Magdeburg/Gommern l Komisch, fast gruselig, aber letztlich doch sehr, sehr cool: So empfanden es die Sekundarschüler, sich selbst auf der großen Kinoleinwand im Moritzhof zu sehen. Ihr Kurzfilm „Anna“ feierte am frühen Abend des 18. August Premiere. Gemeinsam mit Eltern, Lehrern und Theater- und Kinofans sahen sich die Jugendlichen den knapp 16-minütigen Film an, der Anfang Juli in und um Gommern gedreht wurde.

Schauspieler Oliver Ewy ist seit vier Jahren regelmäßig zu Projekten an der Ganztagssekundarschule „Fritz Heicke“ zu Gast. Viel mehr Schüler als Rollen zu verteilen waren, hatten sich zu den Dreharbeiten angemeldet.

Wassserburg als Drehort

Bei ihrem „konspirativen“ Abendessen im Vorfeld der Projekttage an der Sekundarschule hatten Lehrerin Annett Koczak und Oliver Ewy überlegt, welches Thema im Film behandelt werden sollte. Einig waren sie sich, dass die Wasserburg ein guter Drehort wäre und sich ein historischer Stoff anbieten würde.

Dann schickte Anna Eve ihnen sozusagen ein Zeichen. Gerade am Abend der Vorbesprechung veröffentlichte die Sächsische Zeitung einen Bericht über die letzte Hexenverfolgung in Gommern. Oliver Ewy fand den Beitrag im Internet, und damit stand die Filmhandlung fest. Dass Anna eigentlich Vehlitzerin war und nicht in der Manheimer Straße in Gommern lebte, gehörte zu den künstlerischen Freiheiten, die sich das Drehteam nahm.

Moritzhof passende Kulisse

Weil so viele Familien aus Gommern und Umgebung, teils spontan und zu vorgerückter Stunde, die Dreharbeiten unterstützten, sollte die Premiere des Filmes etwas größer ausfallen als eine Vorführung in der Aula der Sekundarschule. Das Kino im Moritzhof bot die passende Kulisse. „Die Betreiber haben sofort zugesagt“, sagte Oliver Ewy. Er war bis Sonntagabend der Einzige gewesen, der den Film schon gesehen hatte. Für alle anderen war es die Premiere.

Die Dreharbeiten gelten bei Oliver Ewy wie bei den Schülern und Annett Koczak längst als „legendär“. Für ihr Vorhaben war ein Drehtag eigentlich zu kurz, aber alle Beteiligten machten alles möglich. Der Wachschutz drückte ein Auge zu, als nachts noch in der Schule gedreht wurde. Die Eltern hatten Verständnis, dass ihre Kinder lange nach Bettgehzeit erst nach Hause kamen. In Annett Koczaks Kleinwagen wurden nach allem anderen auch noch ein Strohballen für den Transport zum Drehort gestopft, und Michelle und Samantha hielten 16 Aufnahmen mit Mehlwürmern auf ihren Oberkörpern aus.

Anhaltender Beifall

„Bevor eine Szene nicht perfekt ist, ist Oli nicht zufrieden“, berichtete Annett Koczak nach der Premiere. Mit anhaltendem Beifall war der Kurzfilm vom Publikum aufgenommen worden. Den Wechsel zwischen Gommern 1660 und der Gegenwart machte der Wechsel zwischen schwarz-weiß und Farbfilm deutlich.

DVD in limitierter Auflage mit Bonustitel

Zur Handlung: Anna wusch Wäsche in der Ehle, zwei Mädchen rannten beim Spielen über die zum Bleichen ausgelegten Tücher. Anna beschwerte sich wütend bei deren Mutter. Später sind die Kinder tot und Anna wird dafür verantwortlich gemacht. Sie hätte sie verhext. Anna endete im Film auf dem Scheiterhaufen.

Eng bemessener Terminplan

„Ein Urteil lässt sich widerlegen, aber niemals ein Vorurteil.“ Die zentrale Aussage des Filmes hatte das Team als Graffito an die für Sprayereien freigegebene Wand am Kulk gesprüht. Und weil im eng bemessenen Terminplan dafür eigentlich keine Zeit gewesen war, hatten sie ihren Drehtag noch mehr verlängert und morgens um 5 Uhr gesprayt. „Und den ganzen Tag gehofft, dass niemand drüber sprüht“, blickte Annett Koczak zurück.

„Anna“ erscheint in limitierter Auflage von 50 Stück als DVD. Als Bonus sind lustige Szenen von den Dreharbeiten mit dabei.

Mit dem Eintritt und den Spenden am Büfett nach der Premiere unterstützten die Gäste das nächste Vorhaben der Projektgruppe. Zum Ende des Schuljahres 2019/20 im nächsten Sommer wird Oliver Ewy mit großer Wahrscheinlichkeit an die Ganztagssekundarschule zurückkehren. Ein neuer Film soll entstehen. Statt Huhn vielleicht sogar mit einem Pferd. Einen Drehtag mehr soll es auch geben.