Burg l Braucht Burg überhaupt einen Klimaschutzmanager? „Ja“, sagt Bürgermeister Jörg Rehbaum (SPD). Schon deshalb, weil sich die Kreisstadt mit dem Klimaschutzkonzept aus dem Jahr 2018 einen ehrgeizigen Handlungsrahmen gesetzt hat „und weil Klimaschutz auch ganz unten bei den Städten und Gemeinden anfängt“.

Dass es sich lohnt, bei den Kommunen Akzente zu setzen, beweist das erwähnte Konzept. Dort steht nämlich schwarz auf weiß geschrieben: „Durch den Energieverbrauch der privaten Haushalte, der Wirtschaft und durch den Verkehr trägt die Stadt mit 401 726 Tonnen Kohlendioxid im Jahr 2015 zum globalen Klimawandel bei. Das sind pro Einwohner über 17 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr.“ Zwar ist der Anteil der erneuerbaren Energien in den zurückliegenden Jahren leicht gestiegen – Potenziale, die schädlichen Emissionen auch in einer mittelgroßen Stadt wie Burg zu senken, gebe es reichlich. Und: Immer mehr öffentliche Investitionen würden schon bei den Planungen und Ausschreibungen auf ihre Energieeffizienz abgeklopft. „Aus diesem Grund wollen wir uns dieser Tatsache auch fachlich stellen. Außerdem sind die Beschaffungen von Geräten oder Verbrauchsmaterialien mehr denn je unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit zu treffen“, begründet Rehbaum.

Jede Kommune kann etwas leisten

Federführend wird nun Michel Ghattas diese vielfältigen Querschnittsaufgaben übernehmen. Der junge Mann mit einem Masterabschluss für nachhaltige Unternehmensführung hat in Marburg, Kairo und Ulm studiert und sich zugleich spezialisiert. Sein Credo: „Jede Kommune kann ihren Beitrag leisten, um die bundesweiten Klimaschutzziele zu erreichen – nämlich die Senkung der Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2050 um bis 95 Prozent.“ Das könne nur erreicht werden, wenn neben der Wirtschaft auch die Kommunen mit gutem Beispiel vorangehen. Der Beitrag von Burg ist hierbei im Klimaschutzkonzept festgeschrieben: konkret die Minderung der schadhaften Ausstöße um mindestens 30 Prozent. Dies sei durch vielfältige Möglichkeiten machbar. Sei es durch umfassende energetische Sanierungen, wie sie beispielsweise in Kitas oder Schulen derzeit umgesetzt werden, oder durch die Nutzung der Solarwärme für Gebäudeheizungen und Strom aus erneuerbaren Quellen. Weil es dafür auch verschiedenste Fördertöpfe und Unterstützungen gebe, könnten Projekt in Zukunft noch detaillierter angepeilt werden – mit Hilfe des Klimaschutzmanagers, so Rehbaum. „Und letztlich geht es auch darum, dass wir die Ziele unseres Klimaschutzkonzeptes nach und nach abarbeiten und das Papier weiterentwickeln.“ Das beinhaltet genau genommen 50 Punkte. Die sollen in drei Themenfelder eingebettet werden: Im kommunalen Gebäudemanagement der Stadt mit den fast 60 Liegenschaften, in der öffentlichen Verkehrsplanung mit Elektro-Mobilität, Car-Sharing, einem kundenfreundlicheren Öffentlichen Personennahverkehr, mehr Möglichkeiten zum Radfahren und in einer breiten Öffentlichkeitsarbeit auch für ganz private Vorhaben und Fragen. Gleichzeitig sehe sich die Stadt auch als Industriestandort in der Pflicht, bei Fragen des Klimaschutzes mit den Unternehmen zusammenzuarbeiten und neue Impulse zu setzen.

Michel Ghattas hat sich darauf inhaltlich eingestellt, in den ersten Wochen aber erst einmal die Stadt, die Mitarbeiter der Verwaltung und den einen oder anderen Entscheidungsträger kennengelernt und Gespräche geführt. „Burg ist eine interessante Stadt, in der sich in den vergangenen Jahren viel getan hat. Das merkt man.“ Er freut sich darauf, nicht nur Ansprechpartner innerhalb der Verwaltung zu sein, sondern ab sofort auch „für alle Bürger, die mit einem Anliegen zum Komplex Klimaschutz und Nachhaltigkeit zu mir kommen“. Denn auch im privaten Bereich gebe es ein großes Potenzial, das weiter ausgebaut werden müsse. Und wenn die Stadt als Vorbild vorangehe, „ist schon ein großer Schritt getan“.

Fahrrad-Klima-Test ist erstes Projekt

Für ein erstes Projekt wirbt Ghattas bereits intensiv: Der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) hat einen Fahrrad-Klima-Test zu den Radwegen im Stadtgebiet gestartet. Der entsprechende Fragebogen kann über die Homepage (www.fahrradklima-test.adfc.de) ausgefüllt werden und soll dazu beitragen, die Situation des Radverkehrs zu verbessern. „Je mehr Burger sich daran beteiligen, um so besser.“