Möckern l Mit Paukenschlag und Beckenschall hob der Chor stimmgewaltig zur musikalischen Ehrerbietung der Schicksalsgöttin Fortuna an: „Fortuna Imperatrix Mundi“. Die Melodie kannte jeder im Saal, aber was bitte singen die da?

Ein berühmtes Werk

Als Carl Orff im Jahr 1935 seine „Carmina Burana“ vorstellte, sagten seine Freunde: „Carl, das ist eine tote Sprache, kein Mensch versteht das, du wirst dein Publikum verprellen.“ Die Geschichte hat uns gelehrt, dass das Werk es auch in mittellateinischer und mittelhochdeutscher Sprache zu großer Berühmtheit gebracht hat – und auch in Möckern überzeugen konnte.

In der Vertonung mittelalterlicher Liebes-, Trink- und Spiellieder geht es um nicht weniger als „die ewige Wandelbarkeit menschlichen Lebens im Werden und Vergehen der Jahreszeiten zwischen Geburt und Tod, Anfang und Ende und Neuanfang“, heißt es auf dem Internetportal „Klassika“. Der lateinische Originaltitel bedeutet auf deutsch: „Beurer Lieder: Weltliche Gesänge für Sänger und Chöre, begleitet von Instrumenten und magischen Bildern“.

Bilder

Fünf Pauken, zwei Pianos

Magische Bilder gab es in Möckern zwar nicht, wohl aber Instrumente. Mit zwei Lieferwagen reisten die engagierten Musiker an, im Gepäck nicht weniger als fünf Pauken, zwei Digitalpianos, einem chinesischer Gong und zwei großen Xylofonen. Es handele sich jedoch um eine reduzierte Version der Carmina, 1956 von Orffs Schüler Wilhelm Killmayer arrangiert und von Orff autorisiert, erklärte Thorsten Fabrizi, Organisator und Leiter des Projektchores des evangelischen Kirchenkreises.

Über 100 ambitionierte Sängerinnen und Sänger hatte Fabrizi für dieses Projekt gewinnen können. Weniger hätten es für solch ein Werk auch nicht sein dürfen, so der Wolliner Kantor. Das Stück lebe von seiner Stimmgewaltigkeit. Und daher gab es – wie schon bei der „Theresienmesse“ im Vorjahresprojekt – Unterstützung vom Telemann-Chor Magdeburg, der ebenfalls von Fabrizi geleitet wird. Seit Februar probten die Sängerinnen und Sänger das Werk ein.

Beeindruckende Atmosphäre

Zehn Proben zu je zweieinhalb Stunden später konnten die Vokalisten und Instrumentalisten sich dann selbstbewusst auf gleich drei Bühnen wagen: Bereits am Sonnabend wurde das Stück in der beeindruckenden Atmosphäre des Klosters „Unser Lieben Frauen“ in Magdeburg aufgeführt. Am Sonntag stand vormittags der Auftritt in der Sporthalle Wollin an, um 18 Uhr das Abschlusskonzert in der Stadthalle Möckern.

Thorsten Fabrizi zeigte sich angesichts des Besucherandrangs in der Ehlestadt erfreut. Es mussten noch zahlreiche Stühle aufgestellt werden, bis jeder der gut 300 Besucher einen Platz gefunden hatte.

Die Besucher – bei Weitem nicht nur aus Möckern und seinen Ortschaften angereist – erlebten, wie modern und doch zeitlos „ernste“ Musik sein kann. Wechselgesänge im Chor und mit den überzeugenden Solisten Shirley Radig (Sopran), Thomas Fröb (Tenor) und Diogo Mendes (Bass) versprachen qualitativ hochwertige gut 70 Minuten Klassikerlebnis, wie es sie in Möckern gerne öfter geben könnte.

Chor-Kooperation

Mit konkreten Aussagen über zukünftige Projekte des Projektchores hielt sich Thorsten Fabrizi nach dem Konzert noch zurück. „Es wird aber voraussichtlich auch im Jahr 2020 wieder ein Angebot geben. Ob das wieder so groß ausfallen wird, ist noch offen. Sicher sollte man an der Kooperation mit dem Telemann-Chor festhalten. Es ist eine Win-Win-Situation für beide Chöre“, so der in Möckern lebende Chorleiter.

Den Projektchor des evangelischen Kirchenkreises Elbe-Fläming gibt es seit dem Jahr 2012. Dabei kommen Sängerinnen und Sänger im Großraum Jerichower Land, Anhalt-Zerbst, Magdeburg und Potsdam-Mittelmark zusammen, um sich unter fachkundiger Anleitung an große klassische Werke – in der Regel mit Solisten und Orchesterbegleitung – zu wagen, welche man mit kleinen Dorfkirchenchören auf dem Land so nicht realisieren könnte.