Ladeburg l Die Knie haben ihm geschlottert, als er am 2. Februar 1989 das Ladeburger Gemeindebüro betreten habe, erinnerte sich Manfred Marwitz an seinen Dienstantritt als Bürgermeister vor 30 Jahren. Er hatte ordentlich Respekt vor der Aufgabe und wusste, dass sein Amtsvorgänger Hans Schwarz große Fußspuren hinterlassen hatte. Von schlotternden Knien war bei Manfred Marwitz während des Neujahrsempfanges anlässlich seines Dienstjubiläums am Freitagabend in der Gaststätte „Zur alten Scheune“ in Ladeburg nichts zu merken. Unterhaltsam und sehr gut vorbereitet sorgte er dafür, dass der offizielle Teil den mehr als 40 Teilnehmern immer kurzweilig erschien.

Reichlich Arbeit steht an

„Wir haben dich groß gezogen!“, antworteten Irene Melle und Sigrid Baumgart, die früheren Mitarbeiterinnen im Gemeindebüro, auf Manfred Marwitz‘ Erinnerung an seinen ersten Arbeitstag. Sein letzter Arbeitstag als Ortsbürgermeister ist zwar Ende Juni auch nicht mehr fern, aber bis dahin will Manfred Marwitz weiter Gas geben, wie die Ladeburger das von ihm gewohnt sind. Mit dem Biwak der historischen Truppen Anfang April und den Kommunalwahlen Ende Mai liegt auch reichlich Arbeit an.

Danach steht der – altersbedingte – Umzug nach Zerbst an. „Aber“, kündigte Manfred Marwitz an und brachte den ganzen Saal zum Lachen, „meine Frau und ich, wir sind so oft in Ladeburg. Ihr merkt gar nicht, dass wir woanders wohnen.“

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Arbeit an der Ortschronik

Mit Rat und Tat will er über das Ende seiner Amtszeit in seinem Heimatort zur Verfügung stehen. „Ich bleibe immer ein Ladeburger.“ Und vielleicht, falls ihm in Zerbst dafür genügend Zeit bleibt, bringt er die Erinnerungen an seine lange Amtszeit auf Papier. Für die Ortschronik hat er die Zeitungsausschnitte zu Ladeburg aus den vergangenen 30 Jahren bereits zusammengestellt und an Verena Fischer, der stellvertretenden Ortsbürgermeisterin, überreicht.

Wenn der Umzugsstress vorbei ist, dann schicken die Ladeburger ihren (Ex-)Ortsbürgermeister und seine Frau Birgit noch einmal auf Reisen. Wie schon zum Abschluss der Dorferneuerung haben viele Einheimische zusammengelegt, damit sich das Paar am Reiseziel seiner Wünsche etwas erholen kann. Manfred Marwitz bedankte sich herzlich für die außergewöhnliche Anerkennung.

Persönlicher Dank

Erich Lorbeer und Täve Friedrich, seine Amtskollegen aus Leitzkau und Dannigkow, Werner Kaiser und seine Frau Lisa, die Ortswehrleiter, Pfarrerin Benita Arnold, Kita-Leiterin Nicole Milas und einige mehr: Bei vielen Weggefährten bedankte sich Manfred Marwitz persönlich. Die Wertschätzung der Ladeburger bedeute ihm sehr viel.

Wie es Bürgermeister Jens Hünerbein (parteilos) nicht anders kennt, richtete der Ladeburger Ortsbürgermeister klare Worte in Richtung Stadt. Viel Lob, aber auch Kritik. Warum fehlt das Ladeburger Wappen am Wappenbaum vor dem Gommeraner Rathaus? Unterhaltung von Friedhof und kommunale Straßenreinigung hätten vergangenes Jahr besser sein können. Bleibt der Radweg zwischen Ladeburg und Leitzkau ein Traum oder kriegt das der Bürgermeister in den Griff?

Radweg auf Prioritätenliste

Da es sich um eine Landesstraße handelt, muss das Land handeln. „Wenn wir alle 150 Jahre alt werden, erleben wir es noch“, sagte Jens Hünerbein. Auf der Prioritätenliste stehe der Radweg schon, nur eben nicht sehr weit oben. Und das abgefallene Wappen wieder am Wappenbaum anzubringen, sei schon in Arbeit.

Jens Hünerbein erinnerte, in welch komplizierter Zeit Manfred Marwitz sein Amt begonnen habe. Nach 1989 seien die Kommunen mit völlig neuen Herausforderungen konfrontiert worden, ob Erneuerung der Infrastruktur, der Verwaltungsstrukturen oder mit Problemen wie Abwanderung.

Infrastruktur

Weil es gelungen sei, so viele Fördermittel nach Ladeburg zu holen, sei die Infrastruktur (fast) fertig. Der Breitbandausbau erfolge in Kürze. 3,5 Millionen Fördermittel seien es gewesen, ergänzte Manfred Marwitz. Und merkte an, dass das Gebäude der Kindertagesstätte größer werden müsse. Darauf antwortete der Bürgermeister nicht. Er holte nur tief Luft.

Immer mit dem guten Ziel, etwas für Ladeburg zu erreichen, habe Manfred Marwitz gehandelt, hob Jens Hünerbein hervor. Manchmal zum Leidwesen anderer. „So geht es nicht, Herr Marwitz. So geht es nicht“, erinnerte er sich an eine Episode, als die Gemeinde noch (zwangsweise) zur Verwaltungsgemeinschaft Loburg gehörte. „Und ich bin doch losgefahren.“

Durschnittsalter 42,5 Jahre

Heute ist er stolz auf Ladeburg mit seinen Gewerbebetrieben, der Kita „Ladeburger Spatzen“, den verschiedenen Vereinen, der Dorfgemeinschaft und nicht zuletzt der Freiwilligen Feuerwehr. Er ist stolz, dass Ladeburg mit einem Durchschnittsalter von 42,5 Jahren neben Vehlitz zu den jüngsten Ortschaften der Einheitsgemeinde Gommern gehört. 273 Einwohner zählt Ladeburg aktuell, davon allein 33 Kinder unter zwölf Jahren.

„Du bis ein guter Freund und ein toller Bürgermeister“, wandte sich das langjährige Ratsmitglied Wilfried Golze an Manfred Marwitz. „Ich bin nur so stark wie die Bürgerschaft“, antwortete der Ortsbürgermeister.