Parey/Hohenseeden l Am Anfang der Beratung hatte Carsten Flügge eine Liste mit Unterschriften gegen das Projekt übergeben. Den Gegnern geht es vor allem um den Standort. 24 Gäste konnte die Elbe-Pareyer Bürgermeisterin Nicole Golz (parteilos) am Dienstagabend zur Sitzung begrüßen. Es ging um den Beschluss zum Neubau einer Kita in Hohenseeden. Die geplante Investitionssumme: etwa 700.000 Euro.

Nach der zurückliegenden Hauptausschusssitzung initiierte Carsten Flügge eine Unterschriftensammlung gegen den Neubau der Kita am Standort Schattberger Straße, die er zu Beginn der Sitzung der Bürgermeisterin übergab.

Auf dem geplanten Baufeld stehen 33 Linden, vier davon müssten nach Aussage der Bürgermeisterin weichen. Auf Nachfrage teilte Flügge per Mail zu seiner Aktion mit: „Ích habe zusammen mit anderen Elternteilen 331 Unterschriften für den Erhalt des Grundstücks ,Denkmal‘ gesammelt. Von nun an haben diese Stimmen Berücksichtigung im Genehmigungsverfahren zu finden.“

Abstimmung nicht berücksichtigt

Doch gemäß der Kommunalrichtlinien berücksichtigte Nicole Golz im Vorfeld der Abstimmung diese Aktion nicht. „Ich halte mich an Recht und Gesetz“, sagte sie mit Blick auf die Kommunalaufsicht und das Nichtzulassen der Unterschriftensammlung für die Sitzung des Gemeinderates.

Nach der Sitzung hat inzwischen die Verwaltung von Elbe-Parey ein Auge auf die Unterschriftenaktion geworfen. „Nur 163 Unterschriften kommen aus dem Ort Hohenseeden“, so Bürgermeisterin Golz. Auf Anfrage der Volksstimme sagt Landrat Steffen Burchhardt (SPD): „Die Kommunalaufsicht hat dargestellt, dass aus der Unterschriftensammlung kein direkter Einfluss auf Ratsbeschlüsse genommen werden kann. Es verbleibt lediglich das Recht, eine Einwohneranfrage zu stellen.“

Die wichtigsten Argumente der Bürgermeisterin für eine neue Kita: Die Kapazitäten in Hohenseeden reichten nicht aus, 22 Kinder müssten in andere Kitas außerhalb des Ortes gehen, der finanzielle Aspekt spiele eine Rolle und es habe zu viele Probleme in der Kommunikation mit dem Träger gegeben. Seit ihrem Amtsantritt stehe das Thema auf der Agenda, auch bei mehreren Ortschaftsratsitzungen in Hohenseeden. „Wir haben uns alle Standort-alternativen angeschaut, und es gab keine andere sinnvolle Lösung.“

Abstimmung

So stimmten neun Gemeindevertreter für die Vergabe der Planleistungen für die Kita, die am einstigen Kriegerdenkmal an der Schattberger Straße entstehen soll. Es gab zwei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen.

In der Einwohnerfragestunde gab es dann eine emotionsreiche Debatte. Der Hohenseedener Ortsbürgermeister Gerald Buhl sagte, dass er sich schwer mit der Entscheidung getan habe, es gab auch am Anfang Gegenstimmen im Ortschaftsrat. „Zu einer Mehrheit für oder gegen das Projekt im Ort kann ich nichts sagen, ich habe nicht mit allen gesprochen.“ Unter den Gästen war auch die Superintendentin des Kirchenkreises Elbe-Fläming, Ute Mertens, und der zuständige Grabower Pfarrer Thomas Seeber. Im Raum stand nämlich auch der Zustand der Kita im Alten Pfarrhaus, das im Eigentum der Kirche ist. „Die Eignung der Kita wurde hier an verschiedenen Stellen in Frage gestellt. Wir haben hier gerade 60.000 Euro für die Sanierung des alten Hauses investiert“, sagt er. „Es gehen hier sehr viele hässliche Dinge durch die Öffentlichkeit“, so Seeber zu dem Kommunikationsstil vor Ort und auch dem Bauzustand der Kita. Es sei keine gute Voraussetzung zur Klärung.

Die Zukunftsfähigkeit der Advent-Kita in Frage stellte Jennifer Kissel. Sie ist Mitglied im Kuratorium des Advents-Kindergartens, Vorsitzende der Gemeindeelternvertretung und Mitglied in der Kreiselternvertretung. „Hier werden die Kinder nur aufgehoben und nicht betreut“, stellt sie fest. Auch die Personalsituation sei bedenklich. Dazu sagt auf Anfrage der Geschäftsführer des Advents-Kindergartens, Manfred Denkert: „Im Kindergarten Hohenseeden betreuen vier Fachkräfte 25 Kinder in zwei Gruppen. Die Nachfolgerin einer vor einigen Tagen wegen Umzugs ausgeschiedenen Fachkraft ist zum 1. Juli 2018 eingestellt. Der Kindergarten arbeitet nach den Vorgaben des Bildungsprogramms des Landes Sachsen-Anhalt ,Bildung-Elementar – Bildung von Anfang an‘. Der pädagogischen Arbeit liegt eine Planung zu Grunde, die für die Eltern aushängt.“

Sehr emotional reagierte Horst Flügge, der Vater von Carsten Flügge. „Sie können ja diese Kita bauen, aber nicht an diesem Ort“, sagte er.

Denn im Lindenpark stand einst ein Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges. Es wurde zu DDR-Zeiten beseitigt.

Heute befindet sich dort also kein Denkmal mehr. Mit Integration der Linden soll nun die neue Kita gebaut werden.