Burg l Das Brigitte-Reimann-Porträt ist fertig! Mitarbeiter der Potsdamer Firma „Art-efx“ sprühten am Freitag die letzten fehlenden Farbtupfer an den freiliegenden Giebel des Hauses in der Bahnhofstraße. Passanten, ob zu Fuß oder mit einem Gefährt, ob müßig oder in Eile, sehen schon von Weitem das Bild der Burger Schriftstellerin.

Geburtshaus abgerissen

Das große Konterfei der Reimann, eine der wichtigsten Schriftstellerinnen der DDR, ist nur das Trostpflaster auf der Wunde: Am 13. April 2017 wurde das Geburtshaus der Reimann abgerissen, der Landkreis hielt es aufgrund des schlechten Gebäudeszustandes für nicht mehr stabilisierbar. Es war eine Art Kollateralschaden. Denn ursprünglich sollte nur das baufällige Nachbargebäude abgerissen werden.

Die Einschätzung war damals nicht unumstritten. Einige Stadträte und auch Vertreter der Brigitte-Reimann-Gesellschaft sahen durchaus die Chance für eine Notsicherung. 100.000 Euro hätte die nach Meinung von Stadtrat Dominik Patté gekostet. Geld, das der Kreis nicht ausgeben wollte.

Bilder

Jetzt nun das überlebensgroße Bild der Reimann an der Hauswand. Hendrik Uterwedde, Projektleiter für das Reimann-Porträt, bringt es auf den Punkt. „Es war ein Prozess“, so Uterwedde, „Die Stadt trat mit der Frage an uns heran, ob wir die Fassade gestalten könnten.“ Das vierköpfige Kreativ-Ensemble um Uterwegge machte sich an die Arbeit, legte mehrere Entwürfe vor: „Der ist es letztendlich geworden.“

Bekannter Künstler

Unbekannt sind die Farbenkünstler von Art-Efx den Burgern nicht. „Wir haben schon öfter Fassaden oder Stromhäuschen verschönert, so etwas die Mauern am Umspannwerk.“ Der gelernte Landschaftsgärtner scharte ein Trupp von Spezialisten um sich: Er selbst malt und gestaltet viel mit natürlichen Werkstoffen, sein Mitstreiter Daniel Siering ist „mehr der Fachmann zum Verbinden von Schönheit und Funktionalität“, und der Dritte im Bunde, Markus Ronge, brachte seine Erfahrungen beim Bemalen von großen Wandflächen ein.

Nach dem Abriss des Reimann-Hauses schien auch das Wandgemälde zunächst unter keinem guten Stern zu stehen. Eigentlich sollte es bereits zur Eröffnung der Landesgartenschau fertig sein und die auswärtigen, auch an Kultur interessierten Besucher, für Burg und seine berühmte Tochter zu begeistern.

Die Stadt wollte sich von ihrer schönsten Seite zeigen. Fördermittel sollten dabei helfen. Der Entwurf lag bereits in der Schublade, der Künstler stand in den Startlöchern. Einzig die Giebelwand stand weiter schmucklos und mit Spuren den umstrittenen Abrisses da. Weder im ersten, noch im zweiten Anlauf waren die Ausschreibungen für das Projekt erfolgreich. Keine Vergabe bei beiden. Woran es lag? Auf eindeutige Gründe wollte sich Burgs Bürgermeister Jörg Rehbaum (SPD) damals nicht festlegen, weil bereits eine dritte Ausschreibung vorbereitet wurde. Das Verfahren sollte nicht gefährdet werden.

Nach mehreren Anläufen hat Burg nun eine sichtbare Erinnerung an Brigitte Reimann. Nachdem die Stadt mit ihrer unkonventionellen Tochter lange gefremdelt hatte, soll in den kommenden Jahren verstärkt mit der Autorin des Romans „Franziska Linkerhand“ für die Stadt und ihre kulturellen Leuchttürme geworben werden.