Festival

Nicht nur Ulla Meinecke war am Burger Weinberg bärenstark

Mit dem Auftritt von Thees Uhlmann endete ein dreitägiges Festival. Zuvor waren am Burger Weinberg Ulla Meinecke und Mr. Mosquito and the Cashless aufgetreten.

Von Thomas Pusch
Mr. Mosquito and the Cashless bildeten mit Coverversionen unter anderem von Johnny Cash den Auftakt.
Mr. Mosquito and the Cashless bildeten mit Coverversionen unter anderem von Johnny Cash den Auftakt. Fotos: Thomas Pusch

Burg - Drei tolle Tage am Weinberg haben die Burger hinter sich. Zum krönenden Abschluss trat am Sonntagabend Thees Uhlmann auf. Der hatte auch den Vorverkauf am meisten aufgemischt. Doch auch seine Vorgänger konnten sich sehen und hören lassen.

Ulla Meinecke singt nicht einfach nur Lieder, Ulla Meinecke erzählt Geschichten. Diesem Image wurde die Wahlberlinerin auch am Sonnabend gerecht. „Ich bin zu alt für diese Bühne“, sang sie in einem ihrer Texte, doch dem stimmte wohl kein Zuschauer zu. Sie mag die 60 vor längerer Zeit überschritten haben, in die Jahre ist sie aber längst noch nicht gekommen. Lebenserfahrung teilte sie sehr gerne mit ihrem Publikum. „Es ist immer wichtig, eine gute Hausapotheke zu haben“, riet die gebürtige Hessin. Dabei dachte sie allerdings nicht an Pflaster oder Wundspray, sondern mehr an die richtigen Telefonnummern und eine große Tüte Antiverbitterungstee.

Und natürlich Musik, wie es von einer Sängerin zu erwarten ist. Sie empfahl Aretha Franklin. Sie zu hören, mache die Schultern gerade und stärke den Rücken, „das ist besser als jede Tablette“. Und sie hatte noch einen anderen Helden parat, den untröstlichen Meister des Trosts: Tom Waits. Von ihm interpretierte sie „Grapefruit Moon“. Nicht ganz so rau wie das Original, aber doch mit deutlich Reibeisen in der Stimme.

Als Halbelfjährige Tom Sawyer entdeckt

Dass das Prinzesschen nicht ihr Vorbild gewesen war, hatte sie dem Publikum schon vorher verraten. Als „Halbelfjährige“ habe sie die Geschichten von Tom Sawyer und Huckleberry Finn entdeckt, immer überlegt, wer sie sein wollte. „Aber nicht in einer Sekunde wollte ich Becky Thatcher sein“, stellte sie klar. Die habe immer Angst gehabt, das sei keine Inspiration für eine Halbelfjährige gewesen. Wohl aber für ein Lied, das sie später schrieb. Meinecke erzählt Geschichten, die wohl schon jeder erlebt hat: „Mein Arm schläft ein, ich bin noch wach. Dein Kopf wird mir jetzt schwer“. Und solche, die ganz bestimmt niemand erleben will: „Jetzt wirds mir in deinem Bett zu eng. Denn da sind du und ich und die Frau, an die du denkst“. Dabei kommt sie stets authentisch rüber, es scheint gerade so, als berichte sie aus ihrem eigenen Leben. Das war auch immer von politischem Engagement geprägt. Sie war in der Frankfurter Hausbesetzerszene aktiv, arbeitete für Udo Lindenberg als Sekretärin und Managerin, bevor ihr 1983 mit ihrem fünften Album der Durchbruch gelang.

Eines der engagierten Lieder ist „Bär“. Der sei ihr Lieblingstier, vielleicht, weil ihr Name daherkomme. „Ursula“ heißt auf Latein „Bärin“. „Es ist aber ein Lied für alle Tiere, die nicht da sind, wo sie sein sollten“, sagte sie. Eben nicht nur für den Bären, der im Zirkus für Mätzchen missbraucht wird und komische Namen bekommt, sondern auch für die Hunde, die wegen Corona aus dem Tierheim geholt worden sind und nun nicht mehr geliebt werden.

Johnny-Cash-Song als Geburtstagsständchen

Am leidenschaftlichsten aber interpretierte die Sängerin, wenn es um die Zweierbeziehung und deren Irrungen und Wirrungen ging. So brachte sie eine eindringliche Version von Charles Aznavours „Du lässt dich geh'n“ an den Weinberg, „dein Geschwätz so leer und dumm, ich habe Angst, das bringt mich um“, und bewies damit Geschlechtergerechtigkeit. Überzeugen konnte sie auch mit Stücken aus der eigenen Feder, manchmal haben aber Coverversionen einen ganz besonderen Pfiff. So wurde aus Simon and Garfunkels „50 Ways to leave your Lover“ das witzige „50 Tipps ihn zu verlassen“. Der Song stammt von dem Album „Wenn schon nicht für immer dann wenigstens für ewig“. Ein Titel, der alles über Ulla Meineckes Humor verrät.

Den Anfang hatten am Freitagabend Mr. Mosquito and the Cashless gemacht. Ursprünglich sollte die Band nur ein Projekt für ein Festival sein, doch die Zustimmung war so groß, dass sie weitermachten. So konnten sie auch den Weinbergsommer bereichern. Ihr Auftritt wurde mit kleinen Anekdoten angereichert, etwa mit der Erinnerung an die erste Schülerband, „als Getränkeholer“. Ihr Repertoire sind Coversongs, unter anderem von Johnny Cash. Dessen „Ring of Fire“ wurde sogar zum Geburtstagslied für die kleine Hanna.