Burg l Am 17. März hat das Auswärtige Amt eine weltweite Reisewarnung ausgesprochen. Die Bedrohung durch das Coronavirus, der stark eingeschränkte internationale Luft- und Reiseverkehr sowie die Einreisebeschränkungen vieler anderer Länder führten zu diesem bislang einmaligen Schritt, grundsätzlich vor nicht notwendigen, touristischen Reisen in andere Länder zu warnen. Zuvor waren nur für einzelne Länder Reisewarnungen ausgesprochen worden, etwa wegen der Gefahr durch Terrorismus oder Naturkatastrophen.

Mittlerweile entspannt sich die Situation etwas. Reisen innerhalb Deutschlands werden Stück für Stück wieder möglich. So haben gestern Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Brandenburg ihre Pforten für Touristen wieder geöffnet. Reisen nach Bayern werden ab Monatsende wieder möglich sein. Und auch die weltweite Situation wird etwas lockerer.

Unsicherheit bleibt nach Öffnung

Reisen nach Übersee liegen zwar nach wie vor in weiter Ferne, aber am 15. Juni soll die Reisewarnung für 31 Länder zurückgenommen werden. Dann können Reisen in die EU-Staaten, nach Großbritannien sowie nach Island, Norwegen, in die Schweiz und nach Liechtenstein ohne Bedenken des Auswärtigen Amtes unternommen werden. Die zunehmende Reisefreiheit hat sich aber noch nicht auf das Geschehen in den Reisebüros ausgewirkt.

„Im Moment passiert eigentlich noch gar nichts“, sagte beispielsweise Sabine Karliczek vom Reisebüro „Reiselust“. Seit März sei sie aber mit ihrer Kollegin Ilona Sommer in ständigem Kontakt mit den Kunden gewesen, sei es telefonisch oder per E-Mail. Manche hätten sich dafür entschieden, ihre Reise auf das nächste Jahr zu verschieben, andere wiederum hätten die Gutscheinvariante in Anspruch genommen.

Viele Kunden wollen nach Türkei

Es gibt aber auch noch zahlreiche Buchungen für die Sommerferien, die noch nicht storniert worden sind. „Wir haben sehr viele Kunden , die in die Türkei reisen möchten“, sagte Karliczek. Über den 15. Juni hinaus wird die Türkei wohl noch in der Reisewarnung enthalten sein, die Sommerferien beginnen allerdings erst Mitte Juli. Eine Reisewarnung gilt als „höhere Gewalt“, ermöglicht im Prinzip eine kostenlose Stornierung. Doch ob die Kunden reisen werden, auch wenn es keine Warnung mehr gibt, ist fraglich. „Da gibt es noch so viele Unsicherheiten, etwa, ob die Rutschen in den Familienhotels genutzt werden können, die Kinderunterhaltung ist für viele ein wichtiger Faktor“, nannte sie ein Beispiel.

Die Ostsee ist für kurzentschlossene Umbucher im Sommer 2020 aber keine Option. „Die war ja schon vor der Coronakrise ausgebucht. Wenn die Hotels jetzt nur 60 Prozent der Kapazität nutzen dürfen, müssen die von sich aus stornieren, fragt sich nur von wem“, beschrieb Sabine Karliczek die komplizierte Lage.

Niedrigeres Niveau als 2019

Nicht viel einfacher ist es, durch den Dschungel an Vorschriften und Beschränkungen zu dringen. Das Büro „Reiselust“ gehört zum Dresdener Verbund TSS, einem wichtigen Lotsen in dieser Situation. Die Reiseveranstalter seien hingegen nur schwerlich zu erreichen. Und jeder handhabe die Situation anders. Auch bei den Veranstaltern von Kreuzfahrtreisen, ebenfalls eine beliebte Sparte, gebe es ganz große Unterschiede im Krisenmanagement.

Wenn es überhaupt einen positiven Effekt der Corona-Krise in der Branche geben mag, dann, dass die Wertschätzung der Reisebüros gestiegen ist. „Wir haben oft gehört, dass Kunden nicht mehr im Internet, sondern ihre nächste Reise bei uns buchen wollen, um dann auch die fachliche Beratung im Rücken zu haben“, sagte Sabine Karliczek.

In Genthin und Burg gibt es DER-Reisebüros. Medienanfragen werden zentral von der Pressestelle der DER Touristik in Frankfurt/Main bearbeitet. „Wir verzeichnen für unsere Veranstalter eine hohe Nachfrage nach Deutschlandurlaub. Aber nach und nach ziehen auch andere Destinationen wieder an, wenngleich auf einem viel kleinerem Niveau als im Vorjahr“, beantwortete Pressesprecherin Angela de Sando eine schriftliche Anfrage der Volksstimme.

Wiederaufnahmekonzepte erarbeitet

Vor allem Mallorca und die Balearen insgesamt, aber auch Griechenland und die Türkei zögen an. Auf der Fernstrecke seien es Länder wie beispielsweise die Malediven und die Karibik. Dass noch nicht bekannt ist, wann wieder in diese Länder und Regionen gereist werden kann, hat das Unternehmen berücksichtigt. „Wir haben auf Basis der neuen Covid-19-Bedingungen Wiederaufnahmekonzepte für die von uns angebotenen Länder erstellt“, so die Pressesprecherin. Da jedes Land eine andere pandemische Entwicklung habe, sei es von großer Bedeutung, die Rahmenbedingungen auf die jeweilige Lage abzustellen.