Feuer in Ruine

Nach Brandserie Täterin ermittelt

Dreimal brannte es Mitte April im ehemaligen Burger Bekleidungswerk in der Bahnhofstraße. Die Polizei hat eine Tatverdächtige ermittelt, die mittlerweile auch gestanden hat. Die Stadt bittet Eigentümer ähnlicher Objekte, regelmäßig nach dem Rechten zu sehen, vor allem, dass sich dort kein Müll ansammelt, der angezündet werden kann.

Von Thomas Pusch 04.07.2021, 11:31
Mitte April brannte es mehrmals in der Industrieruine an der Bahnhofstraße. Strafrechtlich sind die Taten allerdings als Sachbeschädigung und nicht als Brandstiftung zu werten.
Mitte April brannte es mehrmals in der Industrieruine an der Bahnhofstraße. Strafrechtlich sind die Taten allerdings als Sachbeschädigung und nicht als Brandstiftung zu werten. Foto: Marc Sommer

Burg - Am 15. April um 11.27 Uhr ging es los. Die Freiwillige Feuerwehr Burg wurde wegen einer unklaren Rauchentwicklung zu einem leerstehenden Gebäude in der Bahnhofstraße gerufen. Es handelte sich um das ehemalige Burger Bekleidungswerk. Rauch drang aus mehreren der schon lange zerstörten Fenster. Schnell wurde die Ursache gefunden und das kleine Feuer gelöscht. Wenige Stunden später, um 19 Uhr, ertönten wieder die Funkmeldeempfänger, selbes Stichwort, selbe Adresse. Wieder war das Feuer schnell gelöscht. Dieses Mal durchnässten die Feuerwehrleute den gesamten umliegenden Unrat, um ein schnelles erneutes Entzünden zu verhindern.

Das erfolgte erst am 19. April. Um 14.09 Uhr kam der Alarm. Aufmerksame Anwohner hatten Rauch aus dem Gebäude kommen sehen. Wieder brannte Unrat, der schnell gelöscht wurde. „Da haben welche Langeweile, hoffe, dass sie gestellt werden“, lautete ein Kommentar auf der Facebook-Seite der Wehr. Und so kam es auch, dieser Brand war der letzte in der Serie.

Ehemalige Fabrik sollteTeil der Laga werden.

Die Polizei hat zu den Bränden in der Industrieruine eine Tatverdächtige ermittelt. „Sie hat die Taten auch zugegeben“, erklärte Polizeisprecher Christian Sewina gegenüber der Volksstimme. Bei den Taten handele es sich aus strafrechtlicher Sicht jedoch nur um Hausfriedensbruch. Der Müll, welcher dort seit Jahren von Personen illegal abgelegt wird und durch die Tatverdächtige angezündet wurde, sei „herrenlos“, wie es in der Amtssprache heißt. Der Besitz sei aufgegeben worden, daher sei in diesem Fall nicht von Sachbeschädigung zu sprechen. Der Brand des Mülls sei zudem nie eine Gefahr für das Gebäude gewesen und somit habe aus strafrechtlicher Sicht auch keine Brandstiftung stattgefunden. „Sachbeschädigungen werden mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder Geldstrafe bestraft“, informierte Sewina.

Im vergangenen Jahr gab es insgesamt 22 Brandstiftungen in Burg.

Für die Burger Feuerwehrleute bedeutet das eine unnötige Belastung und auch für Stadtsprecher Bernhard Ruth ein Ärgernis.

Die Industrieruine in der Bahnhofstraße hätte möglicherweise gar nicht mehr so ein tristes Dasein fristen müssen. „Im Vorfeld der Landesgartenschau hatten wir Gespräche mit dem Eigentümer, denn wir wollten das Gebäude in die Ausstellungsfläche einbinden“, sagte Ruth. Das wäre sehr gut vorstellbar gewesen, auch strategisch günstig zwischen Goethepark und Innenstadt sowie Weinberg und Flickschupark. Doch bei den Preisvorstellungen sei man schließlich nicht überein gekommen.

Grundsätzlich bittet die Stadtverwaltung Eigentümer, regelmäßig auch bei leerstehenden Gebäuden nach dem Rechten zu sehen. „Vor allem“, so Ruth, „geht es darum, dass nicht leicht entzündlicher Abfall, wie Papier oder Möbelstücke, frei zugänglich ist.“

Zwar haben die Brände das Gebäude, in das 1948 der VEB Burger Bekleidungswerke eingezogen war, nicht gefährdet, es ist aber dem Verfall preisgegeben. Denkmalschützer Axel Thiem zählte es schon im vergangenen Jahr zu den Gebäuden, die in absehbarer Zeit abgerissen werden müssen.