Burg l Whisky ist unter Liebhabern des Destillats auch als Wasser des Lebens bekannt. Dass das Getränk durchaus die Fähigkeit besitzt „tote Tanten aufzuwecken“, werde ich im Laufe des Abends noch deutlich spüren. Doch dazu später mehr.

Die Kreisvolkshochschule Jerichower Land hat ein umfangreiches Programm, was ein Blick auf die Kursliste beweist. Geschichte, Digitale Bildbearbeitung, Englischkurse für Anfänger – in Kooperation mit der Stadtbibliothek „Brigitte Reimann“ hat es nun auch ein Whisky-Tasting ins Programm geschafft. Als Dozent konnte Christian Hens aus Biederitz gewonnen werden, der mit sechs ausgewählten Tropfen im Gepäck 17 Teilnehmer im Veranstaltungsraum der Bibliothek begrüßt.

Whisky oder Whiskey?

Die ersten Gäste des Abends machten sich sogleich einen Spaß daraus, dass sie über die Volkshochschule heute Abend dem Whisky frönen dürfen. „Wir sind zur Weiterbildung hier“, sagen zwei gutgelaunte Herren. Damit liegen sie gar nicht mal so falsch: Christian Hens weiß zu jedem Whisky, den er ausschenkt, Interessantes zu berichten. Hätten Sie gewusst, dass die unterschiedliche Schreibweise von Whisk(e)y auf den Unterschied zwischen irischem und schottischem Whisky zurückzuführen ist? Nein? Ich auch nicht. Mit dem „e“ im irischen Whiskey wollen sich die Iren nämlich vom schottischen Produkt abgrenzen.

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Wasser, Knabbereien und sechs Whiskys

Sechs schottische Whiskys stehen heute auf dem Programm. Hens verteilt für jeden eine Übersicht, alle Infos sind auf einem DIN A4-Zettel zusammengefasst. Da dies mein erstes Tasting ist, frage ich mich mit Blick auf die Liste, ob ich mir da als Whisky-Neuling nicht etwas viel vorgenommen habe. Mit genügend Wasser und etwas zu knabbern sollte es funktionieren, sage ich mir, als mir der Dozent das erste Glas einschenkt. Auchentoshan, 12 Jahre im Fass gelagert, 40 Prozent Alkoholgehalt, aus den Lowlands.

Erst riechen, dann schmecken

Hens bittet uns, zunächst nur zu riechen und noch nicht zu probieren. „Mit der Nase riecht man mehr, als man mit dem Mund schmeckt“, sagt Hens und schwenkt sein Glas. Wir tun es ihm gleich, während er erklärt, welche Vorteile das Nosing-Glas, welches wir für das Tasting benutzen, gegenüber einem Tumbler hat. Das Nosing-Glas hat optisch Ähnlichkeit mit einer Biertulpe. Die Form nach oben enger werdende Form sorgt dafür, dass sich die Aromen besser erschnüffeln lassen. Ein Tumbler hat diese geschwungene Form nicht, diese Gläser erinnern an breite, eher mittelhohe, Wassergläser.

Der erste Schluck: Leicht trocken mit einem Hauch von Nuss soll der Abgang sein. Was das angeht, bin ich mir nicht ganz sicher, kann mich aber durchaus mit dem Geschmack anfreunden. Der nächste, bitte.

Ganz so schnell geht es – zum Glück – dann doch nicht. Bevor wir weiter probieren, erläutert Hens uns, wie wir auf den ersten Blick leichte von schweren Whiskys unterscheiden. „Das erkennt man an der Tropfenbildung und der Geschwindigkeit, mit der die Tropfen abfließen“, sagt der Experte. Sind die Tropfen dünn, langsam und ölig hat der Whisky einen Alkoholgehalt von mehr als 46 Prozent. Sind die Tropfen dick und laufen schnell am Glas herunter ist der Alkoholgehalt geringer.

Angenehme Süße

Der zweite Gang: Glen Elgin, ebenfalls 12 Jahre alt, 43 Prozent Alkohol, aus der Region Speyside. Die angenehme Süße, die ich laut Beschreibung schmecken soll, nehme ich tatsächlich war. Und obwohl der Whisky mehr Alkohol hat, als der erste, schmecke ich viel mehr heraus. An den Tischen liegen Pipetten, mit denen kleine Tropfen Wasser zum Abrunden ins Glas gegeben werden können. „Das kann das Aroma noch verstärken“, sagt Hens. Gesagt, getan. Die meisten Teilnehmer nicken zustimmend.

Weiter geht es zu den Highlands. Hens schenkt einen Aberfeldy ein. Der dritte und letzte Kandidat aus der Reihe der zwölfjährigen Whiskys hat eine leicht bittere Orangennote und schmeckt dennoch lieblich süß. So langsam merke ich, wie mein Gesicht warm wird. Ich blicke in die Teilnehmerrunde und stelle erleichtert fest, dass ich damit nicht alleine bin. Ein paar rote Wangen reiht sich an das nächste, Pullover werden ausgezogen und über den Stuhl gehängt.

Whisky Nummer vier. Dank Wasser und Brot fühle ich mich überraschend fit. „Der is‘ jut“, sagt Karsten Fanselow über den malzig-süßen Springbank-Whisky aus Campbeltown. Der Burger ist das erste Mal bei einem Whisky-Tasting. Begleitet wird er von seinem Kumpel Andy Kenner, ebenfalls aus Burg. „Wir trinken gerne mal ein Glas Whisky“, sagt Karsten. Mit 46 Prozent ist der Spingbank (10 Jahre) der Spitzenreiter des Abends – trotzdem kommt er vor allem bei den Frauen in der Runde gut an. „Der schmeckt mir bisher am besten im Vergleich zu den anderen“, sagt Ewa Vogt. Ihre Begleitung Sabine Kaltwasser pflichtet ihr bei: „Ich bin für mehr Süße bei Whisky“, sagt die Burgerin.

Salzig, rauchig, kräftig

Als Hens mit dem fünften Whisky die Runde macht, beschließe ich einmal auszusetzen. Noch habe ich etwas Springbank im Glas, außerdem reizt mich die Beschreibung des Aromas von Whiskys Nummer fünf nicht sonderlich: Salzig, rauchig und kräftig mit Meerwasser. Mit 45,8 Prozent liegt der Talisker (10 Jahre) von der schottischen Insel Skye knapp unter Nummer vier.

Das Finale bestreiten wir mit dem zehnjährigen Laphroaig, 40 Prozent, aus Islay. „Der definitiv kräftigste und rauchigste Whisky des Abends“, kündigt Hens an. „Man liebt ihn oder man hasst ihn. Ich persönlich liebe den rauchigen Geschmack“, sagt Hens. „Man hasst ihn“, sagt Ewa Vogt, die ihr Gesicht angeekelt verzieht und den verbliebenen Schluck sofort mit Wasser verdünnt. Davon vorgewarnt, lasse ich mir nur ein halbes Glas einschenken. Und ich kann Ewa Vogt nur zustimmen. Bei den Männern kommt das besonders geschmacksintensive Exemplar besser an.

Aufgrund seines hohen Gehalts an Phenol soll der Laphroaig zur Zeit der amerikanischen Prohibitionsgesetze (1920 bis 1933) als Medizin verschrieben worden sein. Und gute Medizin darf ja bekanntlich nicht gut schmecken. Definitiv nicht mein Höhepunkt des Abends. So viel zum Thema „tote Tanten wecken“.

Zum Abschluss darf sich jeder Teilnehmer noch einmal ein Glas seines Lieblingswhiskys einschenken. Für mich gibt es zum Abschluss noch einmal den Aberfeldy, um den rauchigen Geschmack des Laphroaigs loszuwerden. Prost! Oder wie die Schotten sagen: slàinte mhath!

Zweiter Durchgang

Aufgrund des großen Interesses bietet die Kreisvolkshochschule am Donnerstag, 30. November, ein zweites Whisky-Tasting in der Stadtbibliothek „Brigitte Reimann“ an. Von 18.30 bis 21 Uhr führt Christian Hens durch die Welt der edlen Tropfen. Anmeldung und weitere Infos: 03921/949 43 00; E-Mail akvhs@lkjl.de.