Genthin l Jedes Jahr werden in Deutschland rund 13 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Pro Haushalt macht das etwa 85 Kilo. Hinzu kommen die weggeworfenen Lebensmittel aus Industrie, Handel, Lebensmittelverarbeitung oder Landwirtschaft. Umsichtiger Umgang mit Lebensmitteln könnte hier helfen. Auch Überlegungen, Lebensmittel aus Supermärkten vor dem Wegwerfen verstärkt an Institutionen wie Tafeln abzugeben, könnten entgegenwirken. Doch wenn die Lebensmittel erst einmal weggeworfen sind, ist es zu spät, sie noch für den Verzehr zu nutzen. Die Firma Refood hat ein Konzept entwickelt, die nicht mehr gebrauchten oder gewollten Lebensmittelreste zu verwerten, sodass sie dennoch einen Nutzen haben.

Das Unternehmen Refood ist bundesweit vertreten, hat im Jerichower Land eine Niederlassung in Genthin. Insgesamt gibt es 20 Niederlassungen, in denen rund 1000 Mitarbeiter beschäftigt sind. In Genthin ist Refood mit 52 Mitarbeitern seit dem Jahr 1997 aktiv und erbringt Dienstleistungen für Kunden im nördlichen Sachsen-Anhalt bis Potsdam und Magdeburg. Neben einem Sammelbetrieb steht hier auch eine eigene Biogasanlage mit einer Kapazität von 45 MW/h. Refood gehört zur international agierenden Unternehmensgruppe Saria, die in 24 Ländern mehr als 200 Standorte hat und mehr als 11 000 Menschen beschäftigt.

Refood seit 1980er Jahre aktiv

„Ob in der Gastronomie oder Hotellerie, in Supermärkten wie auch Betrieben, die Lebensmittel herstellen – in vielen Branchen fallen Speisereste und Altspeiseöle an, die im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften beseitigt werden müssen“, erklärt Marcel Derichs von der Unternehmenskommunikation. Die organischen Reststoffe werden entsorgt und zu nachhaltiger Energie gewandelt. Wie genau dies vor sich geht, erklärt Derichs der Volksstimme.

Obwohl das Thema Nachhaltigkeit in den vergangenen Jahren stark an Bedeutung gewonnen hat, verfolgt ReFood diesen Ansatz nicht erst seit kurzem. Bereits seit Ende der 1980er Jahre ist Refood aktiv. „Die organischen Reststoffe von über 70 000 Kunden nutzen wir als nachhaltigen Rohstoff: In Biogasanlagen, die ausschließlich Lebensmittel- und Speisereste verarbeiten, entstehen daraus klimafreundlicher Strom und Wärme. Die gebrauchten Frittierfette geben wir als nachhaltigen Grundstoff an die Biodiesel-Industrie weiter“, zählt der Unternehmenssprecher die Produkte auf.

Alte Behälter durch neue ersetzt

Die Kunden erhalten Sammelbehälter, die 120 oder 240 Liter fassen können. Für Frittierfette gibt es Behälter mit 90 Kilogramm Fassungsvermögen. Diese werden mit den Lebensmitteln oder Lebensmittelresten gefüllt und schließlich von Refood abgeholt und zu den Niederlassungen gebracht. „Bei jeder Entsorgung tauschen Mitarbeiter die Behälter stets gegen von innen und außen gereinigte Tonnen aus. Die Abholrhythmen und -zeiten vereinbaren Kunden dabei individuell mit uns. Dank digitaler Vernetzung mit den Niederlassungen können die Fahrer auch kurzfristig auf geänderte Entsorgungsmengen eingehen oder flexibel neue Anfahrtsstellen in ihre Fahrtroute aufnehmen – etwa bei einem Tiefkühlschaden in einem Supermarkt“, erklärt Derichs.

Wenn die Lebensmittel der Kunden bei Refood eintreffen, werden diese zunächst überprüft und Verpackungen oder deren Rest werden entfernt. Dann werden die Lebensmittel zerkleinert. „Ein sogenannter Hygienisator erhitzt die Reststoffe entsprechend einer EU-Verordnung für eine Stunde auf über 70 Grad Celsius, bevor sie in die Biogasanlage gelangen“, erläutert Derichs das weitere Vorgehen. Die sogenannte Kraft-Wärme-Kopplung nutzt den Energieträger Biogas gleich zweimal: Bei der Verstromung im Blockheizkraftwerk (BHKW) entsteht neben Strom auch Wärme. Die Abwärme nutzt Refood etwa um die Lebensmittelreste für den Hygienisierungsprozess vorzuheizen, ebenso Heißwasser für die Behälterwaschanlage oder die tägliche Fahrzeugreinigung.

470.000 Tonnen Lebensmittel pro Jahr

Bundesweit sammelt Refood rund 470.000 Tonnen Lebensmittel pro Jahr. Die Energie, die in den Biogasanlagen entsteht, kann 87 000 Haushalte mit Strom versorgen. Abhängig von der Zusammensetzung aus Kohlenhydraten, Proteinen und Fetten gewinnt Refood aus einer Gewichtstonne organischer Reststoffe bis zu 150 Kubikmeter Biogas, die im BHKW zu rund 350 Kilowattstunden (kWh) Strom umgewandelt werden. Mit der Energie aus 70 großen Speiserestebehältern deckt ein Durchschnittshaushalt seinen jährlichen Strombedarf (3 500 kWh) und spart damit rund 200 Tonnen CO2.

„Diese Energie schont fossile Ressourcen wie Steinkohle oder Erdgas und verhindert den Ausstoß von rund 173 000 Tonnen Treibhaus- gasen. Auch das Gärprodukt am Ende des Prozesses ist nachhaltig: Als hochwertiger Dünger DynAgro dient es der Landwirtschaft für die Produktion von neuen Lebensmitteln“, so der Unternehmenssprecher. Da in den ReFood-Biogasanlagen zudem Lebensmittelreste vergoren werden, schließt sich bei der Ausbringung auf die Felder der Nährstoffkreislauf, denn wichtige Nährstoffe werden dem Boden damit zurückgegeben. Dafür gab es auch schon das RAL-Gütezeichen der Bundesgütegemeinschaft Kompost. Das RAL-Gütezeichen kennzeichnet Produkte und Dienstleistungen, die Unternehmen nach hohen, genau festgelegten Qualitätskriterien herstellen oder anbieten.

Tanken per nachhaltiger Energie

Neben den Altspeisefetten, die Refood den Lebensmittelresten entzieht, werden auch die separat erfassten Speiseöle und Frittierfette als nachhaltiger Rohstoff an die Biodiesel-Industrie weitergegeben. Würde ein Mittelklassewagen mit reinem Biodiesel betankt, könnte er mit dem Kraftstoff aus einem Frittierfettbehälter rund 1000 km fahren. Refood betankt damit auch die eigene Fahrzeugflotte und trägt auf diese Weise dazu bei, dass Ressourcen geschont werden.