Burg l Ein kalter Ostwind peitscht sich am Elbe-Havel-Kanal entlang. Jutta Sohl stört das wenig. Hier in der Gartenanlage „Zum alten Hafen“ ist ihr zweites Zuhause, auch in den Wintermonaten schaut sie nach dem Rechten und weiß, dass gestandene Kleingärtner auch dann in ihren Parzellen anzutreffen sind, wenn der Frost noch im Boden steckt. „Viele können es kaum erwarten, wieder draußen zu sein. Und bei den ersten warmen Sonnenstrahlen wird rangeklotzt“, sagt die Ihlestädterin.

Und schon nach einem kleinen Rundgang kommt sie mit einem Rentner ins Gespräch, der sich auch davon überzeugen will, ob im Garten alles im grünen Bereich ist. Jutta Sohl findet schnell einen Draht. Reden, argumentieren, überzeugen oder verhandeln – das steckt ihr im Blut. Immerhin ist sie Präsidentin. Zwar nicht mit so viel Macht wie ein Staatslenker und mit Präsidentin muss man sie auch nicht unbedingt ansprechen, aber sie ist Chefin des Kreisverbandes der Gartenfreunde Burg und vertritt damit 49 Vereine von Güsen bis Gommern und allein 33 in Burg.

1746 Mitglieder

Bei 1746 Mitgliedern und unterschiedlichen Charakteren eine Aufgabe, der sich nur jemand stellen kann, der selbstbewusst, hart im Nehmen und fachlich auf der Höhe ist. Kein Zweifel: Diese Eigenschaften treffen auf Jutta Sohl zu. „Ich versuche schon, integrierend zu wirken, die Gartenfreunde mitzunehmen und die Arbeit so zu gestalten, dass wir uns als eine große Gemeinschaft verstehen“, umschreibt die 50-Jährige, die den Vorsitz seit 2008 inne hat. „Aber ich bin auch in der Lage, Klartext zu reden und gemeinsam mit dem Vorstand deutliche Entscheidungen zu treffen“, fügt sie an. „Immerhin vereint uns alle ein schönes Hobby, und das müssen wir nach innen und außen geschlossen vertreten.“ Trotz mancher Probleme, wie den Leerstand in einigen Vereinen oder einer Überalterung der Mitglieder bleibt Jutta Sohl mit ihrem Verband optimistisch. „In vielen Fällen haben in den vergangenen Jahren auch junge Familien Spaß am Kleingarten gefunden“, sagt sie und steht dabei selbst gern mit Rat und Tat zur Seite. Eine gewisse pädagogische Art merkt man ihr dabei schnell an. Denn im Diakonischen Werk Jerichower Land beschäftigt, ist ihr Hobby quasi auch ein Stück Beruf. Unter ihrer Federführung werden mit jungen Menschen leerstehende und verwilderte Gärten auf Vordermann gebracht und anschließend bestellt – zugunsten der Tafel.

Arbeit macht ihr großen Spaß

Ebenso viel Freude bereitet es ihr, sich mit dem Kreisverband auf die Landesgartenschau (Laga) 2018 in Burg einzustellen. Direkt am Flickschupark gelegen, wird der 13 000 Quadratmeter große „Waisenhausgarten“ seine Tore öffnen und sich den tausenden Besuchern zeigen. Dass die dortigen Gartenfreunde sich auf dieses Großereignis einstellen und auf diese Weise eine lange Tradition des Kleingartenwesens in Burg gezeigt wird, findet Jutta Sohl „großartig und ein lohnendes Ziel“. Hinzu kommt auch noch das Laga-Projekt des „Grünen Klassenzimmers“, an dem sich der Kreisverband beteiligt. „Vielleicht bekommen dann noch mehr junge Leute Lust auf einen eigenen Garten.“

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