Schartau l Die Sonne brennt unerbittlich. Doch Daniel Döhne muss jede Minute nutzen, um Stroh für die kommenden Monate einzufahren. Jetzt, wo die Mähdrescher fast rund um die Uhr im Einsatz sind, muss er selbst wie eine Maschine rotieren. „Das geht jetzt alles Schlag auf Schlag, die Halle muss befüllt werden“, sagt der Landwirt, der „nicht unnötig klagen will“, aber dennoch in großer Sorge ist. Als mittlerer landwirtschaftlicher Betrieb bewirtschaftet das Familienunternehmen 50 Hektar Silomais, 14 Hektar Luzerne und 30 Hektar Grasland. War die Ernte im vergangenen Dürrejahr „schon teilweise eine Katas- trophe“, erwartet er auch dieses Jahr „erhebliche Einbußen“.

„Es hat uns wieder erwischt“, sagt der studierte Landwirt. Die Erträge seien so unterschiedlich wie der Regen gefallen ist. „Es gibt Stellen, wie beispielsweise an der Elbe, auf denen der Mais wegen des guten Bodens noch recht ordentlich gewachsen ist, und dann trockene Gebiete im Hinterland.“ Insgesamt rechnet Döhne mit Einbußen beim Mais von etwa 40 Prozent, denn Stengel setzen gar keine Kolben an oder bilden nur kleine, erläutert der Fachmann am Feldrand.

4000 Liter Milch pro Tag

Einige hundert Meter weiter stehen rund 180 Milchkühe im Stall. Jeden zweiten Tag werden etwa 4000 Liter Milch in die Molkereien abgefahren. „Das ist unsere Einnahmequelle, die Tiere müssen natürlich immer Futter haben.“ Fest steht schon heute, dass die Familie auch dieses Jahr wieder kräftig ins Portemonnaie greifen muss, um den tierischen Nahrungsbedarf zu decken. Im vergangenen Jahr waren es rund 70.000 Euro, die zusätzlich aufgebracht werden mussten. Wieviel es 2019 konkret sein werden, ist noch offen. „Aber es geht schon an die Substanz“, versichert der Schartauer. Erschwerend komme hinzu, dass die Dürrehilfe, die 2018 beantragt wurde, noch immer nicht auf dem Konto erscheint. „Und das, obwohl das neue Erntejahr schon voll im Gange ist“, schüttelt Daniel Döhne den Kopf.

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Wer ist schuld: die Bürokratie? Eine abschließende Antwort kann auch Peter Deumelandt, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Jerichower Land, auf die Frage nicht geben. „Ja, es gibt wirklich Betriebe, die noch keinen Cent gesehen haben“, bestätigt er. „Das ist nicht nachvollziehbar.“

Niederschläge regional unterschiedlich

Die diesjährige Ernte im Landkreis bezeichnet Deumelandt als territorial sehr unterschiedlich, aber im Durchschnitt etwas besser als 2018. „Die Niederschläge waren regional sehr verschieden, deshalb trifft es manche Landwirte wieder hart und andere wiederum nicht so sehr.“ Dies sei beim Mais deutlich sichtbar. Auf manchen Feldern ist er gerade mal 30 Zentimeter hoch gewachsen.

Auch der Landesbauernverband geht für Sachsen-Anhalt von örtlich sehr unterschiedlichen Ernten aus. Bei Raps, Weizen und Roggen würden die Erträge deutlich unter dem mehrjährigen Mittel liegen. „Die Winterrapsbestände sind auf rund 40 Prozent der Flächen bereits gedroschen. Dabei melden die Landwirte unterdurchschnittliche Erträge, kleine Körner und geringe Öl-Gehalte, was sich auf die Absatzpreise auswirken wird“, bilanziert Erik Hecht, Referent für Öffentlichkeitsarbeit.

Futterreserven nicht ausreichend

Am schwierigsten seien die Bedingungen in den Regionen von Anhalt/Bernburg über Halle bis zur Querfurter Platte. Dort würden sich in den ersten geernteten Weizenflächen sogar noch geringere Erträge als im Vorjahr abzeichnen. Und: „Wenn Grünland und Mais nicht bald ergiebige Niederschläge bekommen, verstärken sich die Probleme in den viehhaltenden Betrieben. Noch konnten für den Winter keine hinreichenden Futterreserven angelegt werden.“

Diese Einschätzung kann Daniel Döhne nur unterstreichen. Im Tausch gegen Gülle ist er froh, festgepresstes, zwei bis fünf Zentimeter langes Weizenstroh einlagern zu können, das unter anderem für die Liegeboxen und teilweise als Futter verwendet wird. 600 bis 800 Ballen werden pro Jahr für die Tiere verbraucht. „Eine der wichtigsten Grundlagen für uns“, zeigt Döhne auf die goldgelben Ballen.