Nahverkehr

Im Jerichower Land ist wieder ein Schlenki unterwegs

Um die besonders befahrenen Linien von Burg nach Hohenwarthe und zwischen Burg und Gommern fahrgastfreundlicher bedienen zu können, hat die NJL nun einen Gelenkbus.

Von Thomas Pusch
Ein neugestalteter Bus soll die Verbundenheit der NJL zur Region und ihren Menschen zeigen.
Ein neugestalteter Bus soll die Verbundenheit der NJL zur Region und ihren Menschen zeigen. Foto: Thomas Pusch

Burg - Sein offizieller Name ist Gelenkbus. Umgangssprachlich wird er allerdings nur Schlenki genannt. So auch von Daniela Kramper, Prokuristin der Nahverkehrsgesellschaft Jerichower Land (NJL). „Ich bin auch mit einem Schlenki zur Schule gefahren“, erzählte sie im Gespräch mit der Volksstimme. Bis 2005 gehörte noch ein Gelenkbus zum Fuhrpark des Nahverkehrsunternehmens, dann wurde er verkauft. Jetzt gibt es ein Wiedersehen mit dem 18 Meter langen Gefährt. Die NJL will damit für mehr Platz auf zwei besonders befahrenen Strecken sorgen.

„Vieles hat mit Wahrnehmung zu tun“, sagte NJL-Geschäftsführer Thomas Schlüter. Bislang seien die Fahrgastspitzen mit 15-Meter-Bussen abgedeckt worden, derzeit sind sechs im Burger, zwei im Genthiner Bereich unterwegs. Sie dürfen 120 Fahrgäste aufnehmen, allerdings entstehe bei vielen schon bei 80 Passagieren das Gefühl, der Bus sei voll. In Coronazeiten sei die Sensibilität für genügend Freiraum noch gestiegen. „Und das, obwohl neueste Erkenntnisse besagen, dass es im Bus nicht unsicherer ist, als bei einer Fahrgemeinschaft im Pkw“, so Schlüter.

140 Fahrgäste können mitgenommen werden

Auf der anderen Seite gebe es aber auch stark befahrene Linien, denen eine Entlastung gut tut. So ist nun zu den 72 Bussen aus der eigenen Flotte und den 41 Fahrzeugen von Auftragnehmern ein 18 Meter langer Gelenkbus zum Fuhrpark hinzugekommen. Ein Neuer wäre für die NJL mit 340 000 Euro nicht so leicht erschwinglich gewesen, so wurde ein gebrauchtes Modell von 2016 für rund 200 000 Euro gekauft. Als Niederflurmodell mit Rampen für Rollstuhlfahrer und Fahrplananzeigen sei er auf dem neuesten Stand. Ein zweiter Gelenkbus soll noch in diesem Jahr hinzukommen, doch das sei gar nicht so einfach. „Der Gebrauchtwagenmarkt gibt kaum etwas her“, hat Schlüter festgestellt.

Vor allem auf zwei Linien soll der größte Bus mit seiner Kapazität von 140 Fahrgästen für Entlastung sorgen. „Auf der Linie 704 von Hohenwarthe über Lostau und Möser nach Burg und auf der 708 zwischen Gommern und Burg ist es sehr voll“, erklärte Daniela Kramper, die bei der NJL auch Verkehrsleiterin ist. Da seien 20 Plätze mehr eine ganz schöne Menge. Spitzenzeiten seien zwischen 6 und 8 sowie von 13 bis 16 Uhr, eben wenn viele Schulen an einem Standort angefahren würden.

Neue Gestaltung soll Verbundenheit zeigen

Eine höhere Kapazität zahle sich auch aus, wenn Umleitungen geplant würden. Wenn ab 27. Mai an der Ortsdurchfahrt Lostau gebaut wird, wird zwar dem örtlichen Verkehr eine Durchfahrt eingeräumt, für Busse wird die L52 aber gesperrt. „Wir müssen die Linie dann anders als im regulären Verkehr takten, ein größerer Bus ist da nützlich“, so Kramper.

Beim Pressetermin präsentierte er aber nicht nur einen besonders langen, sondern einen, wie er ihn beschrieb, besonders schönen Bus. Er ist Teil einer Imagekampagne. „Wir verändern uns, nicht weil wir besser werden müssen“, betonte er, „wir sind gut, wir zeigen es nur zu wenig.“ Drei Leitsätze habe die NJL: „Unser Jerichower Land“, „Wir machen den Landkreis mobil“ und „Nahverkehr, der uns verbindet“. Ein Kreativteam um Josefine Zimmermann arbeitete an der Gestaltung, zu der auch eine Landkreiskarte gehört, auf der alle Ortschaften verzeichnet sind. „Alle sollen sich angesprochen fühlen, der Bus unsere Leidenschaft für den Landkreis zeigen“, so Schlüter. Lange wurde über einen Namen nachgedacht, nun ist es „Der Jerichower“, zur Taufe kam Landrat Steffen Burchhardt (SPD) und übernahm die Patenschaft. Aus Kostengründen wurde nicht der neue Gelenkbus mit Folie beklebt. Sonst hätte für Schlüter der Name gleich festgestanden: „Der lange Steffen“.

NJL-Geschäftsführer Thomas Schlüter und Prokuristin Daniela Kramper präsentieren den neuen 18-Meter-Bus. Er kann bis zu 140 Fahrgäste befördern.
NJL-Geschäftsführer Thomas Schlüter und Prokuristin Daniela Kramper präsentieren den neuen 18-Meter-Bus. Er kann bis zu 140 Fahrgäste befördern.
Foto: Thomas Pusch