Burg/Genthin l „Ich rufe Sie an. Dann können wir einen Termin ausmachen. Wir haben bis Weihnachten einen Werkstattverkauf, das heißt einen Abhol- und Lieferservice. Danach ist geschlossen. Für den Gottesdienst an Weihnachten müssen Sie sich anmelden. Der ist vor der Oberkirche. Im Stehen. Und wenn es regnet im Stehen im Regen. Also nicht die besten Schuhe anziehen.“ Blumenhändler Udo Vogt hatte am Dienstag viel zu erklären. Seine Kunden wollen wissen, ob es zu Weihnachten frische Blumen gibt – und da Vogt aktiv in der evangelischen Gemeinde ist, auch, wie Weihnachten in diesem Corona-Jahr unter Lockdown-Bedingungen abläuft.

Udo Vogt ist nicht überzeugt, von den Regelungen, die die Ministerpräsidenten zusammen mit der Bundesregierung getroffen haben. Es ist nach dem Frühjahrs-Lockdown das zweite Mal, dass er sein Geschäft schließen muss. Die Hälfte des Dezember-Umsatzes, rechnet er, geht ihm dadurch durch die Lappen. Denn: „Die Leute kaufen Blumen frisch. Das heißt am 23. und 24. Dezember.“ Und an den Tagen wird nur noch ausgeliefert oder abgeholt, was vorher bestellt war.“ Sein Blick ins neue Jahr ist eher düster. Die Handelslandschaft in den deutschen Innenstädten werde sich gravierend durch den Umgang mit der Pandemie ändern. „Wir müssen sehen, was übrig bleibt.“

Händler haben Verständnis

Es sind nur ein paar Meter über den Magdalenenplatz zu Karen Ahlerts Geschenkehaus Hellwig. Wie in Vogts Blumenladen nutzen die Burger den letzten Tag vor dem Lockdown noch, um das eine oder andere Präsent zu finden. Anders als ihr Händlerkollege kann Karen Ahlert die Entscheidung für den Lockdown gut mittragen. Kein verhageltes Weihnachtsgeschäft? „Bei den Zahlen? Da muss man die eigene Sache, Umsatz und Gewinn, nach hinten stellen und an die anderen mit denken.“ Sie finde es deutlich trauriger, dass so viele Menschen Weihnachten nun allein verbringen müssten als ihr Geschäft zu schließen.

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Das Steinhaus in der Schartauer Straße in Burg ist wie beim ersten Mal nicht betroffen. Der Spirituosen-Laden gehört zu den Geschäften mit Waren des täglichen Bedarfs. Daniel Papenhagen sieht der nächsten Zeit, in der das öffentliche Leben weitgehend still steht, deshalb relativ gelassen entgegen. Das Geschäft darf weiter geöffnet bleiben. Trotzdem erwartet er in den kommenden Tagen nicht den großen Ansturm. Die meisten seien ohnehin am Montag und am Dienstag schon vorbeigekommen, um geisthaltige Weihnachtsgeschenke und den Festtagswein zu kaufen.

Sich viele Gedanken zu machen, dazu hat Annett Preuß, Inhaberin eines Genthiner Geschenke-Artikel-Ladens, kaum Zeit. Sie habe eigentlich mit dem Lockdown gerechnet, meint sie. „Wenn es was bringt, soll es so sein“, hat sie sich mit dem harten Einschnitten arrangiert. Lamentieren bringe ohnehin nichts. Seit Montag, seit Bekanntwerden des Lockdowns, herrsche „Hektik pur“ in ihrem Geschäft. Weihnachten werde zur Eilsache.

Kritik an Kurzfristigkeit

Nachdenkliche Töne kommen indes von Silvia Roßmann, Inhaberin von „Ideen von A bis Z“ am Genthiner Marktplatz. Der Lockdown sei aus ihrer Sicht zu kurzfristig verhängt worden, mit etwas längerer Vorbereitungszeit hätte man noch eine Öffnungszeit bis 20 Uhr ermöglicht. Sie und ihr Mann setzen ohnehin verstärkt auf das Online-Geschäft.