Brettin l Manja überlegt kurz. „Einen Bürojob.“ Ines Blachney lacht kurz und fragt dann: „Aber letztes Mal hattest du noch etwas anderes gesagt.“ Manja denkt nach. „Ja, in einem Asylheim.“ Dort würde die 15-Jährige auch gerne arbeiten. Denn den Alltag in den Ersteinrichtungen kennt Manja genau. Sie kam vor knapp 1,5 Jahren aus Tschetschenien nach Deutschland.

Dass sie erst seit ihrer Ankunft in Deutschland die Sprache erlernt hat? Das fällt kaum auf. Auch darum kümmert sich Ines Blachney. Sie ist Schulsozialarbeiterin an der Sekundarschule Brettin. „Wenn die anderen Kinder beispielsweise Englischunterricht haben, dann kümmere ich mich um unsere fünf ‚Migrantenkinder‘, so die Pädagogin.

Hilfe bei Hausaufgaben

Und zu diesen Kindern gehört auch Rawand. Der 16-Jährige geht in die neunte Klasse der Sekundarschule. Wenn alles klappt und er diese Klasse abschließt, hat er einen ersten allgemeinen Schulabschluss erreicht. Sein Lieblingsfach? Mathe.

„Für die Kinder sind besonders die Fächer wie Deutsch und Geschichte sehr anspruchsvoll“, erklärt Ines Blachney. Eine Aufgabenstellung erst einmal zu lesen und dann noch wissen, was anschließend zu tun ist, sei nicht immer einfach. „So etwas besprechen wir dann zusammen nach“, so Blachney.

Freunde finden

Die 32-Jährige hilft den Jugendlichen aber nicht nur bei den Hausaufgaben, sondern auch fernab von lesen, schreiben, rechnen. Manja und Rawand wurden vom Großteil der neuen Mitschüler freundlich aufgenommen, haben Freunde gefunden. Und bei kleineren Problemen haben sie sich an Ines Blachney gewandt.

„Es gibt Schüler mit Vorurteilen“, erklärt die Schulsozialarbeiterin. Ihre Strategie: Die Vorurteile mit logischen Fakten entkräften, in einem direkten, offenen Gespräch. „Da sind die meisten Kinder dann überrascht“, weiß die 32-Jährige. Größere Probleme habe es mit Rassismus an der Sekundarschule Brettin nicht gegeben.

Blachney selbst betreut seit 2009 die aktuell 230 Schüler an der Sekundarschule. „Ich kann in der Schule viele Kinder erreichen, die ich sonst nicht erreichen würde“, erklärt die junge Frau.

Schüler motivieren

Die Zusammenarbeit zwischen Schulsozialarbeit und Schule klappt besonders mit Blick auf die Migrantenkinder sehr gut. Bei Aufgaben wie einem Lesetagebuch hat Manja statt „Die Welle“ ein einfacheres Buch aus der Reihe „Die Drei Fragzeichen“ bekommen. Die Schülerin ist motiviert, die Schule mache ihr viel Spaß. Und das lohnt sich: „Ich habe für das Lesetagebuch eine Eins bekommen.“