Burg l In Sachsen-Anhalt und somit auch in Burg gilt nun eine Maskenpflicht. Wer ein Geschäft oder ein Fahrzeug des öffentlichen Nahverkehrs betritt, muss Mund und Nase bedecken. Dazu kann man beispielsweise eine in der Apotheke gekaufte Maske verwenden, aber auch ein selbst genähter Mund-Nasen-Schutz oder ein Tuch sind möglich.

Die Volksstimme sah sich in Burg um, um herauszufinden, wie die Menschen in der Stadt sich mit der Maskenpflicht arrangiert haben.

Alle Kunden im Supermarkt mit Mundschutz

Die erste Station ist ein Supermarkt. Dort tragen ausnahmslos alle Kunden einen Mund-Nasen-Schutz. Da es noch früher Vormittag ist, ist es recht leer in dem Geschäft und den Kunden scheint es auch leicht zu fallen, den Mindestabstand einzuhalten.

„Mein Mann passt gerade auf die Kinder auf, damit ich in Ruhe einkaufen kann. Es steht ja auch ein langes Wochenende an, da braucht man als Familie schon einiges“, sagt Ramona Janz. Sogar Toilettenpapier habe sie bekommen, freut sie sich. Sie trägt eine bunte Stoffmaske. „Die hat meine Tochter genäht. Für uns und auch einige ihrer Freundinnen. Die hat sie ihnen zugeschickt oder in den Briefkasten gesteckt. Für die Kinder ist es derzeit schon echt schwer, weil sie ihre Freunde nicht sehen können.“ Wie ist das Einkaufen nun mit Maske? „Warm“, resümiert sie. „Man kann es schon aushalten, aber angenehm ist es nicht. Ich hoffe, dass es im Hochsommer besser ist mit dem Virus, denn bei 35 Grad möchte ich nicht mit so einem Ding im Gesicht herum laufen. Ich bin mir nicht sicher, ob die Pflicht jetzt noch etwas bringt, nach einigen Wochen mit dem Virus.“

An Maske gewöhnt

Die nächste Station ist die Burger Innenstadt. Dort macht Dietmar Wesenberg gerade auf einer Bank eine kleine Pause. Neben ihm steht eine Einkaufstüte. „Zum Einkaufen habe ich natürlich eine Maske dabei und habe sie getragen und mache es weiterhin, solange es erforderlich ist“, meint er. Bisher habe er in den Geschäften die Menschen nur mit Masken gesehen. „Es machen schon alle mit“, bestätigt er. Wie empfindet er das Tragen der Gesichtsbedeckung? „Ach, wissen Sie, ich war beruflich Maler und Lackierer und habe während der vergangenen Jahrzehntn so oft Masken bei der Arbeit getragen, das macht mir nichts aus, das kenne ich nur zu gut“, lacht der Rentner. „So etwas wie diese Pandemie habe ich bisher in meinem Leben nicht erlebt. Aber da müssen wir jetzt durch.“ Etwas Sorgen macht er sich um seinen 94-jährigen Onkel in Berlin, mit dem er derzeit nur telefonieren kann. „Er meinte, dass ihn die ganze Situation derzeit irgendwie an den Krieg damals erinnert.“

Seit einigen Tagen haben auch Geschäfte, die maximal eine Verkaufsfläche von 800 Quadratmetern haben, wieder geöffnet. Die Resonanz sei bisher aber eher verhalten in Burg, berichtet Michael Jungnickel, Inhaber des Geschäfts Kostprobe in der Schartauer Straße. Auch er empfängt Kunden mit einer Mund-Nasen-Bedeckung. Seine ist ein schwarzes Tuch mit einem Jolly Roger-Aufdruck. „Ich habe einfach ein Faible für Außergewöhnliches“, meint er fröhlich. Seine Kunden haben bisher alle Masken getragen. „Allerdings finde ich, dass jetzt mit der Maskenpflicht die Leute eher dazu tendieren, den Sicherheitsabstand nicht mehr so genau einzuhalten“, gibt er zu bedenken. Es würden weniger Leute kommen und die Kunden seien zurückhaltender und würden den Laden auch schnell wieder verlassen. „So richtig Spaß macht das Arbeiten derzeit nicht. Sonst rede ich immer viel mit den Kunden, berate sie und bin einfach mit Begeisterung bei der Sache. Die Stimmung ist derzeit eher gedrückt.“

Man versteht andere nicht so gut

Eine Kundin kommt in den Laden. Mit etwas Abstand folgt auch ihre Tochter. Sie suchen ein Geschenk für jemanden, der sich für die Jagd begeistert. Auch sie tragen Mund-Nasen-Schutz und Michael Jungnickel lobt den maritimen Aufdruck mit Ankern. Wie kommen sie mit der Maskenpflicht zurecht? „Es ist sehr, sehr warm darunter“, stöhnt sie. Namentlich möchte sie lieber nicht in der Zeitung genannt werden. „Und man versteht die anderen Menschen manchmal nicht so gut. Wenn ich gleich aus dem Laden raus bin, werde ich mir das Tuch als erstes vom Gesicht ziehen.“

Michael Jungnickel packt ihnen das Gewünschte ein und verabschiedet die Kunden. „Irgendwann wird es wieder besser werden“, meint er und zupft sein Tuch zurecht. „Man kann ja nicht nur meckern, es hilft ja nichts.“

Unsicherheit bezüglich Sinn der Maskenpflicht

Auch in öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Tragen einer Maske Pflicht. Dort ist also die nächste Station. Die Busse sind an diesem Vormittag recht leer. Eine junge Frau sitzt am Fenster und hört Musik. Für ein paar Minuten habe sie aber Zeit, einige Fragen zu beantworten. „Ich habe heute frei und bin einkaufen gefahren“, erklärt sie und deutet auf einen prall gefüllten Beutel. Sie stellt sich als Maja Bergmann vor und trägt eine dunkle Stoffmaske. „Muss man ja.“ Sie klingt etwas resigniert. Stört sie die Maskenpflicht? „Also nun, ich weigere mich nicht, ich bin mir nur nicht sicher, ob das wirklich nötig ist. In den letzten Wochen sind doch mit den Hygieneregeln und dem Abstand die Corona-Zahlen sehr weit runter gegangen. Ich glaube Hände waschen und Abstand bringt mehr als das Ding da“, sie deutet auf die Stoffmaske. „Aber vielleicht irre ich mich ja auch und es hilft. Dann lasse ich mich natürlich gern eines Besseren belehren“, lacht sie. Fotografieren lassen möchte sie sich mit der Maske aber nicht. „Bitte nicht! Ich schwitze damit so sehr, ich sehe bestimmt total schrecklich aus“, wehrt sie ab. Eines stört sie aber sehr: „Manche Leute versuchen gerade damit so richtig Geld zu machen. Ich habe schon Packungen mit fünf Masken für 30 oder 40 Euro gesehen. Das ist nicht richtig. Wir müssen die ja derzeit tragen und dann versuchen sich einige noch, die Taschen voll zu machen. Die würde ich nicht kaufen, da würde ich mir einen Schal umbinden.“

Die Menschen in Burg halten sich an die Maskenpflicht, obwohl einige die Sinnhaftigkeit der Maßnahme hinterfragen. Ob die Masken einen positiven Einfluss auf die Eindämmung der Pandemie haben, wird sich in einigen Wochen zeigen.