Burg l Das Sturmtief „Xavier“ hinterließ eine Schneise der Verwüstung in Sachsen-Anhalt. Betroffen waren im Jerichower Land aber weniger die privaten Waldbesitzer der Forstbetriebsgemeinschaft Burg. Wesentlich größeren Schaden verzeichnete das Betreuungsforstamt Nedlitz, das die Betriebsgemeinschaft betreut.

Große Menge Holz

Die Schadensbilanz: Circa 25.000 Festmeter geschädigtes Holz hinterließ Sturmtief „Xavier“. Der Schadenschwerpunkt befindet sich laut Detlef Radtke, Leiter des Betreungsforstamtes Nedlitz, aber im Revier Nordfläming mit etwa 10.000 Festmetern und im Revier Leitzkau mit rund 5000 Festmetern Windwurf- beziehungsweise Bruchholz.

Insgesamt geht Radtke für das Jahr 2017 – in dem neben „Xavier“ noch weitere Stürme wüteten – von rund 75.000 Festmetern Windwurfholz aus. Eine große Menge – etwa das Dreifache, das sonst an Holz geerntet wird, sagt Radtke bei der jüngsten Waldbegehung im Gebiet zwischen Parchau und dem ehemaligen Ferienlager „Blumenthaler Ende“.

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Und obwohl die Forstbetriebsgemeinschaft Burg (FGB) kaum Ausfälle zu verzeichnen hatte, spürte sie die Folgen der Unwetter. Denn die große Menge Holz, die nach den Stürmen zu verwerten war, war der Grund, weshalb im den Wäldern der Forstbetriebsgemeinschaft Burg 2017 kein Holzeinschlag stattfand.

FGB-Vorsitzender Huchel erklärt: „Es gab einfach keine Firma, die den Holzeinschlag hätte durchführen können. Alle waren mit der Beseitigung der Sturmschäden beschäftigt.“ So erntete man nach einem Jahr Pause im Januar 2018 wieder die ersten Festmeter Holz.

Holzpreise sind stabil

Derzeit sind die Holzpreise auf einem stabilen Niveau, da lohnt sich der Verkauf von Stamm- oder Paletten-Holz, und das merken die Waldbesitzer. Auch die FBG profitiert davon. Sie nimmt dem Waldbesitzer Arbeit ab: Vom Holzeinschlag über die Vermarktung des Holzes bis hin zur Unterstützung bei der Wiederaufforstung und Fördermittelberatung. Dafür sie ist mit einem Abschlag am Gewinn beteiligt, außerdem finanziert sie sich über die Mitgliedsbeiträge.

Nach einem Holzeinschlag müssen die kahlen Flächen allerdings auch wieder aufgeforstet werden. „Es gibt zwei Möglichkeiten: Ganz klassisch Pflanzreihen aufpflügen und per Hand Bäumchen einsetzen oder aber Naturverjüngung“ so Radtke. Vorher müssen aber die Standortbedingungen geprüft und mit den Pflanzverfahren und Baumsorten abgestimmt werden.

Hier, am südlichen Rand des Parchauer Sees ist die Humusdecke dünn, dafür ist Mineralboden reichlich vorhanden. Beste Standortbedingungen für Kiefern – die ist nämlich ein Mineralbodenkeimer. Die Kahlfläche wird gemulcht und an den Stellen, wo die Humusschicht sehr dick ist, auch gepflügt. Denn im Humus hält sich kein Wasser und die Bäumchen geraten eher in Gefahr, abzusterben. Die bearbeiteten Flächen werden dann sich selbst überlassen.

Die fortpflanzungsreifen Kiefern der umstehenden Waldstücke kommen jetzt ins Spiel. Der Wind verbreitet die aus den Zapfen springenden Samen auch auf die Kahlflächen, wo sich die Natur dann von selbst verjüngt. „Diese Variante ist viel kostengünstiger und weniger aufwendig“, sagt Detlef Radtke, und doch gibt es eine Tücke. „Die zur Fläche übergroße Stückzahl macht das Gebiet spätestens nach drei Jahren unbegehbar.“

Naturverjüngung bedeutet, dass auf einem Hektar bis zu 150.000 Kiefern in die Höhe schießen. Bei konventionellen Pflanzverfahren mit Stock oder Maschine sind es 10.000 bis 12.000 – einschließlich einer Selektionsreserve. Bestände in dieser Dichte lassen sich rationell pflegen. Ergebnis: Es wächst ein Bestand mit ordentlichem Stammholz heran. Auch der Pflanzzeitpunkt ist von enormer Wichtigkeit. „Am besten ist immer die Märzpflanzung, wenn die Feuchtigkeit des Winters noch im Mineralboden gespeichert ist“, sagt Radtke.

Wenn die Mitglieder der FBG wie bei der Waldbegehung zusammenkommen, dient das auch dem Erfahrungsaustausch. Seit Jahren ebbt die Diskussion um den naturnahen Waldumbau nicht ab. Gerade mit Blick auf die Tatsache, dass Stürme und extreme Wetterlagen immer häufiger in der sogenannten Vegetationsperiode auftreten – wenn Laubbäume wie Eichen und Buchen, voll belaubt sind.

Streit um Waldumbau

Treffen Sommer- und Frühherbst-Stürme in voll belaubtem Zustand auf diese Bäume, fängt sich der Wind in den Kronen und wirft selbst kräftige, gesunde Eichen um. Bei einem Witterungsverlauf wie in früheren Zeiten mit Herbst– und Winterstürmen hatten alte Laubbäume kaum Probleme – anders als die benachbarten Nadelbäume. Das habe sich geändert, erläutert Radtke.

Seit Jahren arbeiten die Waldbesitzer an ihren Wäldern: neue Zusammensetzung von Arten, verschiedene Altersklassen, neue Lebensräume. So sollen Waldbestände wieder ihre natürliche Struktur erhalten. Der Waldumbau ist politisch so gewollt. Ob es überall Sinn macht, darüber streiten sich die Forstfachleute mit den Ministerien von Bund und Ländern. Eine Sache aber steht: „Der Wald unserer Mitglieder ist an 365 Tagen im Jahr 24 Stunden lang geöffnet“, so Rolf Huchel, Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft.