Gommern l Ein munterer Nachmittag wurde es, mit vielen Erinnerungen und Geschichten von früher. Fast jeder der etwa 30 Gäste hatte hier und da eine kleine Anekdote von Erlebnissen aus der Vorwendezeit parat. Beim Thema Gaststätten in Gommern kein Wunder. Unzählige gab es, viel ist davon nicht mehr übrig geblieben.

Archive und Chroniken

Davon berichteten Renate Arndt und Karin Gust vom Heimatverein den interessierten Besuchern. Dazu hatten sie im Vorfeld Archive und Chroniken gewälzt, stießen dabei aber auch auf Widersprüchliches. So zum Beispiel, wo denn nun genau das erste Gasthaus in Gommern eröffnet wurde.

„Laut einer meiner Quellen, wurde im Jahr 1539 eine Gaststätte in der Burgstraße erwähnt“, so Karin Gust, die Vorsitzende des Gommeraner Heimatvereins. „In einer anderen Chronik jedoch, wird darüber berichtet, dass sich diese Gaststätte gegenüber der evangelischen Kirche befand - neben dem Kino, das später in Gommern betrieben wurde. Das Gebäude existiert aber heute nicht mehr. Welches dieser beiden Gasthäuser nun tatsächlich das erste war, wird nur schwer herauszufinden sein“, so die Heimatvereinsvorsitzende weiter.

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Pferde versorgt

Sie berichtete den Gästen des Nachmittags auch davon, dass die Gaststätten ihren Ursprung in Postkutschenstationen hatten, in denen Pferde versorgt oder gewechselt wurden, und den fahrenden Gästen Essen und Trinken angeboten wurde.

Ab dem 16. Jahrhundert wurde das Bierbrauen auch in Gommern immer beliebter. Braustuben schossen regelrecht wie Pilze aus dem Boden. Als Karin Gust eine Zahl aus dem Jahre 1712 präsentiere, kam kurzes Raunen unter den Gästen im Heimatverein auf. „1712 gab es in Gommern 60 mehr oder weniger große Brauhäuser. Namen wie Brauhausstraße und Brauhausplatz zeugen noch heute vom großen Braugewerbe“, so Karin Gust.

Dank anwesender ehemaliger Gaststättenbetreiber oder Verwandter der ehemaligen Gastwirte beim Themennachmittag, konnte noch so manches Rätsel gelöst werden.

Der kleine und der große Franz

So wunderte sich Karin Gust beim Durcharbeiten eines Verzeichnisses der industriellen Betriebe, der Handel- und Gewerbetreibenden und selbstständig beschäftigten Personen der Stadt Gommern aus dem Jahre 1926 beispielsweise darüber, dass es offenbar einen Gastwirt namens Franz Schmitz gab, der gleich zwei Gastronomien betrieb – die Gaststätte „Zur Sonne“ und das „Schützenhaus“.

„Das stimmt so nicht ganz“, konnte Annelore Schmitz, die Schwiegertochter des ehemaligen Betreibers „Zur Sonne“ aufklären. „Der Gastronom des ‚Schützenhauses‘ hieß zwar Franz Schmitz, aber es war nur eine Namensgleichheit mit meinem Schwiegervater. Franz Schmitz vom ‚Schützenhaus‘ war ein kleinerer Herr, der kleine Franz, mein Schwiegervater war der große Franz.“

Von 1900 bis 1983 gab es in Gommern insgesamt 21 Gaststätten, manche existieren bis heute, zum Beispiel das „Volkshaus“, andere überdauerten die Zeit nicht. Und so entwickelte sich unter den Gästen Gespräch um Gespräch in alten Erinnerungen.

Rund um das Thema Gaststätten hat der Heimatverein viel Anschauungsmaterial in seinen Räumlichkeiten ausgestellt, das an jedem ersten Sonntag eines Monats ab 15 Uhr besichtigt werden kann.