Burg l „Entschuldigung“, sagt Martin Otto, als er zum Gespräch mit der Volksstimme erscheint – zwei Minuten zu spät. Kein Grund, es ihm übel zu nehmen. Sein Lächeln zeigt nicht nur, dass er das ebenfalls nicht so ganz ernst nimmt, sondern auch Vorfreude. „Am 6. März erscheint unsere neue Single“, erzählt er. Nachtigall wird sie heißen und Otto ist es wichtig, den Inhalt zu erklären. Auf dem Deutschlandfunk hat er ein Hörspiel verfolgt, das von der unglücklichen Liebe zwischen einer schwarzen und einer weißen Amsel handelt. Das Amselmännchen geht schließlich zur Nachtigall, sagt, dass er sie für ihre Familie bewundert. Doch die Nachtigall ist selbst unglücklich verliebt, in eine Rose. Sie hört nie ihr Lied, das nachts erklingt, wenn die Blume schläft. „Die Handlung hat mich total geflasht, daraus musste ich einen Song schreiben“, sagt Otto begeistert.

Kosmos ist nicht die erste musikalische Station des 47-Jährigen. Immerhin ist er seit 2013 dabei, durch einen Zufall. „Es war Ostern, ich hatte nichts zu tun und da rief mich José Alvarez an“, erinnert er sich. Alvarez gehört zu den Gründungsmitgliedern der Band Unheilig, hat unter anderem Peter Heppner und Wolfsheim produziert. Einer Band war der Sänger abgesprungen, ob Otto für ein Konzert den Ersatzmann geben könnte? Er sagte zu, lernte sieben Songs auswendig und stand eine Woche später auf der Bühne des Werk 2 in Leipzig. Und gehört seitdem dazu.

Helden hießen Erasure und Depeche Mode

Sein musikalischer Weg begann allerdings schon 1991. Mit Dirk Wellborn gründete er die Band Gregory‘s Return. „Dirk bemerkte, dass sich Kinder eigentlich nur mit Kriegsspielzeug beschäftigen, der Teddybär verschwunden ist“, erklärt Otto die Namensgebung. Wellborns Teddybär hieß Gregory und konnte nun mit dem Bandnamen seine Rückkehr feiern. Und die beiden Musiker feierten Erfolge, 1995 wurde Martin Otto der erste Burger mit einem Plattenvertrag. „Das war früher mein großer Wunsch, ich wollte so wie meine Helden Depeche Mode oder auch Erasure bei einer Plattenfirma sein“, erzählt er. Nun stand er unter Vertrag, bei BMG Hansa. Seit dieser Zeit kennt sich Otto in Hamburger Tonstudios aus. Viel gearbeitet hat er dort mit Alexander Kaiser von X-Perience (Neverending Dream). Gregory‘s Return wurde im Radio gespielt, landete in den Charts, war sogar bei Viva im Oktober 1996 Newcomer des Monats

Im neuen Jahrtausend rückte Otto vom Bandgedanken ab, konzentrierte sich auf Projekte und hatte wiederum Erfolg. Mit Eisleben stand er bei Polystar unter Vertrag, mit Heiland bei Warner. „Das war eine schöne Zeit, aber Heiland war auch mein letztes großes Projekt“, blickt er zurück. Er musste sich entscheiden, denn er war schließlich auch Musiklehrer an der Conrad-Tack-Berufsschule und beides ließ sich nicht so recht unter einen Hut bringen. Dann wurde er auch zum ersten Mal Vater, mittlerweile hat er drei Kinder. Am musikalischsten ist seine siebenjährige Tochter.

Auftritt am Burger Wasserturm

„Lehrer sein macht mir auch Spaß, keine Frage“, betont der gebürtige Burger, der mittlerweile in Dessau lebt. Zu seinen Schülern gehören angehende Erzieher, Sozialassistenten, Kinderpfleger. Dass er nebenbei Musiker ist, spielt in der Schule keine Rolle. Natürlich wissen die Schüler aber davon, so trat Martin Otto im vergangenen Jahr beim Treppenlauf der Berufsschule mit seinem aktuellen Song, „Das Leben ist schön“ auf.

„Manchmal habe ich nach einem Arbeitstag auch gar keine Lust auf Musik“, gibt er zu. Eine gute Idee für ein neues Lied, er textet und komponiert, kommt ihm dann manchmal, wenn er eine Unterrichtsstunde vorbereiten will. Er setzt sich aber nicht bewusst hin und kämpft um eine gute Idee. „Ich verschwende nicht mehr meine Zeit“, sagt er. Ein Herzinfarkt 2015 hat ihn endgültig zu dieser Lebensphilosophie gebracht. Tatsächlich hat er nach dem Heiland-Projekt auch erst einmal überhaupt keine Lust gehabt, weiter Musik zu machen.

Martin Otto will Soloalbum aufnehmen

Die Lustlosigkeit ist aber schon längst neuen Ideen und Plänen gewichen. So will Martin Otto zusammen mit Benito Battiston ein Soloalbum aufnehmen. Produzent Battiston hat unter anderem mit den Hot Banditoz (Veo Veo) zusammengearbeitet. Während die Kosmos-Werke als Downloads erscheinen, soll das Soloalbum aber als CD auf den Markt kommen. „Die werde ich mir dann auch kaufen“, meint Otto schmunzelnd. Einen CD-Player müsste er sich dann auch beschaffen. Wann das Soloprojekt fertig ist, steht noch nicht fest. Fest stehen hingegen die beiden nächsten Liveauftritte von Otto.

Am 6. Juni ist er beim Rock am Turm am Burger Wasserturm dabei. Am Wochenende zuvor steigt in Oschersleben der Schlager-Dome. Auf der Festivalbühne stehen dann unter anderem DJ Ötzi, Mickie Krause, Beatrice Egli und – Martin Otto. Und damit dürfte er der erste Burger sein – wieder einmal.