Ziepel l Man kann es sich kaum vorstellen, aber das Erste, was die Arbeiter zu Beginn der Bauarbeiten machen mussten, war: Das Wasser wegpumpen, um überhaupt graben zu können. „Tag und nacht haben wir das Grundwasser abgepumpt“, erinnert sich etwa der Ziepeler Erhard Thormeier.

Erinnerungen an die Anfänge

Auch Klaus Münzel kann sich noch gut an die Anfänge des Ziepeler Freibades erinnern. Er hat daran mitgearbeitet. Zu verdanken sei der Bau des Freibades dem VEB Kampf und dem damaligen Direktor Jakob. Mit Hilfe dessen Baubrigade und reichlich Eigenleistung wurde das Freibad angelegt. Es liegt an einer Stellen, an der sich früher der Park eines Gutshofes befand, erklärt Klaus Münzel. Auch der sei bereits ein beliebter Treffpunkt für die Jugend gewesen, erzählt der Ziepeler.

An der baulichen Substanz hat sich in den vergangenen fünf Jahrzehnten wenig verändert. Etwa zehn Jahre nach Eröffnung kam an der Seite ein kleiner Anbau hinzu, der Raum für einen Friseursalon bot, weiß Klaus Münzel. Bis zur Wende sei der Salon geblieben. Heute befindet sich hier der Eingang zum Bad.

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Ziel: Freibad weiterhin erhalten

„Schon zu Zeiten der kommunalen Selbständigkeit hat Ziepel alles getan, um das Freibad zu erhalten. Wir sind froh, dass das die Einheitsgemeinde Möckern genauso sieht“, sagt Ziepels Ortsbürgermeister Wolfgang Koch. Er erinnert daran, dass in diesem Jahr die Gebäudesanierung vorgesehen ist. „Alles soll etwas besser zugänglich werden.“ Im Folgejahr soll das Becken erneuert werden. Täglich muss Schwimmmeister Dirk Lingner Wasser nachlaufen lassen. Gerne würde man Photovoltaikanlagen auf dem Sanitärtrakt installieren, um das nachzufüllende Wasser aufzuwärmen, aber das gibt wohl die Statik des Gebäudes nicht her.

Wolfgang Koch spricht vom umsatzstärksten Freibad der ganzen Einheitsgemeinde – „bekannt aus Presse, Funk und Fernsehen“, fügt er hinzu. Tatsächlich verbuchte das Ziepeler Bad im zurückliegenden Jahr 2018 einen Besucherrekord mit 11.024 Gästen – die etwa 4000 Kinder unter vier Jahren nicht mitgezählt. Und das trotz der Dauerbaustelle an der Ortsdurchfahrt, die das Erreichen des Freibades ziemlich schwer machte.

Besucherstarker Juni

Auch der Juni des laufenden Jahres 2019 erwies sich als der besucherstärkste Monat bisher. Die Statistik führt Schwimmmeister Dirk Lingner, der nun schon seit 19 Jahren in dem Freibad seinen Dienst tut. „Wir hatten Tage, da waren 600 Gäste an einem Tag im Bad“, berichtet Lingner.

Wetter spielt nicht mit

Wolfgang Koch verwundert das nicht: „Wir haben hier im Bad wunderbare Liegewiesen mit viel Schatten, das Becken liegt fast den ganzen Tag in der Sonne und ist dadurch noch ein bisschen wärmer und durch die gastronomische Versorgung kann man den ganzen Tag hier verbringen. Es gibt Familien, die verbringen hier ihren Urlaub.“ Die Gäste kämen nicht nur aus Ziepel und den umliegenden Orten, sondern auch aus Magdeburg, weiß der Ziepeler Ortschef. Für ihn ist das Vorhandensein eines Schwimmbades ein Beweis von Daseinsfürsorge. Von Bedeutung sei auch, dass einige Generationen von Kindern hier das Schwimmen gelernt haben. In begrenztem Ausmaß bietet Schwimmmeister Lingner hier Kurse an.

Ausgerechnet zur Geburtstagsfeier des Freibades wollte der Himmel nicht so recht mitspielen. Wind und Wolken sorgten für einen Gänsehautfaktor, den keiner am Sonnabend haben wollte, als es etwa um die Ziepeler Arschbombenmeisterschft ging. Die Jury, bestehend aus Ortschef Wolfgang Koch, Schwimmmeister Dirk Lingner und dem CDU-Landtagsabgeordneten Markus Kurze, hatte Schwierigkeiten, die beste und kreativste Wasserverdrängung vom Dreimeterbrett zu küren. Ein weiterer witziger Wettkampf im 1260 Kubikmeter fassenden Schwimmerbecken war das Absammeln von schwimmenden Bällen vom Schlauchboot aus.

Tanzfläche überdacht

Gegen Abend zog sich dann der Himmel immer mehr zu, was dem Auftritt der Rockband „Passionate Rock“ aber keinen Abbruch tat. Dank einer spontan überdachten Tanzfläche konnten die, die gekommen waren, einen schönen Abend bei guter Musik verbringen. „Die Party ist großartig“, schwärmte Ortschef Koch.