Burg l Die Friedhofsruhe auf dem Burger Ostfriedhof wird in diesen Tagen immer mal für Momente unterbrochen. Dann nämlich, wenn das messerscharfe Sägewerk des Harvesters einen Baum fest im Griff hat und zurechtsägt. Im Minutentakt werden auf diese Weise vom Borkenkäfer befallene Fichten gefällt und beschnitten, die unbedingt von den gesunden Bäumen getrennt werden müssen. „Der Einsatz des Harvesters auf dem Friedhof ist schon etwas ungewöhnlich“, schränkt Grünflächenexperte Wieland Günther von der Stadtverwaltung ein. „Aber weil mindestens 200 Bäume gefällt werden müssen, geht es so am schnellsten. Mit der Kettensäge wären die Mitarbeiter des Bauhofes über Wochen damit beschäftigt. Außerdem wollen wir rechtzeitig vor Totensonntag fertig sein.“ Und mit Andreas Voß habe die Stadt einen erfahrenen Fahrer in der Kabine, „der die Arbeit sehr umsichtig und effektiv durchführt“, sagt Günther.

Tonnenschwere Maschine

In der Tat lenkt Voß die tonnenschwere Maschine im Westteil des 14 Hektar großen Friedhofs geschickt auf dem Weg, während der lange Greifarm den zuvor gekennzeichneten Stamm in die Zange nimmt. Voß kann die Maschine so steuern, dass die Bäume fast zentimetergenau fallen.

Schon nach wenigen Stunden hat sich der Bestand in der Nähe des großen Komposthaufens deutlich gelichtet. „Die eine oder andere Stelle wird sicher nicht wiederzuerkennen sein“, prophezeit Günther. „Aber wir haben keine andere Wahl.“ Schuld an der diesjährigen Plage ist der wiederholt extrem heiße Sommer, der ideal für Schädlinge wie den Borkenkäfer war. Die bohren sich in die Baumrinde, um ihre Eier abzulegen. Die Larven ernähren sich dort von den saftführenden Schichten des Baumes, die dessen Lebensadern sind. Nach dem Befall sterben die Bäume meist ab. Ist die Käferpopulation so stark, können neben schwachen oder kränkelnden Bäumen auch gesunde befallen werden. „Das muss unbedingt vermieden werden, weil bereits 2015 etwa 150 Bäume gefällt werden mussten“, erläutert Günther.

Erreger aus dem Sommer

Viele Fällungen bedeuten auch viele Nachpflanzungen. „Aber nicht mehr mit Fichten“, betont Günther. Die überstehen den Klimawandel nicht so wie andere Baumarten. Die Stadt werde deshalb mehr auf Eiben oder Lebensbäume setzen. „Wir werden uns in der Waldbewirtschaftung umstellen müssen. Das schließt auch den Friedhof ein.“ Mit dieser Meinung steht Günther übrigens nicht allein da. Auch Uwe Schmied, der den kreiseigenen Kommunalwald betreut, sieht für die Fichte keine Zukunft: „In einigen Jahren wird man sie hier kaum noch sehen.“

Die Waldarbeiten auf dem Ostfriedhof werden voraussichtlich bis Mitte der Woche andauern. Stadtsprecher Bernhard Ruth bittet um Verständnis für die möglichen Einschränkungen und appelliert an die Friedhofsbesucher, die unmittelbare Nähe des Harvesters zu meiden. „Nur so gehen die Fällungen auch zügig voran.“ Beendet ist der Einsatz der Maschine damit in Burg aber noch nicht. Anschließend müssen größere Kiefernbestände im angrenzenden Stadtwald durchforstet werden, kündigt Günther an. Diese Bäume sind vom wärmeliebenden Pilz Diplodia befallen. Der Erreger hatte sich ebenfalls in den heißen Sommermonaten besonders schnell vermehrt. Jetzt seien die Ausmaße der Schäden besonders sichtbar.