Zollfahndung

Illegale Tabakfabrik in Gommern

In Gommern hat die Zollfahndung eine illegale Produktionsstätte von Wasserpfeifentabak auffliegen lassen.

Gommern l Der Zollfahndung aus Magdeburg ist in Gommern einer der größten Funde von illegal hergestellten Wasserpfeifentabakpflanzen gelungen. Bei der Durchsuchung eines scheinbar leer stehenden Hauses sind mehr als 1100 Kilogramm Tabak sichergestellt worden. Die Zollfahnder erwischten außerdem fünf Mitglieder einer syrisch-libanesischen Bande.

Auch für die Produktion von Wasserpfeifentabak erforderliche Werkzeuge wie Tabakhäcksler, Rührstäbe und Kocher sowie Aromastoffe und Glycerin wurden sichergestellt. „Es ist ein recht einfaches Herstellungsverfahren“, erklärte Tobias Steinführer, Pressesprecher der Zollfahndung. Tabak werde geschreddert, dann mit Aromastoffen versetzt und mit Glycerin feucht gehalten. Die Produktion in Gommern sei aber nicht nur illegal, sondern auch unter hygienisch zweifelhaften Bedingungen erfolgt.

Zudem fanden die Zollfahnder mutmaßlich gefälschtes Verpackungsmaterial mit dem Aufdruck eines bekannten Produzenten von Wasserpfeifentabak. Darin sollte der Tabak abgefüllt werden, um dann als scheinbar legale Markenware in den Handel zu gelangen. Zum Marktwert konnte Steinführer keine Angabe machen, wohl aber zum Steuerschaden. „Der hätte bei 24.000 Euro gelegen“, sagte er.

Während der Durchsuchung fuhr ein weiterer Tatverdächtiger in seinem Fahrzeug am Wohnhaus vorbei und ergriff nach Erkennen der Einsatzkräfte die Flucht. Die endete jedoch schon nach kurzer Weiterfahrt, als er einen Verkehrsunfall verursachte. Im beschädigten Fahrzeug konnte ebenfalls unversteuerter Wasserpfeifentabak sichergestellt werden.

Die illegale Produktion von Wasserpfeifentabak ist der Zollfahndung schon seit mehreren Jahren bekannt. „Dieser Markt ist deshalb so erfolgreich, weil die Markenprodukte recht teuer sind“, erläuterte Steinführer. Der Preis für eine 200 Gramm-Dose liegt bei Internetshops wie Shisha World oder Smoking Shiha zwischen 16,90 und 17,90 Euro. Durchforstet man einschlägige Foren reicht die Menge für etwa 15 Wasserpfeifen-Füllungen.

Die Einheitsgemeinde war in die Aktion der Zollfahndung nicht einbezogen. „Wir wurden darüber nicht im Vorfeld informiert“, sagte Bürgermeister Jens Hünerbein (parteilos) am Freitag im Gespräch mit der Volksstimme. Manchmal sei das der Fall, etwa wenn ein Behördenmitarbeiter als Zeuge fungieren soll, in diesem Fall sei aber von der Zollfahndung auf höchste Geheimhaltung Wert gelegt worden, um den Fahndungserfolg nicht zu gefährden. Immerhin ließen die Fahnder zwischen ihrem Einsatz und der Herausgabe der Pressemitteilung auch mehr als vier Wochen vergehen. Die Ermittlungen gegen die Verdächtigen im Alter zwischen 25 und 49 Jahren wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung dauern an.

Ihre Aktivitäten geheimzuhalten, das ist offenbar auch den Tätern zuvor sehr gut gelungen. Zumindest wurde in Gommern niemand auf ungewöhnliche Bewegungen in dem vermeintlich leer stehenden Wohnhaus aufmerksam. „Zum Stadtgespräch“, so der Bürgermeister, „ist es tatsächlich erst geworden, nachdem es erstmals in der Presse vermeldet worden ist.“