Hohenseeden l Vor etwa 14 Tagen klingelte das Handy von Anica Fischer aus Hohenseeden. Zunächst einmal nichts Ungewöhnliches, aber mit der Person, die die Inhaberin eines Brautmodengeschäftes anrief, spricht sie nicht alle Tage. „Es war ein Redakteur der TV-Sendung ‚Zwischen Tüll und Tränen‘ und er wollte mit mir über eine mögliche Teilnahme an der Sendung sprechen“, erinnert sich Anica Fischer. „Ich war zunächst sehr überrascht, weil ich dachte, dass ich und mein Geschäft doch in das Format bestimmt gar nicht rein passen. Ich bin doch nur ein Mädchen vom Dorf.“ Bedenken hatte sie auch, ob möglicherweise der Platz in ihrem Laden gar nicht ausreichen würde, um die Dreharbeiten zu meistern. „Aber der Redakteur meinte, ich müsste mir da keine Gedanken machen, das Team hätte schon in dem kleinsten Schuhkarton gedreht.“

Mit der Sendung, die auf dem TV-Sender Vox ausgestrahlt wird, verbindet Anica Fischer etwas Besonderes, denn der Sendung ist es zu verdanken, dass sie ihr eigenes Brautkleid gefunden hat. „Ich war in den Vorbereitungen für meine eigene Hochzeit und habe mir einige Episoden angesehen“, berichtet sie. In einer Folge habe sie dann einen Second-Hand-Brautmoden-Laden in Berlin gesehen. „Ich hatte schon in einigen Läden in der Umgebung nach Kleidern geschaut, aber hatte noch nichts Passendes gefunden. Ich wollte auch gern ein schönes Kleid, das aber nicht unglaublich teuer ist, vielleicht so um die 1000 Euro. Und dann war da dieser Laden in der Sendung und der wirkte so gemütlich und die Mitarbeiter so sympathisch und dann bin ich dorthin gefahren und habe mein Traumkleid gefunden.“

In Berlin

Während Anica Fischer ihre eigene Hochzeit plante und dank „Zwischen Tüll und Tränen“ in dem besagten Geschäft in Berlin ihr Kleid gefunden hatte, kam ihr schließlich eine Idee: „Die Hochzeitsvorbereitungen waren so intensiv und schön, ich wollte das Thema gar nicht loslassen. Ich wollte das beibehalten. Und so überlegte ich schließlich, selbst ein Second-Hand-Brautmoden-Geschäft zu eröffnen.“ Die Idee nahm Form an. Und nun bietet sie Second-Hand-Brautkleider in der Preisklasse zwischen 500 und 1000 Euro an.

Im Juli vergangenen Jahres begannen die Umbauarbeiten der Räumlichkeiten und im Februar wurde das Geschäft schließlich eröffnet. Allerdings zunächst nur für kurze Zeit, denn wegen der Corona-Pandemie musste Anica Fischer ihr Geschäft für rund fünf Wochen schließen. Untätig war sie in dieser Zeit aber nicht. Sie nutzt die Zeit, um ihr Kontingent an Kleidern aufzustocken. „Inzwischen habe ich rund 80 Kleider im Angebot. Bis zu 100 könnten in den Laden passen.“

Bewerbungsvideo bereits beim Sender

Diese Kleider könnten bald von den Bräuten in der TV-Sendung anprobiert werden. Wie genau es mit der Vox-Produktion weiter geht, weiß Anica Fischer allerdings noch nicht genau. „Der Redakteur, mit dem ich gesprochen habe, ist dann einige Tage nach unserem Telefonat zu mir gekommen, um sich den Laden anzusehen und dann wurde ein Bewerbungsvideo gedreht, das anschließend an die Redaktion weiter gegeben wurde“, erklärt sie. Sie hatte noch keine Erfahrung vor der Kamera. „Aber ich habe es eben, so gut wie es ging, versucht.“ Das Ergebnis schien ansprechend geworden zu sein. „Meine Kontaktperson von Vox erzählte mir, dass die Videos, die auf jeden Fall nicht genommen werden, gleich eine Absage erhalten. Das war bei mir nicht der Fall, also schauen wir mal, wann und wie es weitergeht.“

Zwei Möglichkeiten

Wenn die Dreharbeiten beginnen, gibt es zwei Möglichkeiten, wie Bräute in die Sendung kommen können. „Zunächst kann die Redaktion Bräute aus der Umgebung auswählen und dann könnten die mich besuchen. Eine andere Möglichkeit ist aber auch, dass ich Kundinnen anspreche, ob diese sich vorstellen können, an der Sendung teilzunehmen und dann kann ich diese dem Team der Sendung vorschlagen.“

Die Anproben mit den Kundinnen seien immer ein Event, das auch für die Sendung eingefangen werden könnte. „Interessanterweise hatte ich bei den Bräuten bisher nur weibliche Begleitpersonen wie Mütter, Schwägerinnen oder beste Freundinnen. Ein Mann war bisher tatsächlich noch nicht dabei, um das Kleid auszuwählen“, erklärt sie. Obwohl sie die Beratung der Bräute ganz besonders schätzt, erinnert sie sich an eine Anprobe, bei der Beratung gar nicht nötig war. „Ich habe der Kundin und ihrer Begleitung zur Begrüßung einen Sekt angeboten und die hatten noch eine eigene Flasche Sekt dabei, die nach und nach geleert wurde und die Kundinnen waren schließlich so lustig und gut gelaunt, dass ich gar nichts mehr zu den Kleidern sagen musste, die anprobiert wurden“, lacht sie. Jede Anprobe sei etwas Besonderes, weil jede Braut mit ihrer eigenen Geschichte und Vorstellungen von ihrer Traumhochzeit zu Anica Fischer kommt. Und diese Erlebnisse könnten bald dann auch im Fernsehen zu sehen sein, wenn die Bräute das bestimmte Funkeln in den Augen bekommen, wenn das perfekte Kleid gefunden ist.