Leerstand

Nachmieter in Gommern gesucht

Gommern kämpft schon seit Jahren mit einem zunehmendem Leerstand von Gewerbeflächen in der Innenstadt. Dahinter stecken viele Gründe.

Von Thomas Schäfer 20.10.2020, 04:00

Gommern l Gommerns Bürgermeister Jens Hünerbein (parteilos) lässt nahezu keine Gelegenheit oder Veranstaltung aus, um darauf hinzuweisen, wie attraktiv und lebenswert Gommern ist. Natürlich hat der damit Recht. Gommern und seine Ortsteile haben alles, was man zum Leben braucht - Ärzte, Versorgung, Infrastruktur. Man kann auch attestieren, dass Stadt und Dörfer ausgesprochen „grün“ sind, gelegen in einer waldreichen Gegend, angrenzend an Fläming und Elbaue. Also alles gut? Nicht ganz.

Geht man offenen Auges durch Gommerns Innenstadt, kann man nicht übersehen, dass es ein Problem gibt: Sie scheint nach und nach auszusterben. Wo einst emsig Bäcker, Fotograf, Herrenausstatter, Reisebüro, Fahrradhändler und Co. ihre Waren und Dienstleistungen anboten, herrscht nun Leerstands-Tristesse. Allein ein Fußmarsch vom Platz des Friedens über die Martin-Schwantes-Straße hin zur Salzstraße Ecke Hagenstraße offenbart elf aufgegebene Gewerbeflächen und Ladenlokale.

Ist sich die Stadtverwaltung dieses Problems bewusst? Was tut sie oder kann sie tun, dem entgegenzuwirken? Die Volksstimme hat bei Bürgermeister Jens Hünerbein nachgefragt.

„Natürlich ist uns bewusst, dass wir im innerstädtischen Bereich erheblichen Leerstand haben. Das ist nicht schön, denn zu einer belebten Innenstadt gehört auch eine vernünftige Ladengeschäftsstruktur“, gesteht Jens Hünerbein ein.

Problematisch in Gommern, schätzt Jens Hünerbein ein, ist, dass es keine typisch gewachsene Flaniermeile oder eine Einkaufs- und Fußgängerzone rund um einen Marktplatz wie in größeren Städten gibt, wo sich Ladenlokale ansiedeln und auch über lange Zeit halten. Er weist auch darauf hin, dass es zwar auch in Gommern Tourismus gibt, jedoch nicht in der Größenordnung, dass die Gäste durch die Innenstadt flanieren und Geld in die Kassen der Händler spülen. Diese zwei Punkte allein machen es Gewerbetreibenden schon schwer, ausreichend hohe Umsätze zu generieren.

„Weiterhin kommt das im Laufe der Zeit erheblich veränderte Kaufverhalten hinzu“, sucht Hünerbein nach einer weiteren Erklärung. „Zum einen das Thema Kaufen im Internet, was eine ganze Menge Kaufkraft aufsaugt, die dann hier verlorengeht, zum anderen das Thema Shopping-Center auf der grünen Wiese, die die Innenstädte leer gezogen haben. Diese Probleme haben wir nicht allein. Nahezu allen Städten geht es ähnlich. Leider hatten wir auch coronabedingte Geschäftsaufgaben.“

Neben diesen Gründen für Geschäftsaufgaben kommt – wie in allen Branchen – die fehlende Nachfolge hinzu. Jens Hünerbein hat dazu ein aktuelles Beispiel parat: „Für uns sehr bedauerlich war, dass der Fahrradhändler Gommern verlassen hat. Es lag nicht daran, dass es ihm nicht gefallen hätte oder die Umsätze nicht stimmten. Er hatte die Chance, sich zu erweitern und ein anderes Geschäftsfeld zu erschließen. Er hätte den Laden in Gommern gern weiter offen gelassen, hat aber niemanden gefunden, der ihn weiter betreiben würde.“

Aber was unternimmt die Stadt, Händler zu unterstützen, neue anzusiedeln, Weggang zu verhindern? Wie sieht die Wirtschaftsförderung der Stadt aus?

„Leider ist das Thema Wirtschaftsförderung nicht so entwickelt, wie ich mir das gerne wünschen würde. Ich würde gern aktiver werden“, gesteht Jens Hünerbein. „Es fehlen schlicht und ergreifend die Personalkapazitäten. Einige kleinere Initiativen haben wir dennoch entwickelt. Wir sind in der Standortdatenbank bei der Investitions- und Marketinggesellschaft vertreten, sind in Gesprächen mit dem Technologie- und Gründerzentrum des Landkreises, um Ansiedlungsmöglichkeiten zu offerieren“, führt er aus.

Gedankenspiel: Wäre es denkbar, bei einer Neuansiedlung eine Zeit lang auf Gewerbesteuern zu verzichten, um den Start zu erleichtern? Oder könnte die Stadt für einen gewissen Zeitraum einen Teil der Miete übernehmen?

„Solche Zusagen kann ich nicht tätigen, weil es nicht in meiner Kompetenz liegt. Diese Entscheidung, auf Steuern zu verzichten, obliegt dem Stadtrat. Grundsätzlich kann man natürlich über alles reden, letztlich müsste es mit den entscheidenden Gremien abgestimmt und beschlossen werden. Thema Miete: Leider verfügen wir nicht über Millionen, um Geschäftsleute mit Subventionen anzulocken und für einen gewissen Zeitraum die Miete oder einen Teil davon zu übernehmen. Wir machen aber natürlich alles, was in unseren Möglichkeiten steht, um Ansiedlungen zu unterstützen. Bei der Ansiedlung der HNO-Ärztin in der Martin-Schwantes-Straße beispielsweise, wurde der Wunsch nach einem behindertengerechten Parkplatz an uns herangetragen. Das haben wir zügig umgesetzt. Ebenso besteht bei unseren eigenen Immobilien die Möglichkeit, für eine gewisse Zeit die Kaltmiete zu erlassen“, so Hünerbein.