Brietzke l Wer den zugewachsenen Rapunzelturm sieht, dazu die letzte noch stehende stuckverzierte Giebelwand sowie die verbliebene Kuppel, der ahnt, welch schmuckes Schlösschen das einstmals gewesen sein muss.

Noch bis zum Jahr 2002 schien es möglich, aus dem zuletzt als Wohnraum und Konsum genutzten Gutshaus etwas Sinnvolles zu machen. Und dann kam, wenn auch nicht der Märchenprinz, so doch wenigstens ein Investor mit wohlklingendem Namen und noch hochtrabenderen Ideen. Ein Wissenschaftszentrum sollte in Brietzke entstehen, mit bis zu 40 neue Arbeitsplätzen. Angekündigt wurde das Vorhaben mit Volksfest, großer Verhüllung des Objektes und Livemusik.

Wissenschaftszentrum blieb aus

Doch aus der Idee eines Wissenschaftszentrums wurde nichts. Das mit Planen verhüllte, seiner Dachziegel beraubte Dach wurde Opfer der Witterung, der Investor investierte nicht, das Schloss zerfiel mehr und mehr. Derzeit wird das kaum gesicherte, zugewachsene Areal nur noch von Jugendlichen als Treffpunkt genutzt.

Ortschef Manfred Zerm könnte sich vorstellen, die verbliebenen Reste abzutragen und – an den möglicherweise erhaltbaren Turm – ein Dorfgemeinschaftshaus zu bauen. Der Ort Brietzke, der zu Zeppernick gehört, hat ein solches Gemeindehaus nämlich noch nicht. Bei einem Treffen des FDP-Ortsverbandes kam das Gespräch auf das Thema. Der Abriss, so Zerm, könnte über Ausgleichsmaßnahmen im Flurneuordnungsverfahren laufen.

„Wie das Dorfgemeinschaftshaus dann aussehen könnte, ist eine andere Frage“, so Zerm. Auch er weiß, dass es in der aus fünf Dörfern bestehenden Ortschaft Zeppernick mehrere Dorfzentren gibt: eines steht in Dalchau, es wurde erst im vergangenen Jahr mit viel Eigenleistung auf Vordermann gebracht. Neue Stühle, ein neuer Fußboden wurden organisiert.

Gemeindezentrum hat ausgedient

In Zeppernick wurde gerade erst ein kommunales Häuschen mitten im Dorf abgerissen, das als Gemeindezentrum längst ausgedient hatte. Derzeit gibt es Pläne, das zuletzt genutzte Dorfgemeinschaftshaus am Sportplatz zu verkaufen oder abzureißen, um stattdessen Räume am Kindergarten des Ortes zum neuen Gemeindezentrum umzubauen. Etwa 70.000 Euro sollen dafür im Möckeraner Haushaltsplan eingestellt worden sein, sagt Zerm.

„Dort hätte die Gemeinde dann aber auch nicht mehr Platz als jetzt am Sportplatz. Und eigentlich braucht der Kindergarten diese Räume mehr für seine Zwecke“, so Zerm. Die Kindertagesstätte „Entdeckungskiste“ befindet sich in kommunaler Trägerschaft und nutzt die in Frage kommenden Räume laut Zerm derzeit als dringend benötigten Abstellraum.

„Der Umbau der Räumlichkeiten in der Zeppernicker Kindertagesstätte sollte durchaus erfolgen, allerdings unter anderen Gesichtpunkten“, ist der Ortsbürgermeister überzeugt. Mit seinen Überlegung zieht Manfred Zerm längst beschlossene Umbaupläne in Zweifel, welche auch vom Zeppernicker Ortschaftsrat abgenickt wurden.