Gommern l Ein handgemaltes Titelblatt stellte Pfarrer Eberhard Pape, der von 1595 bis 1635 in Gommern tätig war, dem Kirchenbuch im ersten Jahr seines Wirkens voran. In sauberer Schrift vermerkte er beispielsweise die Todesfälle und gleich dazu den Hinweis, dass der Tote am nächsten Tag beerdigt worden sei. Ausnahmsweise war es am Sonntagnachmittag erlaubt, vorsichtig in dem mehr als 400 Jahre alten Buch zu blättern. Pfarrer Michael Seils hatte das Kirchenbuch anlässlich des Themennachmittags Kirche des Heimatvereins Gommern mitgebracht. Normalerweise erhalten Nutzer nur eine Kopie des Buches. Sein Inhalt ist verfilmt (und damit gesichert) und kann über das Kirchenarchiv in Magdeburg eingesehen werden.

Der Nachmittag in den Räumen des Heimatvereins war voll mit besonderen Ausstellungsstücken. Auch die 1687 gestiftete Taufschale hatte Michael Seils mitgebracht. Die Besucher probierten gerne, ob sie die Inschrift lesen können.

Zeichnung aus 1887

Sie ist keine 300 Jahre wie die Taufschale oder 400 Jahre wie das Kirchenbuch alt, aber die Zeichnung der Gommeraner Kirche St. Trinitatis aus dem Jahre 1887 und damit kurz vor dem Umbau von 1897, die Dr. Jürgen Knüpfer zum Themennachmittag mitgebracht hatte, fand ebenfalls großes Interesse unter den Besuchern. Jürgen Knüpfer widmete sich in seinem Vortrag nicht zuletzt der Innenausstattung der Kirche.

Bilder

Von den drei Glocken sind jeweils eine im Ersten und eine im Zweiten Weltkrieg konfisziert worden. Die kleine Bronzeglocke sei die wertvollste, erklärte Dr. Knüpfer.

Wenn der Holzwurm bekämpft sei, die Wetterfahne wieder auf dem Kirchturm säße und die Orgel saniert sei, dann könnte man sich die Glocken als nächstes Vorhaben vorstellen, sagte Michael Seils. Die Eisen- und Stahlglocken sollten eines Tages wieder durch Bronzeglocken ersetzt werden.

In Gommern hatte sich bald nach Luthers Thesen die Reformation durchgesetzt. Die ersten Kirchenvisitationen fanden laut Dr. Jürgen Knüpfer 1529/30 statt.

Arbeiter bildeten Gemeinde

Die katholische Herz-Jesu-Kirche in Gommern war zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichtet worden. Die katholische Gemeinde hatte sich aus Arbeitern gebildet, die unter anderem durch die Steinbrüche nach Gommern gekommen waren.

„Wie können wir dafür sorgen, dass unsere Kinder katholisch bleiben?“ Das sei eine Frage gewesen, die die Arbeiter damals sehr beschäftigt habe, schilderte Johanna Schröter in ihrem Referat über die katholische Kirche in Gommern. Sie erinnerte unter anderem an die Fahnenweihe des Vereins polnischer Katholiken 1896 und an die Weihe der Kirche am 9. Juli 1903.

Sehr wichtig war es ihr aber auch, über Otto Günnewich zu sprechen. Sein kupfernes Relief hängt in der katholischen Kirche. Von 1930 bis 1934 war er in der Ehlestadt tätig, bevor er ins Sauerland versetzt wurde. 1941 leitete er dort die Fronleichnamsprozession. Im Nachhinein wurde Otto Günnewich ein „Prozessionsverbrechen“ vorgeworfen. Er wurde verhaftet, kam später in das Konzentrationslager Dachau bei München und starb einen qualvollen Vergasungstod.

Das Günnewich-Relief soll Erinnerung und Mahnung sein: Erinnerung an grausame Geschehen in der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur und Mahnung an künftige Generationen, Grausamkeiten gegen Andersdenkende nicht wieder zuzulassen.

Blumengruß für Referenten

Eröffnet worden war der Themennachmittag Kirche mit Gesang des Kirchenchores. Neben den vielen Informationen nahmen die zahlreichen Besucher auch das Angebot an Kaffee und Gebäck wahr. Bei den Referenten bedankte sich Silke Fuchs, stellvertretende Vereinsvorsitzende, mit einem Blumengruß für ihre Beiträge. „Wir freuen uns über die tolle Resonanz auf unseren Themennachmittag.“ Dieser ließ die Besucher auch in einer Erinnerungsmappe an Kantorin Christa Anz-Zimmermann und einem Fotoalbum von Pastorin Margarethe Anz blättern.

Anlässlich des Stadtfestes am Sonnabend, 9. Juni, öffnet der Heimatverein zwischen 15 und 17 Uhr wieder seine Ausstellungsräume. Letztmalig wird die Sonderausstellung Anfang September zu sehen sein. Ab Spätherbst zeigt der Heimatverein Teil 2 der Sonderausstellung zu 1070 Jahre Gommern.