Burg l Nein, es sei noch gar nichts in trockenen Tüchern, versicherte LHW-Direktor Burkhard Henning vor allem den Einwohnern von Schartau und Blumenthal, die mit dem Vorhaben auch existentielle Fragen verbinden. „Wir sind die Letzten, mit denen über ein Polder geredet wird“, kritisierte Schartaus Ortschef Hans-Horst Borg. Das Gegenteil sei der Fall, versicherten mehrere LHW-Experten. Ziel sei es, weit vor einem eventuellen Planfeststellungsverfahren mit den Einwohnern, Landbesitzern und -nutzern ins Gespräch zu kommen. „Denn wir stecken noch mitten in der Projektidee“, so Henning, der die Hochwasserschutzvariante ausführlich vorstellte.

Erhöhungen reichen nicht mehr

Für die Fachleute stehe ausgehend von den Erfahrungen der bisherigen Hochwasser fest, dass Deicherhöhungen allein, wie sie auch im Jerichower Land für Millionen von Euro durchgeführt werden, künftig nicht mehr ausreichten. Die Flüsse bräuchten wieder mehr Flutungsflächen, so genannte Retentionsgebiete. Für Sachsen-Anhalt sind demnach auf knapp 11.000 Hektar vorrangig 23 Standorte für Hochwasserpolder (5) und Deichrückverlegungen (18) ausgewiesen worden. Davon wurden zwölf Projekte in das Nationale Hochwasserschutzprogramm „Mehr Raum für unsere Flüsse“ aufgenommen.

Deutlich mehr Wasserfläche würde die Elbe, die sich schnell in einen reißenden Strom wandeln kann, in einem möglichen Polder zwischen Schartau und Blumenthal erhalten. Das technische Prinzip in einem solchen Fall: Die Hochwasserwelle würde gezielt gekappt und das Wasser in das Poldergebiet geflutet werden – auch zum Schutz der Unterlieger, „weil Hochwasserschutz im allgemeinen Interesse ist und auch dem Solidarprinzip zugrunde liegt“, so LHW-Mitarbeiter Christian Jöckel. Das setzt entsprechende Einlauf-, Auslauf- und Sielbauwerke ebenso voraus wie einen Poldertrenndeich mit Spundwand. Käme es zu diesem Bau, würden rund 41 Millionen Kubikmeter Wasser zwischengespeichert und so der Elbepegel um mehr als 20 Zentimeter abgesenkt werden. Die Entleerung des Polders soll ungefähr sieben Tagen dauern. Maximal könnten dabei 170 Kubikmeter pro Sekunde abfließen. Die Variante in diesem Gebiet habe den größten wasserwirtschaftlichen Effekt und den Vorteil, dass die Kreisstraße zwischen Burg und Blumenthal bei einer Nutzung des Polders weiter befahrbar wäre. Eine Untersuchung eines anderen Gebietes bei Zielitz hätte zu einem eher negativen Ergebnis geführt, sagte Henning auf Nachfrage von Vize-Ortsbürgermeister Marcus Teschner.

Einzelfall klären

Der konkreten Vorteil beispielsweise für einen Landwirt sei nicht erkennbar, bedauerte indessen Yvonne Schmidt. Zwar könnten die Flächen außerhalb von Hochwassern wie bisher genutzt werden, viele Landwirte sähen allerdings eine Wertminderung für die Äcker und Wiesen sowie eine Erhöhung der Bodenbelastung mit Schadstoffen. Außerdem: „Mit dem Polder rückt die Elbe weiter an Schartau heran. Die Häuser könnten nicht mehr oder nur noch zu hohen Konditionen versichert werden“, beklagte eine Einwohnerin.

All diese Probleme (Betroffenheit) müssten im Einzelfall konkret betrachtet und geklärt werden, sagte LHW-Direktor Henning. „Zu diesem Projekt sind noch sehr viele Einzelgutachten notwendig.“ Von Vorteil sei in diesem Zusammenhang, dass im Land eine Arbeitsgruppe gegründet worden sei, die sich vornehmlich den landwirtschaftlichen Problemen wie möglichen Entschädigungen widme.

Zu einem Zeitplan wollte sich das LHW noch nicht äußern. „Das wäre unseriös, weil es noch keine Planung gibt. Wir stehen noch am Anfang“, begründete Henning.