Kanuten feiern den 60. ihrer Abteilung

Kanuten des SV Eintracht Gommern schauen auf die Vereinsgeschichte mit Jahren der Extreme zurück

Die Kanuten des SV Eintracht Gommern sind optimistisch, dass nach der Pandemie wieder ein normales Vereinsleben möglich ist. In den 60 Jahren des Bestehens hat der Verein beziehungsweise die Abteilung dank des Engagements der Mitglieder viel erreicht.

Von Manuela Langner
„Alle in einem Boot“ lautet das Motto der Vereinsmitglieder, wenn sie mit der „Wilden Zicke“ erlebnisreiche Touren unternehmen.
„Alle in einem Boot“ lautet das Motto der Vereinsmitglieder, wenn sie mit der „Wilden Zicke“ erlebnisreiche Touren unternehmen. Foto: Manuela Langner

Gommern/Pretzien - Unzählige Urlaubstage und Stunden nach Feierabend setzten die Vereinsmitglieder der ersten Stunde 1962 ein, damit das Vereinshaus auf dem Steinhafendamm erweitert, eine Veranda angelegt und sanitäre Einrichtungen installiert werden konnten. Das gesamte Gelände wurde für Camping hergerichtet. Die Boote konnten in der Anfangszeit im Bootsschuppen von Karl Hoppe untergestellt werden.

Karl Hoppe gehörte wie Werner Strube, Ernst Meiningen, Gerhard Nuppenau, Heinz Kühn, Kurt Behrens und viele Frauen und Männer mehr zu den „enthusiastischen Sportkameradinnen und Sportkameraden“, die wie der Betrieb Erdöl/Erdgas, Aktivist Gommern, aber auch behördliche Unterstützer die Gründung der Sektion Wasserwandern möglich machten, blickte Abteilungsleiter Burkhard Schulle anlässlich des 60-jährigen Bestehens zurück.

Die Zahl der Mitglieder wuchs stetig. „Wir hatten nicht nur Zuspruch aus Gommern, sondern auch aus Magdeburg und Schönebeck.“ Der Kontakt zu anderen Vereinen im Kreis habe zudem das Sportleben erweitert.

Wettkampfsport lässt nicht lange auf sich warten

Die Sportler, nicht selten ganze Familien, verband die Freude am Wassersport, gemeinsame Urlaube in Mecklenburg, auf der Spree, Havel, Saale oder Elbe. Der Durchbruch zum Wettkampfsport ließ dank zielstrebiger Übungsleitertätigkeit nicht lange auf sich warten. Eine Vielzahl von Pokalen, Urkunden und Medaillen im Vereinshaus erzählen davon. Sie dokumentieren die Erfolge bei den Bestenermittlungen im Touristischen Mehrkampf in den Siebziger- und Achtzigerjahren auf Kreis-, Bezirks- und DDR-Ebene.

„Die Wiedervereinigung Deutschlands eröffnete uns Sportlern die Möglichkeit, Gewässer zu befahren, von denen wir bis dahin nur träumen konnten“, erinnerte sich Burkhard Schulle. Die 1990 geknüpften Kontakte mit gleichgesinnten Wassersportlern der SKSG Wolfenbüttel werden immer noch gepflegt.

Mit der Wiedervereinigung kamen jedoch auch Schwierigkeiten auf die Kanuten zu. Territoriale Ansprüche auf das Vereinsgelände an der „Wilden Zicke“ in Pretzien konnten abgewehrt werden. „Die erkämpfte Rechtssicherheit war zugleich ein wichtiger Bestandteil zur erfolgreichen Einbindung beim SV Eintracht Gommern.“

Größter Erfolg in Stockholm

Den bislang größten sportlichen Erfolg konnte die Abteilung Kanu 1999 feiern, als Jörg Fritsche Vizeweltmeister bei den Police and Fire Games in Stockholm wurde – genau 20 Jahre nach seinen Erfolgen bei der Kreisspartakiade in Burg. „Bis heute sind unsere Kinder und Jugendlichen unter der Leitung von Robert Spill jährlich bei den Kreis- Kinder- und Jugendspielen sowie bei den Kanu-Schüler-Spielen des Landesverbandes sehr erfolgreich“, berichtete Burkhard Schulle.

Ebenfalls 1999 wurden die Kanuten mit dem 1. Umweltpreis des Landessportbundes ausgezeichnet. Die Kanu-Jugend hatte die Idee, den Steinhafen von Müll und Schrott zu säubern und aus den Materialien ein Kunstwerk zur Bundesgartenschau in Magdeburg anzufertigen.

Heute beteiligt sich die Abteilung Kanu an Aktionen wie „Sterne des Sports“ und „Bewegung gegen Krebs“.

Alle in einem Boot

Die Anschaffung des Wandercanadiers, der den Namen „Wilde Zicke“ erhielt, stellte sich als sehr gute Entscheidung heraus: Unter dem Motto „Alle in einem Boot“ unternahmen die Vereinsmitglieder seitdem viele erlebnisreiche, Kanutouren.

Seit 2000 wurde die Abteilung jährlich vom Deutschen Kanu Verband mit dem Gütesiegel „Anerkannter Jugendausbilder“ ausgezeichnet.

Im Juni 2013 erwischte es die Kanuten bei einem Jahrhunderthochwasser erstmals in der Vereinsgeschichte so richtig. „Das gesamte Vereinsgelände mit Gebäuden stand unter Wasser“, erinnerte sich der Abteilungsleiter noch sehr gut. Die Schäden waren erheblich und lagen in sechsstelliger Höhe. Auf die Abteilung Kanu kamen große Herausforderungen zu. Das Vereinshaus musste komplett abgerissen werden. Die Sanitäreinrichtungen wurden als Erstes wieder hergestellt, um den Sportbetrieb trotz aller Einschränkungen schnell wieder aufnehmen zu können. Nur dank einer großen Spendenbereitschaft von Privatpersonen, Sportlern, Firmen und Institutionen sowie durch die Hochwasserhilfe des Landes Sachsen-Anhalt konnten die Schäden behoben werden, betonte Burkhard Schulle.

Optimistisch nach der Pandemie

Schon 2015 wurde das neu errichtete Vereinshaus eröffnet. „Wir können nur immer wieder Danke, Danke sagen. Alleine, ohne die solidarische Hilfe so vieler Beteiligter, hätten wir das nicht geschafft.“

In den vergangenen Jahren erlebten die Kanuten ganz andere Extreme. Aufgrund der langen Trockenheit war die Alte Elbe kaum noch zu befahren. Nach der Corona-Pandemie, da sind die Sportler optimistisch, werde bald ein geregeltes Vereinsleben wieder möglich sein.