Villa Krocker

Künstler gestalten Wandbild in Burger Bruchstraße

Nach und nach verwandelt sich der Giebel der ehemaligen Villa Krocker in der Burger Bruchstraße zu einem Kunstwerk. Der aufmerksame Betrachter stellt fest: Jeder Pinselstrich ist nicht nur durchdacht, sondern auch berechnet.

Von Mario Kraus
Elke Schütze von den Burger Stadtwerken, die das Projekt unterstützen, schaut zu, wie Michaela Spatz eine Katze ausmalt. Insgesamt sind acht Künstler aus ganz Deutschland mit der Gestaltung des Giebels in der Burger Bruchstraße beschäftigt.
Elke Schütze von den Burger Stadtwerken, die das Projekt unterstützen, schaut zu, wie Michaela Spatz eine Katze ausmalt. Insgesamt sind acht Künstler aus ganz Deutschland mit der Gestaltung des Giebels in der Burger Bruchstraße beschäftigt. Foto: Andreas Wunderlich

Burg - Künstler mögen oftmals die Liebe zum Detail, damit aus dem Kleinen etwas Großes entsteht. Wie an dem markanten Giebel der ehemaligen Fabrikantenvilla Wilhelm Krocker in der Burger Bruchstraße. Wer in diesen Tagen diesen Straßenabschnitt in der Altstadt von Osten nach Westen durchfährt, bemerkt hinter dem Gerüst einen Strauß voller Farben und eine Art szenische Lebendigkeit, die – wie sollte es anders sein – mit Burg, der Villa und der Region zu tun hat. Hier sollen sich Geschichte und Gegenwart der 1070-jährigen Stadt, die reich an Traditionen ist, widerspiegeln. „Es wird mehr als nur ein Hingucker“, sagt Gundula Illies, die sich mit ihrem Mann und dank einiger Sponsoren einen ganz besonderen Traum erfüllt – nämlich einen Blickfang als Zeitreise durch verschiedene Epochen, die die Stadt und die Menschen geprägt haben.

Typische Motive aus der Geschichte Burgs

Diesen Anspruch wollen insgesamt acht Künstler gerecht werden, die trotz modernster 3-D-Messtechnik mit besonderer Akribie am Giebel Hand anlegen, damit die Figuren und Bilder in einem einheitlichen Kontext gestaltet werden. Auch auf einem relativ großen Giebel ist eben Millimeterarbeit gefragt, „die aber unheimlich Spaß macht“, sagt Verena Spatz. Die gelernte Bühnenmalerin mit Wurzeln in Stuttgart gehört zum Team und findet die Gestaltung des Krocker-Giebels mit den typischen Motiven der Eigentümer-Familie, des Kinos oder Wasserhahns als Verbindung zur Investorenfamilie Illies eine „ganz besondere Herausforderung“. Auch deshalb, weil die Proportionen und damit alle Linien stimmen müssen. Dafür haben die Fachmänner und –frauen aus ganz Deutschland ihr eigenes Atelier in den Zimmern, die vor der Schließung des Gebäudes den ehemaligen Leiter der Volkshochschule beherbergten. Dort lagern nicht nur große Mengen an Farbe, in einem Raum entstehen auch die Vorlagen, um die Darstellungen passgenau an die Wand zu bringen. „Das ist anspruchsvolle Feinarbeit, die ihren Reiz hat“, erläutert Spatz.

Werk der Illusionsmalerei

Und gut im Fluss ist das Team auch deshalb, weil Gundula und Thomas Illies für eine familiäre Atmosphäre sorgen, in der sich solche kreativen Köpfe wie Spatz und Co. erst richtig entfalten können. Das macht auch Andreas Wunderlich von der Berliner Firma Creative Stadt ein wenig stolz. Die Firma hat die konzeptionellen Grundlagen für den Auftrag gelegt und in der ganzen Bundesrepublik Häuser und Teile von Gebäuden gestaltet – und zwar mit  der Technik der Trompe-l'œil-Malerei, die oftmals erst auf den zweiten Blick erkennen lässt, dass es sich nicht um ein reales Bild, sondern um eine Illusionsmalerei handelt. „Wir arbeiten allesamt schon seit Jahren zusammen und entwickeln so immer neue Erfahrungen“, sagt Stadtplaner Wunderlich. Diese Technik überzeugt auch die Sponsoren und Unterstützer in Burg. „Es ist überaus authentisch und lässt die Betrachter in die jeweilige Zeit eintauchen“, freut sich beispielsweise Elke Schütze von den Stadtwerken über die nahende Fertigstellung Mitte August.

Hilfe durch Heimatverein

Umfangreiche Recherche-Unterstützung lieferte auch der Heimatverein. Deren Vorsitzende Karin Zimmer sieht in dem Giebel auch eine Geschichte, „die bald nun täglich lebendig wird. Wir freuen uns schon alle auf den Tag, an dem das Kunstwerk eingeweiht wird. Es ist eine große Bereicherung für die Stadt.“

Auch Burgs neuer Bürgermeister Philipp Sievert (parteilos) ist des Lobes voll über die Initiative von Familie Illies. „Für unsere Stadt ist das eine echte Bereicherung. Es wäre wünschenswert, wenn sich noch weitere Sponsoren fänden.“

Farbe und Putz sind knapp

Er und andere Interessierte schmunzelten bei der jüngsten Projektvorstellung nicht schlecht, wie sich die aktuelle Materialknappheit selbst auf die Kunstszene auswirkt. Nur mit Beziehungen sei es gelungen, den nötigen Wandputz und die speziellen Farben zu besorgen, wobei bei einem Farbton auf eine Ausweichfirma zurückgegriffen werden musste. „Das hätten wir uns in der heutigen Zeit nicht träumen lassen“, meinte Wunderlich. „Leider konnten wir keinen Tausch mit einem Trabi-Kotflügel wie zu DDR-Zeiten anbieten…“

Michaela Spatz zeigt  Vorlagen und Folien für die Darstellung der einzelnen Gegenstände.
Michaela Spatz zeigt Vorlagen und Folien für die Darstellung der einzelnen Gegenstände.
Foto: Mario Kraus