Beitragszahlung

Nach Einweihung wird Niegripper Feldstraße ein Fall fürs Gericht

Der grundhafte Ausbau der Feldstraße in Niegripp ist beendet. Das Kapitel um den 400 Meter langen Abschnitt ist allerdings noch nicht abgeschlossen und wird ein Fall für das Verwaltungsgericht. Offen ist, ob die Einwohner für das Projekt mit zahlen müssen.

Von Mario Kraus
Nach siebeneinhalbmonatiger Bauzeit konnte jetzt die Feldstraße in Niegripp wieder für den Verkehr freigegeben werden. Anwohner sowie Vertreter der Stadt, Baufirma und des  Ortschaftsrates zerschnitten das Einweihungsband.  Der Abschnitt ist nun mit einer Asphaltdicke überzogen.
Nach siebeneinhalbmonatiger Bauzeit konnte jetzt die Feldstraße in Niegripp wieder für den Verkehr freigegeben werden. Anwohner sowie Vertreter der Stadt, Baufirma und des Ortschaftsrates zerschnitten das Einweihungsband. Der Abschnitt ist nun mit einer Asphaltdicke überzogen. Foto: Mario Kraus
Mitglieder der Bürgerinitiative Feldstraße Niegripp machten auf mögliche Zahlungen für den Ausbau ihres Abschnittes aufmerksam. Das muss gerichtlich geklärt werden.
Mitglieder der Bürgerinitiative Feldstraße Niegripp machten auf mögliche Zahlungen für den Ausbau ihres Abschnittes aufmerksam. Das muss gerichtlich geklärt werden.
Foto: Mario Kraus

Niegripp - Sinnbildlicher kann eine Situation, die noch nicht bereinigt ist, kaum dargestellt werden. Die einen – Vertreter der Stadt, des Ortschaftsrates, der Baufirma und einige Anwohner – stehen am rot-markierten Einweihungsband, die anderen – Mitglieder der Bürgerinitiative (BI) – wenige Meter daneben mit zwei Schildern. Sie machen deutlich, dass noch ein Musterprozess um Erschließung oder Ausbau bevorsteht und es dabei um viel Geld geht. Aber: „Wir wollen hier kein Gegeneinander praktizieren, sondern noch einmal deutlich machen, worum es den Anliegern geht“, sagt Ingrid Malolepsy von der BI.

Abschnitt mit Asphaltschicht

Unübersehbar ist allerdings, dass der Ausbau der Feldstraße auf einer Länge von 400 Metern abgeschlossen ist. Die Holperstrecke ist nun nach einer Bauzeit von siebeneinhalb Monaten befestigt. Rund 760 000 Euro hat die Stadt für dieses Vorhaben in den Haushalt eingeplant. Während die Fahrbahn mit einer Fläche von rund 2500 Quadratmetern mit Asphalt versehen wurde, erhielten der 1,50 Meter breite Gehweg und die Zufahrten Betonsteinpflaster auf insgesamt 580 Quadratmetern. Damit Autofahrer nicht zu sehr aufs Gaspedal drücken, hat das Magdeburger Planungsbüro in der Straße beidseitig vier Grüninseln anordnen lassen. Sie sollen die Strecke auch gestalterisch aufwerten, sagte Sigrun Hohmann, zuständige Bearbeiterin der Stadtverwaltung. Anpassungs- und Umverlegungsarbeiten waren zudem durch den Wasserverband, die Stadtwerke und den Internetanbieter MDDSL nötig.

Straße nach Sturzregen unter Wasser

Für Gesprächsstoff sorgte bereits die Entwässerung der Straße. Da der Ort über kein zentrales System verfügt, das das Niederschlagswasser auffängt, wurden seitlich der Fahrbahn Mulden angelegt – mit 115 Rigolenfüllkörpern darunter. Nach einem Sturzregen am Wochenende mit rund 50 Litern pro Quadratmeter stand die neue Feldstraße bereits unter Wasser, bestätigte unter anderem Marlis Meinecke. Diese Menge über ganz kurze Zeit hätte allerdings auch ein Regenwasserkanal nicht aufnehmen können, so die Stadtverwaltung. Deren Vertreter, darunter der amtierende Bürgermeister Jens Vogler, bescheinigten der Genthiner Baufirma Buchheister eine „sehr gute Arbeit“. Der Ausbau werte den Ort weiter auf und sei ein Zeichen, dass die Stadt auch in die Dörfer investiere.

Zuschuss von privaten Investoren

Bis zum tatsächlichen Spatenstich sei es allerdings ein weiter Weg gewesen, erinnerte Ortsbürgermeister Karl-Heinz Summa. „Es war ein Kampf über zwölfeinhalb Jahre. Und wir mussten auch in den Gremien des Stadtrates, wie im Bauausschuss, viel Überzeugungsarbeit leisten, damit für die Ortschaften eine gesonderte Prioritätenliste für den Straßenbau erstellt wird.“ Überhaupt sei das Projekt erst finanzierbar geworden, weil sich die Erschließungsgesellschaft Niegripper See mit einer „sehr stattlichen Summe“ daran beteiligt. „Dafür bin ich sehr dankbar.“

Zwar ist die Straße nun ohne Schlaglöcher oder Huckelpisten befahrbar, Freudentränen können die Anwohner allerdings noch nicht vergießen. Möglicherweise müssen sie noch tief ins Portemonnaie greifen. So soll nach der Schlussrechnung geklärt werden, ob es sich bei dem Vorhaben um einen Ausbau oder eine Erschließung handelt. Darüber gibt es einen Dissens zwischen der Stadtverwaltung und Anwohnern beziehungsweise der BI. Letztere wird anwaltlich vertreten und geht von einem Ausbau aus, die Stadt beharrt auf Erschließung. Deshalb soll in einem Musterverfahren verbindlich geklärt werden, welchen Status das Projekt erhält. Darauf haben sich die Niegripper Anwohner und die Spitze der Stadt geeinigt.

Die Straßenausbaubeiträge hat das Land bereits im vergangenen Jahr mit einer breiten Mehrheit im Landtag abgeschafft - dies gilt aber nur bei Ausbauten, nicht bei Erschließungen.