Burg l Theodor Fontane ist als liebevoller Schilderer der Mark Brandenburg bekannt. Was er aber über seine Zeit in Burg unter dem Titel „Burg an der Ihle“ niederschrieb, ist alles andere als liebevoll. „Der muss hier ganz schön sauer, heutzutage würde man sagen stinkig, gewesen sein“, meinte Archivleiterin Beate Blumhagel beim Betrachten des giftgrünen Einbandes mit dem goldenen Rand. Es handelt sich um einen fotografischen Nachdruck der als Epos bezeichneten Schrift „Burg an der Ihle“. Fontanes Sohn Friedrich hatte 30 Jahre nach dem Tod seines Vaters 400 Stück in Auftrag gegeben. Das Exemplar in Burg trägt die Nummer 195.

Der vor 100 Jahren geborene Fontane kam in den ersten Oktobertagen 1840 nach Burg. Nach seiner Lehre hatte er eine Stelle als Apothekergehilfe in der Adler-Apotheke angenommen. „Er kam auch Berlin und da hatte er wohl mehr erwartet“, entschuldigte die Archivleiterin die Ausbrüche des damals 20-Jährigen. Die Burger empfand er als arrogant und fragte sich, „worauf die sich was einbilden“. Die aufstrebende Tuchmacherstadt, erklärte Blumhagel, habe schon eine Mittel- und Oberschicht gehabt, die vorsichtig ausgedrückt überzeugt von sich gewesen sei.

Fontane leidet grausame Langeweile in Burg

Den Abriss des Rolands durch einen Gastronom, der Platz für seinen Gasthof brauchte, hielt er für einen Frevel, nachts träumte er von dem Standbild. Wenn er nicht gerade durch ein Klingeln geweckt wurde. Und die Medikamente benötigenden Menschen beschrieb er als „Rotzgöhren und alte Weiber“. Überhaupt sei Burg ein „gottverlassenes Nest“ und immer wieder plage ihn „grausame Langeweile“. Und das, obwohl er nach eigenem Bekunden schon immer „eine herzliche Vorliebe für natürliche Menschen“ gehabt habe und mit ihnen „auf besten Fuß gelebt habe, wenn nur erst das Eis gebrochen war“.

Das brach allerdings auch nicht bei einem kulturellen Erlebnis. Ganz und gar nicht überzeugen konnte Fontane nämlich ein Theaterbesuch. Die Hauptdarstellerin der „Jungfrau von Orleans“, die nichts als Brechwirkung in ihm hervorgerufen habe, überhaupt schände die Inszenierung Schiller. Die Schauspielerin war wegen ihres Alters durchgefallen.

Kaum Spuren Fontanes in Burg

Jung waren hingegen die Schauspielerinnen, mit denen er sich früh am 30. Dezember 1840, seinem 21. Geburtstag, auf den Weg nach Berlin machte, zunächst in einer „bis Genthin gehenden Fahrpost“.

Archivleiterin Blumhagel bedauert, dass es außer dem Nachdruck des Epos kaum sichtbare Spuren in der Stadt gibt. Einzig eine Tafel am Haus in der Schulstraße 14, das einstmals einen Festsaal beherbergte, in dem Fontane mit Burgern in Kontakt kam, erinnert an den Schriftsteller. Die Adler-Apotheke ist vor 40 Jahren abgerissen worden, nichts an der Ecke von Breitem Weg und Deichstraße erinnert an Theodor Fontane.