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Unternehmer fordert von Volksvertretern im Bauausschuss Maßnahmeplan für GemeindeSetzt Biederitz die eigene Energiewende in den kommenden zehn Jahren um?

Von Thomas Höfs 24.10.2012, 03:14

Die Preise für Energien kennen seit Jahren nur eine Richtung - nach oben. Kann eine Gemeinde selbst die Energiewende schaffen und sich von den großen Versorgern abkoppeln? Das plant Dirk Nowak.

Biederitz l Es fehlen einfach die Erfahrungen. Das ist bei der Sitzung des Bauausschusses des Gemeinderates am Montagabend deutlich geworden, als der Biederitzer Dirk Nowak das Wort erhält. Der Unternehmer ist in der Branche der erneuerbaren Energien tätig. Solarzellen, die aus Licht Strom machen, hat er in der Bundesrepublik bereits oft aufgebaut.

Wegen seines Berufes ist er aber nicht zu den Volksvertretern gekommen. Ihm geht es um mehr. Zusammen mit anderen gleichgesinnten Bürgern hat er den Verein zur Förderung erneuerbarer Energien gegründet. Die handvoll Vereinsmitglieder hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Kommunen im Landkreis von den großen Stromversorgern abzukoppeln.

Das Vorhaben ist ambitioniert. Doch in der ganzen Bundesrepublik machen sich die Kommunen zunehmend Gedanken um die Energieversorgung in der Zukunft. Das weiß auch Dirk Nowak.

Wie ein Umbau der Energieversorgung auf kommunaler Ebene aussehen kann, darauf hat er noch keine abschließende Antwort, gesteht er vor dem Bauausschuss. Zunächst einmal sollte die Gemeinde die Energieverbräuche in ihren Grenzen erfassen. Gemeint sind damit nicht nur die Kosten und Energielieferungen für die öffentlichen Einrichtungen. Auch die privaten und wirtschaftlichen Energieverbräuche sollten mit erfasst werden, fordert Dirk Nowak. Die Informationen sollen dazu dienen, die Energiewende zu planen.

Schließlich muss man erst einmal wissen, wie viel Energie notwendig ist, um sich selbst zu versorgen. Der zweite Schritt sei dann die Planung der autarken Energieversorgung. Dabei arbeite er mit der Magdeburger Universität zusammen, erklärt er. Mit Studenten will er außerdem den Energiebedarf ermitteln. Sie sollen sich im Rahmen von Arbeiten mit dem Thema Energieumbau in Biederitz befassen.

In zehn Jahren soll die Gemeinde sich selbst mit Energie versorgen

Was hinten rauskommen wird, muss die Zeit zeigen, gibt er zu. Vielleicht reichen die Windräder aus, die bereits in der Gemeinde stehen. Vielleicht benötigt die Gemeinde aber auch noch weitere Energielieferanten. Die Frage könne jetzt noch nicht beantwortet werden. Ziel der ganzen Untersuchung und Planung müsse es aber sein, dass die Bürger künftig die Energie zu verlässlichen und günstigen Preisen erhalten sollen, strebt der Biederitzer an.

Damit trifft er den Nerv vor allem von Siegfried Janke. Janke kann sich für die Überlegungen begeistern und lädt Dirk Nowak gleich nach der Sitzung in seine Fraktion ein. Etwas skeptischer ist da Dr. Peter Sanftenberg. Wie er denn die Energie autark gestalten wolle, fragt er. Es müsse immer etwas importiert werden oder sollten künftig alle mit dem Rad fahren, fragt er.

In den kommenden zehn Jahren, so der ehrgeizige Plan, soll die Gemeinde sich selbst mit Energie versorgen. Die Kosten für die Planungen beziffert Dirk Nowak auf rund 75000 Euro. Das Geld, beruhigt er, müsse die Gemeinde kaum selbst aufbringen. So gebe der Verein Unterstützung. Im Boot sei ferner eine kleine Bank, die sich mit rund 20 000 Euro beteiligen wolle.

Die veranschlagten Kosten von nur rund 10000 Euro für die Erfassung des Energiebedarfs in der Gemeinde hält Dr. Peter Sanftenberg als zu knapp bemessen. "Das wird kaum reichen, um in der Tiefe Daten zu erheben", warnt er. Überschlägig assistiert Siegfried Janke, verbrauche jeder Haushalt rund 3200 Kilowattstunden Strom im Jahr. Mit diesem Eckwert lasse sich der Stromverbrauch der Bürger in Biederitz schon mal grob ermitteln. Wichtig sei aber, was Handwerk und Industrie noch benötigen. Diese Zahlen lassen sich nur durch Befragungen ermitteln, ist Janke überzeugt. Ausschussvorsitzender Prof. Axel Teichert sorgt sich vor allem darum, dass der Unternehmer Dirk Nowak selbst wirtschaftliches Interesse mit dem Projekt verbinde. Doch Dirk Nowak verneint dies. Nur aus Interesse wolle er sich in dem Projekt engagieren. Ihn treibe um, dass die nachfolgenden Generationen auch noch etwas von dem Planeten haben sollten.

Bauausschuss ist geteilter Meinung über Konzeptidee

Vieles was zum Umbau der Energieversorgung notwendig ist, sei bereits in den Gemeinde vorhanden. So gebe es leistungsfähige Energienetze. In Bürgermeister Kay Gericke (SPD) hat der Unternehmer einen Ansprechpartner gefunden, der sich für die Idee begeistern kann. Aufmerksam verfolgt der Gemeindechef, was sich in anderen Bundesländern so tut. Es gebe bereits Gemeinden, die ihre Stromnetze selbst übernommen haben und die Energieversorgung selbst regeln, informiert er.

Ob dies ein Vorbild für Biederitz sein kann, ist offen. Dafür sei es noch zu früh. Dennoch wirbt auch Gericke für ein Nachdenken darüber, woher in Zukunft bezahlbare Energie kommen soll.

Spätestens wenn die festgeschriebenen Einspeisevergütungen für die erneuerbaren Energien der Windräder und Fotovoltaikanlagen auslaufen, werden sich auch die Erzeuger fragen, an wen sie künftig die Energie liefern wollen.

Und wenn der Strom beispielsweise vor Ort erzeugt wird, dürften die ständig steigenden Netzentgelte auch der Vergangenheit angehören. Ebenso könnten die Bürger und Firmen Steuern beim Stromeinkauf sparen, wirbt Dirk Nowak für seine Idee in Biederitz.