Möckern/Loburg l Die Organisatoren des Rassegeflügelverbandes Jerichower Land haben somit nichts geringeres erreicht, als die erste sachsen-anhaltweite „Rote-Liste“-Schau zu organisieren. Auf dieser Liste finden sich Tierarten, die in ihrem Bestand gefährdet sind oder kurz davor stehen, gefährdet zu sein. Erstellt wurde die Liste von der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH).

Neben Säugetieren stehen auch Vögel auf dieser Roten Liste: 33 Hühner-, neun Enten-, sieben Gänse-, drei Puten- und drei Tauben-Rassen. Sie sind entweder extrem, stark oder „nur“ gefährdet. Als vierte Kategorie gilt die „Vorwarnstufe“. In der fünften Kategorie werden Rassen benannt, zu denen die Daten unzureichend ist oder Genetik oder Gefährdungsgrad unsicher sind.

Der Hahn mit den Sirenen kräht

Einer, der sich über die Sonderschau in Möckern besonders freut, ist der Loburger „Storchenvater“ Christoph Kaatz. Er selbst hält und züchtet auf dem Storchenhofgelände mehrere seltene Rassen: darunter den Bergischen Kräher-Hahn, der in der Kategorie I der extrem gefährdeten Rassen geführt wird. Der Name der Vögel lässt ahnen, warum die Rasse immer seltener in den Volieren deutscher Züchter zu finden und zu hören ist: „Der Hahn kräht laut und gerne“, weiß Vereinsvorstandsmitglied Sophie Humpert. Und das ist auch mittlerweile auf dem Lande mittlerweile nicht mehr allzu beliebt. „Die Hähne fühlen sich auch immer angesprochen, wenn die Feuerwehrsirene geht. Dann krähen die gleich mit“, so Sophie Humpert. „Es ist ein wunderbar langgezogenes Krähen“, schwärmt Christoph Kaatz.

Bilder

Nicht ganz so gefährdet, aber auch auf dem Storchenhof wohnhaft sind die Ostfriesischen Möwen. Hier ist der Name irreführend. Die Ostfriesischen Möwen sind ebenfalls Hühner. Bei ihnen ist nicht ganz so offensichtlich, warum sie bedroht sind. Laut Beschreibung der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen besitzen Ostfriesische Möwen hervorragende Nutzungseigenschaften wie Robustheit, Beweglichkeit, eine ausgesprochene Wetterhärte und Schnellwüchsigkeit sowie ein hervorragendes Fleisch, wenngleich ihre Legeleistung nicht an die der Legehybriden heranreicht. Möglicherweise gefällt es aber den Züchtern einfach nicht, dass – laut Sophie Humpert – bei den Ostfriesischen Möwen die Henne schöner sein soll, als der Hahn.

Puten sind am meisten vertreten

Die größten Vertreter seltener Rassen auf dem Storchenhof sind die Puten. Wenngleich so genannte Hybriden aus der Massentierhaltung bekannt sind, ist es um die reinen Rassen schlecht bestellt. Die Rote Liste führt sie in der zweit- und dritthöchsten Kategorie. Auf dem Gelände der Loburger Vogelschutzwarte haben die Rassen „Deutsche Pute“ und „Cröllwitzer Puten“ übrigens einen Job zu erledigen. Weil die agilen Puten ausgesprochen brütig sind und daher gerne als Glucken eingesetzt werden, schieben die Storchenhof-Mitarbeiter ihnen des Öfteren ein Storchenei unter. Manch ein Adebar „made in Loburg“ verdankt den Puten sein Leben.

Längst ist der Rassegeflügelzüchter selbst zur bedrohten Art geworden. „Allgemein ist die Geflügelhaltung sehr zurückgegangen“, bedauert Christoph Kaatz. Auch gebe es immer weniger jugendliche Züchter. „Es gehört zu den grundlegenden Aufgaben des Storchenhofes, seltene Rassen zu schützen und zu bewahren“, so Christoph Kaatz. Auch wolle man Menschen ermutigen, sich wieder mehr mit den Tieren zu befassen. Das gleiche Anliegen hat die mit der Sonderschau verbundene Ausstellung des Kreisverbandes heute und morgen in Möckern (siehe Info-Kasten).