Magdeburgerforth/Burg l Michael Liebing hat seine Leidenschaften zum Beruf gemacht. Obwohl er eigentlich schon Rentner ist, betreibt er in der Schartauer Staße in Burg ein Geschäft für Lederwaren und außergewöhnliche Lebensmittel. Zudem gibt es auch selbstgebaute Bögen. „Geschichte hat mich schon immer interessiert, und hier in meinem Laden kann ich den Kunden nicht nur nachhaltige Waren, sondern auch die Geschichte der Slawen näher bringen“, erklärt er. In den vergangenen Wochen musste er beobachten, wie viele andere Geschäftsinhaber in der Schartauer Straße wegen der aktuellen Corona-Bestimmungen ihre Läden schließen mussten. Auch wenn er seinen Laden weiter geöffnet halten kann, gehen die Maßnahmen nicht spurlos an ihm vorbei. Deutlich weniger Kunden gehen in Burgs Einkaufsstraße shoppen, und an manchen Tagen treten nur sehr wenige Kunden über die Schwelle des Ladens. „Meine Umsatzzahlen sind durch Corona schon ziemlich eingebrochen.“ Auch geplante Kurse, in denen Teilnehmer selber Bögen bauen können, stehen derzeit in den Sternen.

Doch Michael Liebing will sich davon nicht unterkriegen lassen. Da ihm momentan einige Einnahmen fehlen, sucht er Wege, wie er selbst etwas einsparen kann. Dabei kam ihm in den Sinn, dass diese Einsparungen im Bereich der Mobilität möglich sein könnten. „Ich fahre normalerweise die Strecke von Magdeburgerforth nach Burg und zurück mit dem Auto, das sind pro Tag also 50 Kilometer. Das mache ich fünf Mal in der Woche. Im Monat kommen da schon rund 1000 Kilometer nur für die Wege zu meinem Geschäft zusammen. Das kostet natürlich Benzin und auch den Verschleiß des Wagens muss man mit berechnen“, erläutert er. Sein Wagen ist zudem nicht mehr der neueste und wird aufgrund des Alters auch störanfälliger. Deswegen beschloss er, dass er diese Strecke nun mit dem Fahrrad bewältigen möchte. Liebling ist schon seit Jahren begeisterter Radfahrer. „Und nun wollte ich mal schauen, ob ich die Willenskraft und die Ausdauer habe, regelmäßig diese längere Strecke zu bewältigen, egal welche Wetterbedingungen herrschen.“ Das Feedback aus dem eigenen Umfeld für diese Idee fiel zunächst aber etwas verhalten aus. „Die anderen Ladenbesitzer hier haben mich schon ziemlich schief angesehen, als ich ihnen davon erzählt habe. Und auch in meiner Familie seufzten manche, was der verrückte Opa denn jetzt schon wieder für eine komische Idee hat“, erinnert er sich amüsiert. Michael Liebing hielt seine Idee allerdings für eine gute und schwingt sich seit rund zwei Wochen täglich für rund 50 Kilometer auf sein Fahrrad. „Somit verschaffe ich mir auch Bewegung, denn wegen der Corona-Maßnahmen kann ich auch nicht wie üblich zum Sport gehen.“

Eine Stunde für eine Strecke

Eine Fahrt dauert normalerweise eine Stunde, falls es windiger ist, manchmal auch etwas mehr. „Das ist schon deutlich mehr Zeit, als wenn ich mit dem Auto fahren würde, aber Zeitmangel oder Termindruck habe ich eigentlich nicht.“ Und seinem Körper tut die regelmäßige Bewegung auch gut. „Dann merkt man auch, was uns die Evolution an Möglichkeiten mitgegeben hat, was Bewegung angeht.“

Bei seinem Fahrrad handelt es sich um ein E-Bike, das das Radeln nicht ganz so mühsam macht. Allerdings stößt der kleine Elektroantrieb auch bei manchen Strecken an seine Grenzen. „An einem Tag hatte ich ziemlich starken Gegenwind und zusätzliches Gewicht, weil ich einen ganzen Rucksack voller Brote für meinen Laden auf dem Rücken hatte. Da war der Akku dann schon ziemlich schnell leer, und ich musste selber ganz schön in die Pedale treten. Da habe ich bei der Fahrt bestimmt 3000 Kalorien verbraucht.“ Gerade Wind und Wetter sind in der kühlen, dunklen Jahreszeit eine ziemliche Herausforderung. „Ich habe mich natürlich warm angezogen, aber anstrengend ist es schon. Zumal es auch nicht auf der kompletten Strecke, die ich fahre, Radwege gibt. Dann muss ich zusätzlich auf die Autos achten“, berichtet er. Dennoch hat er auch schon mehrere schöne Erlebnisse verzeichnet. „Ich nehme die Natur natürlich ganz anders wahr, als wenn ich mit dem Auto fahre. Das Erlebnis ist viel intensiver, und ich habe auch des Öfteren das Glück, dass ich beim Fahren Wildtiere beobachten kann.“