Loburg l Anton machte sich als Erster aus dem Staub. Der Vogel war von Steffen Burchhardt ins Auswilderungsgebiet gebracht worden. Der Landrat des Jerichower Landes hatte schon mehrere Patenschaften für Störche übernommen, Antons eigentlicher Pate ist jedoch der gleichnamige Sohn des Landrates. Susu aus Wormsdorf und Eddy aus Wolmirstedt staksten eher besonnen von dannen.

Dagegen ließ sich Storch Petry aus Potsdam sehr viel Zeit mit dem Schritt in die Freiheit. Nachdem er schon früh aus dem Nest gefallen war, hatten sich Anwohner lange Zeit um das Tier gekümmert, dadurch ist der Storch die Menschen gewöhnt. Erst für die Auswilderung wurde der Storch nach Loburg gebracht.„Aber zu viel menschliche Nähe ist nicht gut“, mahnt Dr. Christoph Kaatz.

Storchenbiss für den Landrat

Wesentlich menschenscheuer zeigte sich Anton. In einem unachtsamen Moment bekam er seinen Schnabel frei und verpasste dem Landrat einen kleinen Storchenbiss. Das Tier wusste ja nicht, dass der Landrat ihn nur freilassen wollte. „Ich bin sicher, dass er in der freien Wildbahn durchkommt“, beurteilt Steffen Burchhardt die Zukunftsaussichten des Tieres.

Die vier Adebare hatten Glück im Unglück. Nach verfrühten Abflugversuchen und anderen Malheuren hatten drei der Jungvögel eine Aufpeppung nötig gehabt.

Es ist nicht das beste Storchenjahr, aber auch nicht das Schlechteste. „In anderen Regionen hat es die Störche schlimmer erwischt“, sagt Christoph Kaatz. Die trockene Witterung macht auch den großen Vögeln Probleme, so etwa bei der Nahrungssuche. Umso beruhigter ist Dr. Kaatz senior, dass es wenigstens ausreichend Heuschrecken auf den trockenen Wiesen gibt.

Vielleicht war es ja die Nahrungsnot, die Anton dazu gebracht hatte, völlig ungeeignete „Nahrung“ zu schlucken. Der Vogel wurde am 24. Juli auf einem Dach in der Burger Innenstadt bemerkt, mit einer faustgroßen Verdickung am Hals. „Da war irgendetwas, was er nicht runterschlucken aber auch nicht auswürgen konnte“, erklärt Michael Kaatz. Die Storchenexperten entschlossen sich, den Vogel mit einer Netzpistole vom Dach zu holen. Dass der Absturz gefährlich sein würde, war klar. Aber: „Der Vogel wäre sonst verhungert“, so Kaatz junior. Die Helfer massierten dann den seltsamen Kropf vorsichtig zum Schnabel hoch. Was Anton auswürgte, erstaunte die Helfer: Lauter Gummiringe. „Die muss er wohl für leckere Würmer gehalten haben“, sagt Christoph Kaatz und hält die ungenießbare Beute hoch.

Seit Gründung der Loburger Vogelschutzwarte „Storchenhof“ haben die Mitarbeiter etwa 1790 Vögel aufgenommen. In etwa 70 Prozent der Fälle ist eine Auswilderung möglich. Bei den Auswilderungen sind Besucher gerne gesehen.

Wer Pate für ein Tier werden möchte, kann gegen einen Geldbetrag auch den Namen für „seinen“ Storch bestimmen.

Infos: www.storchenhof-loburg.de.