Landtagswahl

Grünen-Kandidat Rüdiger Claus aus Magdeburgerforth plädiert für Politik mit Augenmaß

Rüdiger Claus aus Magdeburgerforth, Kreisvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, tritt im Wahlkreis 6 bei der Landtagswahl als Direktkandidat an.

Von Thomas Pusch 13.05.2021, 10:40

Magdeburgerforth - Es fühlt sich gut an, in diesen Tagen ein Grüner zu sein. „Der bundesweite Trend ist doch toll, etwa ein Viertel der Bevölkerung identifiziert sich mit unseren Ideen“, sagt er im Gespräch mit der Volksstimme. Das findet an einem sonnigen Nachmittag in seinem Garten statt, spiegelt mit zwitschernden Vögeln, vielen Bäumen und Pflanzen auch ein Stück grüne Erlebniswelt wider. Für die Landtagswahl rechnet Claus mit einer Verdopplung des Resultats von 2016. Er weiß aber auch, dass es Bündnis 90/Die Grünen im ländlichen Raum eher schwer haben. Dort tritt er als Direktkandidat an, im Wahlkreis 6.

Bäume im Garten sind noch vom Großvater gepflanzt

„Aber auch im Jerichower Land gewinnen wir immer mehr Sympathien für unsere Ideen“, hat er festgestellt. Sympathien bedeute allerdings nicht gleich auch die Wahlentscheidung. Wer jahrelang in einer anderen Partei verwurzelt sei, der wechsle nicht so schnell. Verwurzelt, das ist auch Rüdiger Claus, mit der Generation im allgemeinen, mit Magdeburgerforth im besonderen. „Hier lebt meine Familie jetzt in der fünften Generation“, erklärte er mit Blick auf das Wohnhaus. Und die Vorfahren haben ihre Spuren hinterlassen, wieder rückt der Garten ins Blickfeld. Noch immer stehen dort Bäume, die sein Großvater gepflanzt hat, alle Walnussbäume gehen auch auf einen Baum zurück, den er in die Erde gebracht hat.

Trotz aller Verbundenheit, 25 Jahre lang lebte Claus woanders, ganz woanders, in der Schweiz. Zurück in der Heimat, hatte er das Gefühl, sich engagieren zu müssen. Und das tat er, wurde Bürgermeister von Magdeburgerforth, ist Kreisvorsitzender seiner Partei und tritt nun bei der Landtagswahl an. Dass es nicht sehr wahrscheinlich ist, dass er das Direktmandat holt, ist ihm bewusst, er will seiner Partei aber zu einem guten Wahlergebnis im zweistelligen Bereich verhelfen. Denn er ist davon überzeugt, dass grüne Politik überall guttun kann, auch auf dem Land.

Verbote sollen nicht das Maß aller Dinge sein

„Es ist die Politik der Nachhaltigkeit“, fasst er zusammen. Die solle allerdings mit Augenmaß betrieben werden. Ihm ist das Image der Verbotspartei sehr wohl bewusst, dagegen will er etwas tun. Dinge könnten über den Preis statt über Verbote geregelt werden. Statt wie beim umstrittenen Veggie-Day pauschal Fleisch an einem Tag zu verbieten, könnte der geringere Konsum auch über höhere Fleischpreise geregelt werden, aber: „Der Landwirt soll auf keinen Fall weniger verdienen“. In dieser Diskussion gebe es eben nicht nur Schwarz oder Weiß und die Grautöne müssten mit Leben erfüllt werden. Öffentliche Güter müssten auch mehr geschätzt, mehr wert sein. Er nennt Luft, Wasser und Landschaft als Beispiele.

Claus sieht die Grünen auch nicht als Gegner von Landwirtschaft und Wirtschaft überhaupt. Im Gegenteil. Es wäre sehr schön, mehr Mittelstand auf dem Land zu haben. Das sei in der Schweiz anders. Ein Unternehmer, der in einem Dorf oder einem kleinen Städtchen zu Hause ist, werde sich doch auch für die Natur, die Tiere und die Menschen interessieren.

Überhaupt die Menschen, sie sollten nicht das Gefühl haben, dass grüne Politik an ihnen vorbeigemacht werde. So hält er Ackerphotovoltaik nicht unbedingt für eine gute Lösung, obwohl er begeistert von Solarenergie ist, aber: „Photovoltaik gehört auf die Dächer und da ist noch viel Luft nach oben“. Mit den Windkraftanlagen verhalte es sich ähnlich. Auch sie produzieren eine Energieform, von der er überzeugt ist, seien aber auch ein Einschnitt in die Landschaft. „Man muss immer die Leute vor Ort mitnehmen“, ist seine Überzeugung. Vor Ort, das ist beim Gespräch mit der Volksstimme Magdeburgerforth. Rüdiger Claus lehnt sich in seinem hölzernen Gartenstuhl zurück, atmet tief ein und sagt: „Ja, der Garten ist es, in dem ich Energie tanken kann, auf den und Magdeburgerforth bin ich schon sehr fokussiert.