Burg l Zeitgemäßer Sportunterricht sähe so aus: Die Jungen und Mädchen können sich in entsprechenden Räumen umkleiden, gemeinsam in einer hellen Halle Sport treiben, sich danach waschen oder auch duschen. In der Pestalozzi-Grundschule ist die Welt etwas anders. Weder die Kinder noch die Lehrer haben die Möglichkeit, sich in separaten Räumen umzuziehen. Frisch machen kann sich niemand. Ein Zustand, den der Schulelternrat erst vor Kurzem wieder angeprangert hat. „Das Fach Sport in der Grundschule (...) überhaupt noch zu unterrichten, ist ausschließlich auf Grund des unglaublichen Engagements der Lehrerinnen möglich“, heißt es in einem Schreiben an die Stadtverwaltung.

In der Tat haben die Pädagogen immer flexible Varianten entwickelt, damit die Steppke trotz aller Missstände noch Spaß am Sport haben. Unter anderem hat die Schulleitung beschlossen, den Sportunterricht für Mädchen und Jungen getrennt durchzuführen. Klassenübergreifend haben die 2. und die 4. Klasse in zwei Gruppen jeweils eine Doppelstunde Unterricht. Betroffen sind davon 40 Mädchen und 35 Jungen. „Da keine Umkleidemöglichkeiten vorhanden sind, ziehen sich die Jungen und Mädchen im Klassenzimmer um“, sagt Schulleiterin Simone Henes. Drei Klassen müssen dabei beaufsichtigt werden. Jeweils zwei Sportlehrerinnen sind für die Doppelstunden erforderlich. Dazu kommt eine weitere Sportstunde in der Woche. Mindestens 25 Kinder befinden sich pro Stunde in der mehr als beengten Sporthalle. „Wenn dann noch Geräte aufgebaut sind, wird es noch enger. Der Turnraum im Keller hat feuchte Wände und einen sehr glatten Fußboden. Außerdem herrscht in dem Raum ein großer Schall“, sagt Henes.

Essen in Durchgängen

Nicht anders sieht es bei der Schulspeisung aus und im Hort. Essen können die Kleinen nur in mehreren Durchgängen im Speiseraum, was zu einer extrem engen Zeitspanne führt. Und die Hortbetreuung ist nur in Klassenräumen möglich. Die Bereiche Hort und Schule sind sich selbst im Weg – Zustände, die immer mehr auf Kritik stoßen. „Vor allem, weil seit Jahren nichts passiert, aber stets versprochen wurde, die einzelnen Punkte abzuarbeiten“, sagt Elternratsmitglied Enrico Krüger. „Die Investitionen sind überfällig.“

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Die Stadt hat das Thema jetzt auf die Agenda gesetzt – um Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln. „Wir arbeiten gemeinsam mit dem Bauausschuss daran“, sagt Stadt-Pressesprecher Bernhard Ruth. Das Gremium wird sich heute Abend wiederum damit beschäftigen. „Wir wissen um die Probleme und müssen jetzt daran gehen, kurz- und langfristige Verbesserungen zu schaffen“, sagt der Vorsitzende Clemens Engel (CDU). Wie schwierig das ist, zeigen erste Überlegungen. Eine komplette Verlagerung des Sportunterrichts in die Diesterwegschule oder die neue Turnhalle der evangelischen Grundschule beispielsweise ist nach Informationen der Volksstimme schnell wieder verworfen worden.

Sportraum in Hortbereich integrieren

Derzeit wird geprüft, ob die Grundschüler der 3. und 4. Klassen die BBC-Sporthalle mit nutzen können und dafür möglicherweise die größeren Schüler des Roland-Gymnasiums in eine Sporthalle einer kreiseigenen Schule ausweichen. Auf diese Weise könnte ein weiteres Problem teilweise mit behoben werden: Der vorhandene Sportraum würde mit in den Hortbereich integriert.

Auch der Anbau einer Sporthalle direkt an der Schule und auf Grundstücken in der Nähe, wie auf dem Paasche-Gelände, ist bereits diskutiert worden –noch ohne Ergebnis. „Das wäre eine endgültige Lösung, aber auf dem Schulgelände nicht optimal, weil die Kinder dann noch weniger Platz hätten“, befürchtet Ausschussmitglied Bernd Hennig (CDU). Hinzu kämen möglicherweise Konflikte mit dem Denkmalschutz.

Bessere Betreuung braucht Zeit

Jetzt werden Modelle eines gesonderten Baus in die Waagschale geworfen. Ob das klappt? „Das geht nicht von heute auf morgen. Aber wir müssen jetzt den Weg für eine bessere Betreuung und Sportmöglichkeiten ebnen“, sagt Engel.