Friedhofspflege wird immer teurer

Kirchliche Friedhöfe in Möckern und Loburg werden aufgrund steigener Preise zu einem Minusgeschäft

Von Stephen Zechendorf
Auf dem Friedhof Klein Lübars sollen künftig keine Grabstellen mehr vergeben werden. Foto: Stephen Zechendorf

Möckern/Loburg

Auch kirchliche Würdenträger haben mit irdischen Problemen zu kämpfen, wenn es um die Verwaltung von Friedhöfen geht. Wie bei den Friedhöfen der Stadt Möckern setzt man sich daher in der evangelischen Kirche mit der Zukunft und Wirtschaftlichkeit auseinander.

Ein bis fünf Beerdigungen pro Friedhof und Jahr

Im Pfarrbereich Loburg werden sieben Friedhöfe verwaltet: in Zeppernick, Dalchau, Brietzke und Kalitz, Göbel, Hobeck und Klepps. Im Pfarrbereich Möckern gibt es fünf kirchliche Friedhöfe: Ziepel, Zeddenick, Lübars, Klein Lübars und Wallwitz. Der Friedhof in Lüttgenziatz ist zwar kirchlich, liegt aber in der Bewirtschaftung durch die Stadt.

Die Zahl der Bestattungen liegen laut Angaben der beiden Pfarrer - Martin Vibrans für Möckern und Georg Struz für Loburg - zwischen einer und fünf Bestattungen pro Friedhof und Jahr. „Manchmal sind auch drei Jahre lang gar keine Bestattungen“, sagt Georg Struz. Eigentlich tragen sich die Friedhöfe nicht, so der Loburger Pfarrer: „Es geht hier eher um Nächstenliebe und Heimatpflege.“

Kostendeckungen liegen bei 70 und 80 Prozent

Die Vorgabe der Landeskirche, dass kirchliche Friedhöfe sich selbst tragen sollen, läge fern der Praxis, so Struz. Sein Möckeraner Kollege Martin Vibrans ergänzt: „Der Kostendeckungsgrad liegt derzeit bei zwischen etwa 70 und 80 Prozent. Da haben wir dieselben Probleme, wie die Kommunen. Das hängt vor allem mit der Einebnung sehr vieler Gräber in den vergangenen zwanzig Jahren zusammen und der damit stark gewachsenen Fläche, die zu mähen ist, und sinkenden Unterhaltungsgebühren.“ Für die Friedhofspflege sind in den Möckeraner Gemeinden verschiedene Kleinunternehmen zuständig, die Hausmeisterdienste anbieten. Im Loburger Pfarrbereich setzt man mehr auf Ehrenamtliche und Aufwandsentschädigungen.

„Man macht das Nötigste“, sagt Georg Struz mit Blick auf die immer anstehenden Arbeiten, etwa an maroden Friedhofsmauern oder der erforderlichen Hecken- und Baumpflege. In Möckern sagt Martin Vibrans: „Derzeit sind vielerorts notwendige Investitionen wie Friedhofsmauer-Sanierungen nicht möglich, weil die Einnahmen dafür nicht ausreichend vorhanden sind.“

Gebührenanhebungen alle vier bis sechs Jahre

Steigende Preise in diesem Bereich sowie für Wasser und Müllentsorgung sorgen dafür, dass auch bei den Kirchen über Gebührenanhebungen nachgedacht wird.

Eine Bestattung auf den Möckeraner kirchlichen Friedhöfen kostet derzeit je nach Art der Grabstelle zwischen  500 und 600 Euro auf die gesamte Laufzeit gerechnet. „Wir erheben einmalig die Gebühr von 153 Euro für die Grabnutzung und eine jährliche Friedhofsunterhaltungsgebühr, die alle drei Jahre für das laufende, das Vorjahr und das nachfolgende Jahr kassiert wird“, sagt Pfarrer Vibrans. Die Ruhefristen liegen bei 25 Jahren und 15 Jahren für Urnen.

In Loburg werden für eine Grabstelle einmalig zwischen 100 und 200 Euro erhoben. Hinzu kommt eine jährliche Friedhofsunterhaltungsgebühr von 20 Euro pro Einzelgrab. Die Laufzeiten liegen hier zwischen 25 und 30 Jahren.

Versuch: keine Mülltonnen mehr auf dem Friedhof

In Loburg wird die Gebührensatzung alle vier Jahre überarbeitet. Derzeit sei man wieder dabei, sagt Georg Struz. Es sei noch zu früh, neue Zahlen zu nennen. In Möckern wird die Gebühr alle sechs Jahre etwas angepasst, informiert Pfarrer Vibrans.

Wird über eine Anhebung der Gebühren nachgedacht? „Ja, natürlich. Wir sind aber auch dabei, zu überlegen, ob es auf der Ausgabenseite Einsparpotenzial gibt“, antwortet Martin Vibrans. So wolle man in Zukunft versuchsweise auf Friedhöfen die Möglichkeit abschaffen, hier Müll zu entsorgen, und die Friedhofsnutzer bitten, allen anfallenden Müll und Biomüll mit nach Hause zu nehmen. „Das ist im Kirchenkreis schon bei einigen Friedhöfen üblich und funktioniert“, so Vibrans: „Diese Überlegung ist auch eine Folge der Unsitte vieler Friedhofsnutzer, sich der Mülltrennung konsequent zu verweigern, was die Kosten für uns wiederum in die Höhe treibt, da Container so als Mischcontainer berechnet werden. Alternativ bleibt nur eine drastische und schmerzhafte Anhebung der Gebühren.“

Keinerlei finanzielle Unterstützung seitens der Stadt

Gerne würden die Kirchen ihre Friedhöfe an die Stadt abgeben, aber die Stadt winkt in der Regel dankend ab und verweist darauf, dass sie selbst ausreichend Friedhöfe vorhält, sagt Möckerns Pfarrer Vibrans: „Leider gibt es auch derzeit keinerlei finanzielle Unterstützung seitens der Stadt für die Unterhaltung der kirchlichen Friedhöfe.“ Den Friedhof in Klein Lübars werde man in den nächsten Jahrzehnten „auslaufen lassen“ und keine neuen Gräber mehr vergeben.

Wie auf den kommunalen Friedhöfen steigt auch auf den kirchlichen die Nachfrage nach Urnenbeisetzungen in Gemeinschaftsgrabanlagen mit Kissensteinen. Auf einigen Friedhöfen der Pfarrbereiche ist das bereits möglich, bei anderen laufen die Vorbereitungen dazu. Anonyme Beisetzungen ohne namentliche Nennungen gibt es aber nicht. Das verbieten das kirchliche Friedhofsgesetz und der kirchliche Gedanke, dass die Verstorbenen nicht vergessen werden sollen.