Biederitz l Informationsschreiben, Werbeflyer und Kugelschreiber im Postkasten, „Wahlplakate“ an den Straßenrändern – die Biederitzer werden zurzeit heftig von zwei Unternehmen umworben: der Mitteldeutschen Kommunikations GmbH (MDDSL) und dem Unternehmen Deutsche Glasfaser. Beide Firmen bieten den Kunden Glasfaseranschlüsse bis in das Haus an.

„Lichtschnell mit MDDSL“ oder „Sorglos wechseln“ mit Deutsche Glasfaser – so mancher Kunde ist unsicher, für welchen Anbieter er sich entscheiden soll. Das wird unter anderem in einer geschlossenen Biederitzer Facebook-Gruppe von Einwohnern diskutiert. Berechnungen werden angestellt, um herauszufinden, welcher Anbieter am Ende wohl der günstigere ist.

Kupferleitungen sind Geschichte

Zur Verunsicherung hat auch ein Schreiben von Gemeindebürgermeister Kay Gericke (SPD) beigetragen. Nach dem Abschluss eines Kooperationsvertrages mit der Deutschen Glasfaser, hatte sich Gericke damit an alle Haushalte der Gemeinde gewandt.

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Die derzeitige Internetanbindung werde meistens über das herkömmliche Kupferleitungsnetz zum Hausanschluss realisiert, heißt es im Schreiben des Bürgermeisters. Da die Kupferleitungen vom Verteilerkasten in vielen Fällen schlichtweg zu lang seien, entstünden häufig starke Verluste „und es können häufig keine hohen Übertragungsgeschwindigkeiten mehr erreicht werden“, erläutert Gericke in seinem Schreiben. Die Deutsche Glasfaser würde nun ein sogenanntes FTTH-Netz (Fiber to home) errichten wollen. Dabei werde komplett auf Kupferleitungen verzichtet, sodass keine Geschwindigkeitseinbußen mehr zu verzeichnen seien.

40 Prozent Anschlussquote nötig

„Daher freue ich mich, dass wir für die Gemeinde Biederitz das Unternehmen Deutsche Glasfaser, den Marktführer für Glasfaserdirektanschlüsse in Deutschland, gewinnen konnten, um auch ihr Zuhause an das Internet der Zukunft anzuschließen“, teilt Kay Gericke den Biederitzern in dem Schrei-ben mit. Die Gemeinde habe deshalb den Kooperationsvertrag mit der Deutschen Glasfaser geschlossen. Voraussetzung für den Ausbau sei, dass 40 Prozent der Haushalte einen Vertrag mit dem Unternehmen abschließen.

Für viele klingt das wie eine Empfehlung für das Unternehmen. Andere Kunden haben bereits einen Vorvertrag mit MDDSL abgeschlossen und fragen sich nun, ob sie diesen Vertrag auflösen können und, ob sie zur Deutschen Glasfaser wechseln sollen. Darüber hinaus steht die Frage im Raum, was passiert, wenn die Anschlussquote von 40 Prozent nicht erreicht wird.

Gemeinde unterstützt beide Anbieter

„Grundsätzlich unterstützt die Gemeinde beide Anbieter“, sagt Kay Gericke. Beide stünden mittlerweile in den Startlöchern, um mit dem Ausbau zu beginnen. Mit beiden Unternehmen kooperiert die Verwaltung, indem sie beispielsweise unbürokratisch und schnell Baugenehmigungen erteilt. Kosten entstehen der Gemeinde dabei nicht.

„Die entstandene Konkurrenzsituation sorgt dafür, dass es hier schnell vorangeht. Welches Angebot für seine Bedürfnisse das passende ist, das muss jeder Kunde für sich selbst entscheiden“, sagt der Gemeindebürgermeister. Wichtig sei, dass das schnelle Internet auch schnell kommt. Denn das bedeute für die Gemeinde einen Standortvorteil. „Jetzt entscheidet der Markt“, so Gericke.

Entscheidung liegt bei jedem selbst

Im Oktober hatte der Gemeinderat dem Kooperationsvertrag mit Deutsche Glasfaser zugestimmt. Daraufhin war beim bisher im Gemeindegebiet agierenden Anbieter MDDSL ebenfalls wieder Bewegung in den angekündigten Glasfaser-Ausbau gekommen. Kunden in den Ortschaften der Gemeinde sehen sich nun vielen Informationen und unterschiedlichen Ankündigungen zum Glasfaserausbau der einzelnen Anbieter gegenüber.