Burg/Genthin l Nichts mit Häppchen, süßen Versuchungen und Schnäpperchen. Die Grüne Woche gab es in der vergangenen Woche coronabedingt nur digital und das auch nur an zwei Tagen für Fachleute. Peter Deumelandt, Geschäftsführer des Bauernverbandes im Jerichower Land, war einer von vielen, der bei Vorträgen online war. Er wagt keine Schätzungen darüber, wie viele seiner Berufskollegen aus dem Jerichower Land es ihm gleichgetan haben könnten.

Sternstunden erlebte das Jerichower Land bei dieser Grünen Woche jedenfalls nicht. Bei dem Wettbewerb „Kulinarisches Sachsen-Anhalt“, den Sachsen-Anhalt auf der Grünen Woche diesmal digital präsentierte, kamen Erzeuger aus dem Jerichower Land nicht zu Ehren. Zum fünften Mal in Folge wurden dabei Bio-Regionalpreise vergeben.

Ablehnung bei Teilnehmern

Und das Angebot, sich virtuell zu präsentieren, stieß bei den sonst gesetzten Teilnehmern der Grünen Woche aus dem Jerichower Land durchweg auf Ablehnung. Schon im August hatte sich der Landkreis gegen eine digitale Teilnahme ausgesprochen. Die „Corona-Messe“ hat indes etliche Erzeuger und Produzenten aus dem Landkreis nachdenklich gestimmt, wie sie ihre Zukunft bei der Grünen Woche sehen.

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Heike Gentz vom Geflügelhof Gentz und Öko-Landwirt Ernst-Adolf Kampe aus Parchen machen sehr deutlich, dass sie eine weitere Teilnahme an der Grünen Woche allein unter der Ägide des Landkreises in Erwägung ziehen. „Ich bin kein Mensch von visuellen Auftritten, so dass eine Messebeteiligung in diesem Jahr für mich grundsätzlich nicht in Frage kam, meint Ökobauer Kampe. Er sieht in der Grünen Woche ohnehin nur noch eine Unterhaltungsveranstaltung, die bestenfalls noch eine Plattform für ganz Großen der Branche biete. Allein dem Jerichower Land zuliebe wäre er bereit, die Reise nach Berlin im nächsten Jahr wieder anzutreten.

Das ist auch die Option für Heike Gentz. Der Geflügelhof präsentierte sich zunächst viele Jahre in eigener Regie auf der Messe als Betrieb. Die Zeiten seien vorbei. Logistisch zu aufwendig und zu kräftezehrend, sei das alles gewesen, erinnert sich Heike Gentz. So habe sich der Hof am Stand des Jerichower Land in den vergangenen Jahren bei einer ein- oder zweitägigen Präsentation ganz gut aufgehoben gefühlt. Dabei könnte es auch für die Zeit nach Corona bleiben, stellt sie in Aussicht.

Kloster Jerichow sonst auch vertreten

„Wir sind total betroffen, dass wir an der digitalen Messe nicht teilnehmen konnten. Wir hätten sie dringend gebraucht, um uns bekannter zu machen“, sagt Bernd Witt, Geschäftsführer des Jerichower Klosters. Das Kloster ist sonst als touristisches Aushängeschild auf dem Stand des Landkreises vertreten und wirbt dort auch für den „Klosterklaus“. „Kloster und Gastronomie bleiben coronabedingt geschlossen, Mitarbeiter befinden sich in Kurzarbeit, Einnahmen brechen weg. Wir wären personell und technisch mit einer virtuellen Präsentation an unsere Grenzen gestoßen“, meint Bernd Witt.

Mit schweren Folgen der Corona-Pandemie hat auch die Brennerei Loburg zu kämpfen. „Wir haben gewaltige Einbrüche hinzunehmen“, sagte Seniorchef Erich Kullmann im Gespräch mit der Volksstimme. Die würden mehr als 50 Prozent betragen. Da fehle eben auch die Grüne Woche. „Über 20 Jahre sind wir dabei gewesen, das war immer ein Highlight“, meinte er. Viele Gespräche seien geführt worden, und die Präsenz in Berlin sei nicht nur gut fürs Image, sondern auch für den Umsatz gewesen. Nunmehr sei das Problem, dass die Menschen alle zu Hause blieben, das Ladengeschäft zwar geöffnet sei, es aber kaum Kundenverkehr gebe. Doch Kullmann bleibt optimistisch. „Wir produzieren weiter und vor, und hoffen darauf, dass das gekauft wird“, fasste er zusammen.

Als Optimist bezeichnete sich auch Gommerns Bürgermeister Jens Hünerbein. Die Einheitsgemeinde war auch regelmäßig auf der Grünen Woche vertreten, der Landkreis habe das stets sehr gut organisiert. „Eine virtuelle Präsenz hätte für uns keinen Sinn ergeben“, meinte er. Die Internetvariante richte sich eben doch mehr an das Fachpublikum und die Onlineaffinen. Die direkte Ansprache an die Besucher sei aber Gommerns Ziel, um auf sich aufmerksam zu machen. „Ich war bei Gesprächen immer wieder erstaunt, wie bekannt unsere Region ist“, so Hünerbein. 2022 soll es ein Wiedersehen in Berlin geben, mit Stadtförderverein und – natürlich – der Gurkenkönigin.