Burg/Genthin/Gommern l „... und Italienisch möchte ich auch noch lernen“, sprudelt es aus Justin Ihleburg heraus. Die junge Burgerin, gerade 19 geworden, sprüht vor Elan. „Der Weg über das Fachgymnasium hat mir richtig gut getan“, berichtet sie. Sie ist vom Gymnasium hierher gewechselt. Dort war sie nicht recht weitergekommen. Um ihre Ziele zu erreichen, änderte sie den Weg: Fachgymnasium - im Profil Gesundheit/Soziales.

„Ich gehe nach Halle, will den Bachelor in Interkulturelle Amerika- und Europastudien angehen“, schaut Justin Ihleburg nach vor. Das ist schon bald. Die letzten Prüfungen noch - und dann.

Das große Plus

Das erste Jahr habe ihr gut getan, sagt Justin. Viel sei darauf geachtet worden, dass in dieser Zeit alle in der Klasse auf das gleiche Niveau gekommen seien. Danach fiel das leistungsbezogene Lernen viel leichter. „Ich bin hier reifer geworden.“ Das empfindet sie als großes Plus.

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Marvin Böhme kann das bestätigen. Der 18-Jährige stammt aus Kleinapenburg, einem kleinen Dorf bei Salzwedel. In Stendal, wo er sich zunächst beworben hatte, war er nicht zum Zuge gekommen. „Der Andrang war so groß. Man hat mir Burg empfohlen. Ich bin deshalb extra hierher gezogen und habe es nicht bereut.“ Wenn Marvin wie Justin demnächst seine Prüfungen gemeistert haben wird, will er auch nach Halle zum Studium gehen. „Agrarwissenschaft soll es werden. Ich freue mich drauf.“

In der 12. Klasse lernen Marc Jochum (19) aus Gommern und Erik Tautenhahn (17) aus Genthin. Beide wollen ihr Abitur über das Profil Gesundheit/Sozialen „bauen“.

Etwas mit Menschen

„Man muss sicher viel machen, aber es lohnt sich“ sagt Erik Tautenhahn. „Die Lehrer kennen dich nicht. Sie behandeln jeden gleich. Das fand und finde ich gut.“ Wohin seine Reise geht? „Vielleicht Lehramt, aber auf jeden Fall etwas mit Kindern.“

Mit Menschen will auch Marc Jochum später im Beruf zu tun haben. Ob es Lehramt oder Psychologie wird - dafür lässt sich Marc Zeit. Den etwas längeren Weg übers Fachgymnasium zum Abitur findet er für sich goldrichtig. Dafür nimmt er auch in Kauf, dass er mit dem Bus von Gommern zur Schule nach Burg schon um die 50 Minuten unterwegs ist.

Mehr Zeit fürs Abitur haben, darin sieht Dagmar Sinde einen großen Vorteil. Zusammen mit Dr. Gabriela Stein leitet sie das Fachgymnasium. „Das Abitur ist gleichviel wert wie von allgemeinen Gymnasien. Zugleich erhalten die Schüler berufsorientierte Fachkenntnisse“, erläutert sie Eltern, die sich am Sonnabend mit ihren Kindern informieren wollen. Am Fachgymnasium lernen aktuell 145 Schülern in den Fachrichtungen Wirtschaft, Gesundheit und Soziales sowie Technik.

Grundstock bekommen

Gerade diese Berufsorientierung sieht Fachlehrerin Jenny Lützow als sehr wichtig an. „Wenn Schüler das Profil Gesundheit/Soziales wählen, können sie in Schulform den medizinischen Grundstock bekommen. Das wäre fast das 1. Studienjahr.“ Außerdem findet sie: „Diese drei Jahre zum Abitur sind ein großer Vorteil. Nicht jeder Schüler bringt das mit, was er benötigt. Wir führen sie an das Niveau heran.“

Der aktuelle Notendurchschnitt im Abitur am Fachgymnasium in Burg beträgt 2,44. Landesweit liegt er über alle Gymnasien bei 2,30. „Ich denke, wir können uns sehen lassen“, sagt Dagmar Sinde.  „Die Ergebnisse zeigen, dass unsere Abiturienten ihre Sache richtig gut machen. Wir helfen ihnen, indem wir sie gut vorbereiten.“ Wichtig sei dabei, dass die Schüler kontinuierlich lernen. „In jedem Kurs viele Punkte zu sammeln ist wichtig. Als Puffer für Fächer, die einem vielleicht nicht so liegen, und für einen guten Abschluss.“

Dagmar Sinde verweist darauf, dass die Schule viel für die Persönlichkeitsentwicklung tue. Dazu gehören Fahrten nach Brüssel, Skilager, Volleyballturniere oder der Treppenlauf. Mit der Weihnachtsspendengala engagierten sich speziell die 12. Klassen für gemeinnützige Zwecke.

Duale Ausbildung

Spannend ist auch der Bereich Fachoberschule. Wer mit dem Realschulabschluss an die „Tack“ kommt, kann hier in zwei Jahren seine Fachhochschulreife erlangen, informierte Berufsschulkoordinatorin Dr. Gabriela Stein. Wer schon einen Beruf in der Tasche hat, kann die Fachoberschule in einem Jahr absolvieren.

Das hat damit zu tun, dass die Fachoberschule sehr stark auf eine Verquickung von Lernen und praktischem Bezug in die Wirtschaft ausgerichtet ist. Es ist defacto eine duale Ausbildung. Zum ersten der beiden Jahre gehören 800 Stunden Praktikum in einem Betrieb, erläutert Dr. Stein. Unterm Strich heißt das: drei Tage in der Woche im Betrieb sein, zwei an der Schule.

Insgesamt lernen aktuell an der Fachoberschule über 100 Mädchen und Jungen für ihre weitere Zukunft. Es gibt Wirtschaft, Technik/Informatik, Gesundheit/Soziales. Letzteres ist Schwerpunkt in Burg. „Aber wir würden gern auch wieder im Technik-Bereich ausbilden“, räumt die Schulkoordinatorin ein. Obwohl die Wirtschaft brummt, nach Technikern und Ingenieuren nachfragt, sieht es mit Bewerbungen für Technik eher mager aus.

Am 17. März endet die Bewerbungsfrist für Fachgymnasium und Fachoberschule an den Berufsbildenden Schulen Jerichower Land „Conrad Tack“ in Burg. Mehr dazu unter www.bbs-burg.de