Burg/Genthin l Ein Altenpflegeheim bedeutet immer eine neue Umgebung. Dass man seinen Wohnbereich mit einem fremden Menschen teilen muss, ist nicht jedem Senior behaglich. Das Landesverwaltungsamt will, dass in diesem Jahr eine Verordnung beschlossen wird, die eine Quote von 80 Prozent Einzelzimmern in Seniorenheimen vorsieht. Diese Initiative der Heimaufsicht, die zu der Behörde gehört, hat ein positives Echo ausgelöst.

Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung Sachsen-Anhalt hält sich beim Thema Einzelzimmer zurück. „Inwieweit Einzelzimmer von den Pflegebedürftigen selbst oder eher von den Angehörigen gewünscht, kann unsererseits nicht beurteilt werden“, beantwortete Sprecherin Karolin Schubert eine Anfrage der Volksstimme. Wünsche und Bedürfnisse würden von jedem Einzelnen abhängen, Entscheidungen nicht zuletzt abhängig von der persönlichen Situation getroffen. Dass Drei- und Vier-Bett-Zimmer der Vergangenheit angehören, wird positiv bewertet. „Es handelt sich hier um die ,Wohnung‘ das ,Zuhause‘ der zu Betreuenden und nicht nur um einen vorübergehenden Krankenhausaufenthalt. Somit sollte das Umfeld doch ein Stück Privatsphäre verkörpern“, so die MDK-Sprecherin.

Seniorenvertretung für Einzelzimmer

Dafür plädiert auch Karl-Heinz Koszior, Vorsitzender der Kreisseniorenvertretung. „Jeder sollte eine Umgebung für sich haben“, sagte er im Gespräch mit der Volksstimme. In vielen Heimen sei das auch schon so. Gespannt ist der Genthiner, was die Johanniter auf dem ehemaligen Krankenhausgelände bauen wollen, dort sollen auch überwiegend Einzelzimmer eingerichtet werden. Für den März hat Krankenhausdirektor Thomas Krössin eine Informationsveranstaltung angekündigt.

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In der Tat gibt es zahlreiche Altenheime im Jerichower Land, die bereits heute die angestrebte Quote erfüllen. So sind von 61 Zimmern im Burger Pro-civitate-Heim an der Bethanienstraße 52 Einzelzimmer. Das entspricht einer Quote von 85 Prozent. Im DRK-Seniorenzentrum „Gottfried Pieschel“ liegt die Quote hingegen bei knapp einem Drittel. Durchweg Einzelzimmer gibt es beispielsweise im Kollmeier-Seniorendomizil Biederitz und im Genthiner Seniorenzentrum „Georg Stilke“ unter Trägerschaft der Volkssolidarität. Dessen Leiterin Britta Möbes sieht dafür auch einen guten Grund. „Jeder Mensch braucht seine Privatsphäre“, betonte sie im Gespräch mit der Volksstimme. Das gehe nur im Einzelzimmer und das gelte für Jung und Alt gleichermaßen. Sie selbst wolle beispielsweise bei eine Seminar auch nicht mit einem Fremden das Hotelzimmer teilen. Durchaus möge es auch ältere Menschen geben, die sich mit einem Doppelzimmer einverstanden erklären, aber das fordere immer auch Kompromisse. „Beide haben einen Fernseher. Was wird denn auf welchem gesehen, oder noch einfacher – Fenster auf oder Fenster zu?“, nannte sie nur zwei Beispiele.