ALFF-Vertreter wurden die Stimmzettel eingesammelt. Dann stand fest: der gewählte Vorstand der Teilnehmergemeinschaft Hohenziatz besteht aus dem Lüttgenziatzer Landwirt Dirk van den Tillaart (Vorsitzender), dem Hohenziatzer Ortsbürgermeister Holger Blumhagel als dessen Stellvertreter, sowie Reinhold Krause, Ronny Meineke und Irmhild Busse. „Die Vorstandsmitglieder müssen die Interessen aller Mitglieder der Teilnehmergemeinschaft vertreten, nicht nur ihre eigenen“, erklärte Hartmut Kriese vorweg.

Als dringende Empfehlung brachte Hartmut Kriese eine Organisation in Sachsen-Anhalt ins Spiel, die die Aufgaben solcher TG-Vorstände übernimmt. Der Verband der Teilnehmergemeinschaften mit Sitz in Schönebeck wurde 1999 gegründet, mit dem Ziel, die ehrenamtlich wirkenden Vorstände bei der Umsetzung der geplanten Maßnahmen innerhalb von Flurbereinigungs- und Bodenordnungsverfahren zu unterstützen.

1911 Hektar

In Hohenziatz geht es um ein Gebiet von 1911 Hektar, das sind etwa drei Viertel der Hohenziatzer und Lüttgenziatzer Gemarkung. Es geht darum, die hier gelegenen 1381 Flurstücke sinnvoll neuen Besitzern zuzuordnen, damit diese die Flächen ökonomischer bewirtschaften können und kürzere Wege haben.

„Die Grundstücke sind zum Teil nur zwölf oder 30 Meter breit. Mit moderner Technik ist keine sinnvolle Bewirtschaftung möglich“, hatte Hartmut Kriese schon vor einem Jahr verdeutlicht.

Parzellen zusammenfassen

Nur 52 der Flächen im Vorhabensgebiet sind größer als fünf Hektar. 608 Flächen sind zwischen einem und fünf Hektar groß. Dazu kommen weitere 721 Flächen von weniger als einem Hektar. Die kleinen Parzellen sollen zusammengefasst werden.

Es geht aber nicht nur um einen großangelegten Grundstückstausch. Auch gut 25 Kilometer Wege sollen im Plangebiet neu gebaut oder erneuert werden. Das vorgefundene Wegenetz sei katastrophal, urteilten die Experten vor einem Jahr nach einer ersten Sichtung. Aus den bisher unbefestigten Schlammpisten sollen überwiegend Betonspurbahnen werden. 15 neue Wege-Vorhaben zeigt eine Idee des beauftragten Planungsbüros.

Versammlung vor einem Jahr

Im Jahr 2014 waren drei landwirtschaftliche Betriebe aus Hohenziatz und Lüttgenziatz an das ALFF herangetreten, mit der Bitte, ein solches Bodenneuordnungsverfahren durchzuführen. Seit 2015 saßen daraufhin ALFF, einige Landwirte und Vertreter der Stadt Möckern zusammen und bereiteten die Planung vor. Vor genau einem Jahr waren dann erstmals die betroffenen Landeigentümer und Nutzer zu einer Teilnehmerversammlung eingeladen worden.

Vermessung beginnt 2019

„Nachdem die Teilnehmergemeinschaft sich nun einen handlungsfähigen Vorstand gegeben hat, kann mit der eigentlichen Arbeit begonnen werden“, so Hartmut Kriese. Sichtbare Maßnahmen sind deswegen allzuschnell noch nicht zu erwarten. Im Jahr 2019 wird mit der Vermessung begonnen, der Wege- und Gewässerplan soll in Auftrag gegeben werden. Schon diese ersten Maßnahmen dürften drei Jahre in Anspruch nehmen. Auch die Wertermittlung der betroffenen Grundstücke beginnt nun.

Viele Unterlagen zum Hohenziatzer Flurbereinigungsverfahren sind auf der Internetseite des ALFF einsehbar. So auch die Gebietskarte. Hier fällt auf, dass einzelne Wege zum Verfahrensgebiet gehören, ohne dass hier Grundstücke angrenzen. Darauf angesprochen, heißt es seitens des ALFF, in dieser ersten Phase gehe es zunächst nur um eine flurstücksscharfe Abgrenzung. Dass hier tatsächlich Wegebau vorgesehen ist, bedeute eine solche Einzeichnung in der Gebietskarte aber nicht automatisch.

Keine Planänderung

Gegenüber der vor einem Jahr vorgestellten Planungen habe sich nichts geändert, hieß es am Mittwochabend im Hohenziatzer Gemeindezentrum. Damals war auch über eine mögliche Kostenbeteiligung der Grundstückseigentümer gesprochen worden. Nach ersten Berechnungen müsste jeder Eigentümer eigentlich 424 Euro pro Hektar dazugeben. Wegen Zusagen von Stadt und Landwirten sei aber eine Deckelung bei 200 Euro möglich. Den Riesenanteil der tatsächlichen Kosten – insgesamt sind es etwa 5,4 Millionen Euro – übernimmt eine 85-prozentige Förderung von Land, Bund und der Europäischen Union.