Burg/Stendal l Gegen drei Burger läuft seit Montagnachmittag ein Prozess vor dem Stendaler Landgericht. Ihnen wird vorgeworfen, im November 2018 und im Frühjahr vergangenen Jahres einen weiteren Burger geschlagen, bedroht und vergewaltigt zu haben. Sie zwangen ihn dabei zu Oral- und Analsex, teilweise ungeschützt. Der 20-jährige Hauptangeklagte sitzt bereits seit Juni in Untersuchungshaft, ein 19-jähriger Angeklagter sitzt seit Oktober, während sich der dritte Angeklagte (17) auf freiem Fuß befindet.

Schnittwunden an Arm und Bein

Zwei Seiten lang ist die Anklageschrift, die in Saal 218 des Stendaler Landgerichtes verlesen wurde. Sie beschreibt ein wahres Martyrium. „Begonnen hat es an einem nicht näher zu bestimmenden Tag im November 2018“, sagte Gerichtssprecher Michael Steenbuck gegenüber der Volksstimme.

Zwei der Angeklagten sollen ihr Opfer Dirk (Name geändert) mehrmals mit der flachen Hand auf die Ohren geschlagen, ihn dann zu Boden gebracht und mit mehreren Fußtritten gegen den Körper malträtiert haben. Ein genaues Alter konnte Steenbuck zwar nicht angeben, hielt Dirk aber für einen Altersgenossen der Täter.

Alles auf Video festgehalten

Ein bis zwei Tage später sei es dann zur nächsten Begegnung in einer Burger Wohnung gekommen. Das Opfer sei ins Schlafzimmer gedrängt worden, wo ihm vorgeworfen worden sei, die Angeklagten an „die Nazis von Burg“ verraten zu haben. Er musste sich ausziehen und auf einen Stuhl setzen. Mit einem Küchenmesser seien ihm dann Schnitte an einem Arm und einem Bein beigebracht worden. Doch damit noch nicht genug. Vom 19-Jährigen sei er dann auch noch zum Oralsex gezwungen worden. Zur weiteren Demütigung und eigenen Ergötzung wurden große Teile der Tat mit einem Handy aufgenommen.

Und danach hatte Dirk nur für ein paar Monate Ruhe vor seinen Peinigern. Ende März oder Anfang April des vergangenen Jahres sei er dann vom Hauptangeklagten zum Tee eingeladen worden. Zur Begrüßung sei er dann wenig gastfreundlich mit Fußtritten die Kellertreppe hinunterbefördert worden. Im Keller sei ihm dann ein Schal um den Mund gelegt worden, um ihn gefügig zu machen. „Er sollte sich von seiner Familie verabschieden“, zitierte Steenbuck. Wieder wurden weite Teile des Geschehens, das diesmal von dem 17- und dem 19-Jährigen bestimmt worden sei, per Handy gefilmt.

Mit Motorsäge bedroht

Zunächst wurde das Opfer mit einer Motorsäge bedroht, die ihm dicht an den Hals gehalten wurde. Dann sei er von beiden Angeklagten anal penetriert, schließlich auch noch zum Oralverkehr gezwungen worden. Der Hauptangeklagte habe den am Boden liegenden dann auch noch mit Schlägen gegen Kopf und Ohren, mit Tritten gegen den Körper misshandelt.

Mindestens fünf Jahre Haft

Als Mindeststrafe drohen fünf Jahre Haft. Wie der Gerichtssprecher erläuterte, würden strafverschärfend zum Delikt der Vergewaltigung gewertet, dass die Tat gemeinschaftlichen begangen worden, außerdem mit der Motorsäge eine gefährliche Waffe zum Einsatz gekommen sei. Die Höchststrafe liegt bei 15 Jahren.

Angesichts der Schwere der vorgeworfenen Taten und vieler Zeugen, die gehört werden sollen, sind zunächst acht Verhandlungstage angesetzt. Der Prozess wird am kommenden Montag, 21. Dezember, um 9 Uhr in Saal 218 des Stendaler Landgerichtes fortgesetzt.