Burg/Karow l Nach dem Wolfsübergriff auf eine Mutterkuhherde der Agrargenossenschaft Karow am Sonntag hat das Wolfskompetenzzenztrum in Iden den Einsatz der Schutzzäune trotz der Höhe von nur 1,25 Meter verteidigt. „Weidezäune müssen zum Auf- und Abbau handhabbar sein. Dies begrenzt die Zaunhöhe. Entscheidend für eine abschreckende Wirkung ist die ausreichende Stromführung, da Wölfe in der Regel versuchen, Hindernisse zu untergraben“, teilte der Leiter Andreas Berbig auf Anfrage der Volksstimme mit. Seinen Worten zufolge sollten 7000 bis 8000 Volt anliegen.

Sowohl die Genossenschaft in Karow als auch die benachbarte Agrargenossenschaft Schopsdorf sind mit jeweils 2400 Meter des mehrlitzigen Zauns ausgestattet worden – einschließlich eines Hängers mit einer Haltevorrichtung für die Litzenspindeln. „In einem Zeitraum von zwei Jahren soll sowohl dessen Wolfssicherheit als auch die Eignung in der Mutterkuhhaltung praktisch getestet werden“, betonte Berbig. Er verwies darauf, dass sich die beiden gerissenen Kälber in einer Herde befanden, „die abschnittsweise litzenartig gesichert war. Damit war eine Wolfssicherheit nicht gewährleistet.“ In der nur unweit entfernten und durch das so genannte Rappa-Zaunsystem vollständig gezäunte Fläche seien bislang keine Übergriffe aufgetreten, betonte Berbig.

Befristete Bejagung

Der Vorsitzende der Agrargenossenschaft Karow, Jürgen Schimpf, steht dem Zaun kritisch gegenüber. Er fordert eine befristete Bejagung. In Sachsen-Anhalt sind bislang elf Rudel nachgewiesen. Bei zwei weiteren Rudeln erstrecken sich die Territorien länderübergreifend auf Sachsen-Anhalt sowie Niedersachsen und Brandenburg.

Dass der Wolf im Fiener offensichtlich heimisch ist, bestätigte gestern auch Tierfilmer Thomas Wöhling aus Tucheim. Mit seiner Frau Antje hat er vor wenigen Tagen etwa einen Kilometer von der Gemeinde entfernt zwei Wölfe gesehen, „davon ein starker Rüde“.