Parchau l „Ich habe das Schild nicht gesehen.“ Die junge Mutter ist etwas erschrocken. Sie badet mit ihrer Tochter am Sonnabendnachmittag im lauwarmen Wasser des Parchauer Sees. „Ich habe mich schon gewundert, dass kaum jemand hier ist.“ Sie verlässt das Wasser, als sie von der amtlichen Blaualgen-Warnung hört.

Warnung an der Info-Tafel

„Wir kommen drüben von der Bungalowsiedlung, kommen am Spielplatz vorbei ans Wasser. Da waren keine Warnungen aufgehängt“, sagt sie.

An der Rezeption oben zum Campingplatz ist die Warnung an die Info-Tafel angebracht.

„Ich bin darüber informiert, meine Camper sind es auch“, ist Michael Bathge, Betreiber des Campingplatzes am Parchauer See gelassen. Am Freitag hatte das Gesundheitsamt des Kreises eine Blaualgen-Warnung für den See herausgegeben und vom Baden abgeraten.

Die Stadt hatte darüber informiert. Es ist ihr Gewässer.

Kein Verbot

„Bisher gibt es kein Badeverbot“, sagt Bathge. Aber das Prozedere bei Blaualgen-Befall scheint eingespielt zu sein. 2015 war der See ebenfalls von Blaualgen befallen. „Wer Baden geht, sollte sich nachher schon abduschen“, erklärte Bathge, wie es seine Camper machen. Doch fürs Baden fühlt sich Bathge nicht verantwortlich. Ist er auch nicht. Es ist die Sache eines jeden persönlich. Gesundheitsamt und Stadt haben kein Badeverbot, aber eine klare Botschaft ausgesprochen, sicherheitshalber aufs Baden zu verzichten.

Blaualgen sollten nicht auf die leichte Schulter genommen werden. „Jeder ist gut beraten, dort nicht zu baden“, warnen Mediziner. Die Folgen können von Unwohlsein über Muskelzittern bis hin zu Atemlähmung reichen. Es gilt als schnell wirkendes Gift. Aufgrund ihres geringen Gewichts ist es für Kinder noch gefährlicher.

Die Blaualgen, so genannte Cyanobakterien, können zu Hautausschlag, Mittelohrentzündungen, Übelkeit, Erbrechen, Hautreizungen oder Durchfall reizen. Zudem steigt eine Gefährdung, je mehr Seewasser geschluckt wird und je länger der Hautkontakt besteht. Auch Hunde, die dort mit Blaualgen in Kontakt kommen, können daran erkranken.

Wer dennoch badet und später, auch Tage danach gesundheitliche Probleme bemerkt, sollte zum Arzt gehen und das Gesundheitsamt informieren.

Gefahr für Kinder

Blaualgen bilden sich im Wasser vor allem in Sommermonaten, bei hohen Temperaturen, langer Trockenheit und niedrigen Wasserständen. Auch Phosphoreinträge, etwa durch Düngung in naher Landwirtschaft, begünstigen die Blaualgenbildung.

Wer in der Nähe Baden möchte, kann es am Niegripper See oder in Zabakuck probieren. In Ziepel gibt es ein Freibad.