Friedensau l Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit sind darauf angewiesen, ihre Arbeit nachhaltig und effektiv zu gestalten und auf ihre Wirksamkeit hin auszuwerten. Hier setzt das Friedensauer Institut an. „Durch ein internationales Netzwerk, das auch ehemalige Studentinnen und Studenten (Alumni) einbindet, können in vielen Teilen der Welt schnell professionelle Arbeitsgruppen vor Ort gebildet werden“, davon ist man an der Hochschule überzeugt.

Dr. Kwaku Arhin-Sam ist der neue und erstmals hauptamtliche Direktor des Institutes. Er übernimmt die Leitung von Horst Rolly, der das Institut im Jahr 2010 aus der Taufe gehoben hatte – damals noch unter dem Namen „Institut für Evaluation in der Entwicklungszusammenarbeit und in der humanitären Hilfe“.

Projekt wird in Thailand betreut

Noch stecken Kwaku Arhin-Sam und seine Familie voll im Umzug nach Friedensau, sagt Thomas Spiegler, Professor für Soziologie und empirische Sozialforschung am Fachbereich Christliches Sozialwesen an der Technischen Hochschule Friedensau. Aber auch wenn sich das Institut zurzeit in einer Phase der Umstrukturierung befände, habe der neue Instituts-Direktor die Evaluationstätigkeit bereits aufgenommen.

Gegenwärtig wird mit Hilfe von Absolventen aus Myanmar für ADRA Schweiz ein Projekt in Thailand auf seine Effizienz überprüft. ADRA ist eine der Freikirche den Siebenten-Tags-Adventisten nahestehende Nichtregierungsorganisation.

Schlechter Zugang zu Gesundheitsversorgung

„Thailand gehört zu den drei Ländern auf der Welt mit der höchsten Zahl staatenloser Bewohner“, führt Thomas Spiegler aus. „Staatenlosigkeit ist verknüpft mit schlechterem Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen wie Gesundheitsversorgung und Bildung, eingeschränkten Möglichkeiten sich frei zu bewegen und weniger Möglichkeiten politischer Mitbestimmung.“ Daher sei es Ziel der thailändischen Regierung und des Flüchtlingshilfswerkes der Vereinten Nationen (UNHCR), staatenlosen Menschen zu einer Registrierung zu verhelfen. „Zu diesem Zweck wurde in Kooperation von ADRA mit UNHCR ein mehrjähriges Projekt in Thailand durchgeführt, dass nun evaluiert wird“, so Spiegler.

Ein anderes Beispiel: Nach dem Erdbeben in Haiti im Jahr 2010 untersuchte ein Team des Instituts vor Ort unter Beteiligung damaliger Studierender die Arbeit von einem Netzwerk von Nichtregierungsorganisationen (NGOs), die in Haiti Katastrophenhilfe geleistet hatten.

Netzwerk mit Partnern in vielen Ländern

Mit dem Institut bietet sich auch für Friedensauer Studenten im Bereich Development Studies eine Möglichkeit, erste Praxiserfahrungen im Bereich Monitoring und Evaluation zu sammeln, so Spiegler weiter. „Das Institut baut ein Netzwerk mit Partnern in vielen Ländern der Welt auf. Das können lokale Organisationen oder Experten – auch aus dem Kreis der Absolventen von Friedensau – sein, die vor Ort in der Entwicklungszusammenarbeit, in Sozialprojekten oder der humanitären Hilfe tätig sind.“

Gegenwärtig Studierende können je nach Projekt und Fragestellung sowohl in Evaluationsbesuche vor Ort eingebunden werden, als auch an den dazugehörigen Forschungs- und Auswertungsarbeiten auf dem Campus mitwirken.

Globale Entwicklung und Ungleichheit im Fokus

Das neu organisierte Institut sei nicht direkt einem Studiengang zugeordnet, stehe aber in engem Bezug zum Masterstudiengang International Social Sciences. In dessen Zentrum stehen Fragen globaler Entwicklung und Ungleichheit.