Schartau/Burg l Kommt der Polder, das rund 1200 Hektar große Flutungsgebiet zwischen Schartau und Blumenthal, oder nicht? Für Guido Schmidt steht fest: „Vor unserer Haustür werden Tatsachen geschaffen. Wir haben später das Risiko.“ So sei der Einbau von Stahlspundwänden in den Deich ein klarer Beleg dafür, dass das Land bereits Fakten schaffe.

Auf diese Tatsachen soll nun Einfluss genommen werden. Deshalb haben sich er und weitere vier Schartauer an die Spitze einer Bürgerinitiative (BI) gesetzt, die am Donnerstagabend in der Dorfkirche gegründet wurde und von vielen Bürgern unterstützt wird. Die ersten Unterschriftenlisten füllten sich schnell.

Keine Zweifel an Polder

Dabei wird nicht am Sinn eines Polders, der im Falle eines Extremhochwassers zum Schutz der Unterlieger geflutet würde, gezweifelt. Das machte Manfred Birkholz, der mehr als 40 Jahre im Wasserbau tätig war, mehrfach deutlich. „Unsere Flüsse, wie auch die Elbe, brauchen wieder mehr Raum. Aber wir sind generell gegen Polder zwischen zwei Ortschaften, wie hier zwischen Schartau und Blumenthal. Vor allem deshalb, weil es entlang der Elbe genügend andere Flächen gibt, wo Einwohner nicht berührt und benachteiligt werden.“ Birkholz und Schmidt machten auf die Folgen aufmerksam, mit denen die Schartauer bei einer möglichen Nutzung des Polders zu rechnen hätten. Nicht nur, dass die Grundstücke beispielsweise deutlich an Wert verlören, auch die Versicherungsprämien würden in die Höhe schnellen. Schlimmstenfalls würden gar keine Policen mehr abgeschlossen. Zudem müssten die Bauern um ihre Existenz bangen: „Die landwirtschaftlichen Flächen sind dann minderwertig“, prophezeite Schmidt.

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Überhaupt würden viele Schartauer bei einem Hochwasser mit Polderflutung die Folgen hautnah zu spüren bekommen, sagte Birkholz: So würde sich der Grundwasseranstieg deutlich erhöhen, weil der Ort von Wassermassen umschlungen wäre.

Lebensqualität nimmt wegen Bauen ab

„Aber auch schon während einer möglichen Bauphase müssten wir damit rechnen, dass die Lebensqualität deutlich abnimmt“, so Schmidt. Immerhin würden unzählige Fahrzeuge den Ort queren. „Verkehr, Baustellenlärm und Staub wären eine große Belastung.“

Auch für Ortsbürgermeister Hans-Horst Borg steht fest, dass sich der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) „ganz klar“ auf den Polderbau festgelegt habe, „auch wenn immer Gegenteiliges betont wird. Daran glaube ich nicht.“ Borg legte eine Art Chronik der vergangenen zehn, fünfzehn Jahre vor – unter anderem Beiträge der Burger Volksstimme, aus denen hervorgeht, seit wie viel Jahren Schartau als Flutungsgebiet vom Land bevorzugt dargestellt wurde. „Niemand kann uns erzählen, dass noch nichts entschieden ist“, so Borg, der auch auf das bestehende Bergrecht nahe der Gemeinde verwies. Weil für den Polderbau große Mengen an Kies benötigt werden, böten sich die genehmigten Felder in Sichtweite des Ortes geradezu an, um lange Transportwege zu vermeiden.

Ängste der Bürger nachvollziehen

Für Burkhard Henning, Direktor des LHW, steht noch nicht fest, dass der Polder bei Schartau errichtet wird. Die Stahlspundwände würden eingezogen, weil es sich um einen „potentiellen Standort“ handele und der Deich ohnehin saniert werde, sagte er gestern auf Nachfrage der Volksstimme. Alles andere werde im Rahmen eines Genehmigungsverfahrens entschieden, „bei dem die Bürger eingebunden werden. Ich kann die Ängste der Menschen nachvollziehen. Deshalb stehen wir auch für Gespräche mit der Bürgerinitiative zur Verfügung“, so Henning.