Jerichow l „Wir sagen derzeit keine Veranstaltungen ab“, informiert Bernd Witt, Geschäftsführer der Stiftung Kloster Jerichow zur Frage, ob Konzerte, Feste, Ausstellungseröffnungen und das Jazz-Festival zur rechten Zeit stattfinden können. Alle bisher geplanten Termine hätten weiterhin Bestand, Absagen an Künstler und Veranstalter erfolgen von Seiten der Stiftung vorerst noch nicht.

Abzuwarten seien die Beschlüsse der Landesregierung am 6. Mai, so Witt, „dann können wir unseren Fahrplan für 2020 präzisieren.“ Sonst stehen zumindestens die großen kulturellen Veranstaltungen auf der Kippe, sollten die sich die Bedingungen nicht wesentlich ändern.

Mitarbeiter sind hochmotiviert

„Wir sind startbereit“, sagt ebenfalls Marco Reiß, künstlerischer Leiter der Stiftung und einer der Initiatoren des Festivals „Jazz im Kloster“. Alle Mitarbeiter seien hochmotiviert und wollen endlich anpacken – doch: „Dürfen wir gastronomischen Leistungen oder Konzerte nur mit Mundschutz anbieten“, verdeutlicht Witt, „dann macht auch ein Jazz-Festival keinen Sinn.“ Selbst kleine Konzerte und die geplanten Vortragsreihen zum Prämonstratenser-Jahr verlieren dann ihren Charme und letztendlich kommen kaum Besucher. Drei Veranstaltungskreise gebe es zu beachten, sagt Vorstandsmitglied Wolfhard Grefrath: zum ersten die Sommermusiken, zum zweiten das Klostergartenfest und, als künstlerischer Höhepunkt, das Jazz-Festival im August – die letzten zwei gelten obendrein als touristische Gipfel der Saison.

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Derzeit prüfen die Vorstandsmitglieder der Stiftung, in wie weit bestimmte Örtlichkeiten innerhalb der Klostermauern öffnen könnten – unter Auflagen, versteht sich. Bernd Witt dazu: „Für unser Klostergartenfest entwickeln wir gerade ein verschlanktes Konzept.“ In den Jahren zuvor kamen an dem Wochenende im Juli über 4000 Besucher, erinnert Grefrath, „das können wir in diesem Jahr nicht organisieren.“

Öffnung des Klostergartens mit Café möglich

Mit einem anderen Namen versehen und mit weniger Schaustellern, könnten sich die Mitarbeiter des Klosters allerdings vorstellen, die Veranstaltung nicht ganz ausfallen zu lassen. „Details sprechen wir gerade ab und prüfen sie auf Umsetzbarkeit“, so Witt. Auch die Öffnung des Klostergartens mit seinem Café wäre nach Ansicht der Stifter zu schaffen. „Wir erzielen derzeit überhaupt keine Einnahmen, unsere Mitarbeiter sind größtenteils in Kurzarbeit und da bringt uns jede Erleichterung nach vorn.“ Warum nicht zum Beispiel Stühle und Tische in gehörigem Abstand unter freiem Himmel aufstellen, fragen sich Grefrath und Witt, „um dort Kaffee und Kuchen zu verzehren und die Schönheit des Klosters auf sich wirken zu lassen?“

Auch die beliebten Sommermusiken nehmen erst im Juni richtig an Fahrt auf und lassen sich ohne großen Vorlauf organisieren, so Witt. Bei größeren Veranstaltungen wie dem Klostergartenfest und dem Jazz-Festival benötigen Stiftung, Künstler und Gastronomen circa acht Wochen Zeit für die Vorbereitung. Damit wäre der 6. Mai für die Stiftung in der Tat ein Stichtag für den weiteren Kurs. Die Vorschläge dazu hat Klosterchef Witt beim Tourismusverband Sachsen-Anhalt und beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband e.V. eingereicht, der, wie Witt sagt, solch Vorschläge sammelt und mit den Entscheidungsträgern der Politik verhandelt.

Hoffnung auf Verständnis der Politik

Witt selbst nahm am letzten Freitag in der Stendaler Innenstadt an Demonstration „Leere Stühle“ teil, in der Restaurantbesitzer auf die Probleme der Branche aufmerksam machten. „Auch unsere Gaststätte Klostermahl ist ja davon betroffen und warum sollten Gaststätten nicht öffnen, wenn praktikable Bedingungen vorgegeben werden“, betont Witt und sagt, „wir sind selbst daran interessiert, diese auch einzuhalten.“

Der Klosterchef hofft auf das Verständnis der Politik für die schwierige Lage der Gastronomen samt den Veranstaltern und denkt, „dass sich da demnächst etwas tut.“ Dann würde wenigstens ein Teil der Einnahmen fließen, so Witt und das seinen Mitarbeitern Perspektive geben. Im Kloster arbeiten derzeit achtzehn hauptamtliche Kräfte, darunter Handwerker, Gärtner und wissenschaftliches Personal. Nur ein kleiner Stamm halte derzeit den Betrieb der Anlage aufrecht, die meisten habe Witt in die Kurzarbeit geschickt. Die Einnahmen aus den Veranstaltungen und Eintrittspreisen decken die Betriebskosten der Klosteranlage, einschließlich der Gehälter für die Mitarbeiter. Sollten diese Gelder ausfallen, müssten die Kuratoriums-Mitglieder der Stiftung überlegen, wie sie mit der Situation umgehen und eventuell mit erhöhten Zahlungen einspringen.